Kultur

Feierliche Übergabe eines Geschenkes. Fotografie von etwa 1960 aus der Fotosammlung SLUB Dresden.

28.11.2014

Ich gebe, damit du gibst

Eine Ausstellung in Fürstenfeldbruck geht dem Sinn des Schenkens nach

Der deutsche Einzelhandel weiß schon jetzt, dass dieses Jahr jeder Bundesbürger 100 Euro mehr für Geschenke ausgibt als 2013: für Schmuck, Bücher, Elektronik – und Parfüm. Kein Wunder, dass die Ausstellung Geschenkt! im Museum Fürstenfeldbruck mit einem Plakat von „4711“ anfängt. Dass ein Museum nicht Kunst wie üblich ausstellt, sondern sich Gedanken um ein Alltagsphänomen macht, ist bemerkenswert: „Wir waren selber überrascht, wie aspektereich dieses Thema ist, wir hätten noch viel mehr ausstellen können“, sagt Angelika Mundorff, eine der Kuratorinnen der Ausstellung.
Um ein attraktives Motiv für Plakate und Flyer musste man sich wenig Gedanken machen. Erst kürzlich waren in Fürstenfeldbruck die Bilder und Plakate von Brynolf Wennerberg ausgestellt: Dessen Kindergeburtstag lockt nun in den Raum für Sonderausstellungen im Fürstenhof-Museumskomplex.
Worum es beim Schenken geht, sagt schon der Volksmund und sagt auch die Ausstellung: „Ich gebe, damit du gibst.“ Alternativ: „Durch Schenken Freude bereiten“ – natürlich zu den großen Geschenkterminen, aber auch zu individuellen Anlässen wie Jubiläen oder Gedenktagen. Da gibt es dann einen großen „Bruderschaftspokal“ von 1850 aus Zinn („Innere Geschenke“) – „Schenken“ habe ja schließlich mit „Einschenken“ zu tun, belehren die Texte der Ausstellung.
Solche Dinge stapeln sich dann bei Beschenkten in Sammlerschränken oder im Keller und sind wegen der üblichen Gravuren leider nicht weiter verschenkbar wie so manche „Wanderflasche“. Zu der macht der Beschenkte dann besser gute Miene zum bösen Spiel. Das ist eine der sozialen Tugenden, wie auch das Feingefühl, das Sich-gehörig-freuen – auch das alles behandelt die Schau. Die Ausstellung spiegelt viele Aspekte zum Thema aus der Volkskunde und Soziologie wider.

Schön verpackt

Und natürlich werden Erinnerungen wachgerufen: an die eigenen Kindergeburtstage, aber auch an die Geburtstage von Promis wie an den 21. von Cornelia Froboess. Besonders bei den Vitrinen zu Geburt, Taufe oder Kommunion gerät man ins Staunen: etwa über einen „Patenbrief“ mit wohlgefalteter Schatulle für die Geldspende. Dass es nicht nur um historische Geschenke geht, zeigt das Handy in Zellophan-Verpackung gleich daneben.
Das Geschenkt!-Stockwerk wird zum Ort eigener Erinnerung und vielleicht auch dem Bedauern darüber, was man selbst nie gekriegt hat: kupferne Gugelhupfformen, den Ratgeber zum ehelichen Zusammenleben.

Das schönste Geschenk

Plakate spiegeln die Entwicklung der Kunstgeschichte: Jugendstiliges von 1911, die Plakate von Wennerberg, der nationalsozialistisch-heroische Realismus im Dienste der „Winterhilfe“. Langweilig wird einem nie angesichts des fleißig von privaten Leihgebern und Partnermuseen Zusammengetragenen.
Das zeichnet auch die Veränderungen des Schenkverhaltens nach: Bügeleisen und Wasserkocher in Engelshand und von AEG mögen früher willkommene Geschenke für Mutti gewesen sein wie auch die Krawatte für Vati – heute ist so etwas eher verpönt. Im Gegensatz zum immer gefragten Kaufladen oder der Puppenküche – im gleichen Schaukasten entdeckt man auch die politisch ganz inkorrekt benannte „Negerpuppe“.
Am Ende der Ausstellung wirft man noch einen Blick auf Kataloge von Geschenkpapier und auf die berühmtesten Schenker der Weltgeschichte: die drei Heiligen aus dem Morgenland, und einen der schönsten Verse zur Geschichte des Schenkens. Der stammt von Joachim Ringelnatz: „Schenke mit Geist ohne List. Sei eingedenk, dass dein Geschenk du selber bist.“ (Uwe Mitsching)

Bis 22. März. Museum Fürstenfeldbruck im Kloster Fürstenfeld, Fürstenfeld 7e, 82256 Fürstenfeldbruck. Di. bis Sa. 13 – 17 Uhr, So. und Fei. 11 – 17 Uhr. www.stadtmuseum-ffb.de

Abbildung:
Liebesgabe: Mosaik an einer Hausfassade in Fürstenfeldbruck (19. Jahrhundert). (Foto: Wolfgang Pulfer)

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