Kultur

Jo Strømgren (Jahrgang 1970) ist kein Freund von Cocktailparties. (Foto: Lioba Schöneck)

14.03.2014

"Ich versuche, ein bisschen finnisch zu sein"

Star-Choreograf Jo Strømgren über "Arsen - Ein Rokokothriller", das nächste Woche am Cuvilliestheater Premiere hat

Der international gefragte Norweger Jo Strømgren kom- biniert in seinen Stücken Tanz, live Musik, Nonsense- Sprache und Puppentheater. Jetzt choreografiert er zum ersten Mal für das Gärtnerplatztheater: Arsen – Ein Rokokothriller zu Streicher-Werken von Coralli, Vivaldi und Biber läuft am 20. März an.

BSZ Herr Strømgren, warum haben Sie sich für „Arsen – Ein Rokoko-Thriller“ entschieden?
Jo Strømgren Ich mache meine Stücke immer in Bezug auf das Land, beziehungsweise den Ort, wo sie zur Aufführung kommen. Das Münchner Cuvilliéstheater, das Kurfürst Maximilian III. Joseph Mitte des 18. Jahrhunderts erbauen ließ, er kommt übrigens auch im Stück vor, ist Deutschlands bedeutendstes Rokokotheater.

BSZ Was hat das mit Arsen zu tun?
Strømgren Das wurde damals in kleinen Dosen genommen, weil es als gesund galt. Auch, um sich gegen Vergiftungen immun zu machen. Die Kostüme sind im Rokokostil gehalten. Aber ähnlich wie George Orwells Animal Farm imgrunde ein Buch über politische Verhältnisse ist, sage ich etwas über unsere heutige Zeit. Oberflächlich ist das Stück ein Agatha Christi. Dahinter reflektiere ich kritisch die verschiedenen Standpunkte von Ländern wie Rumänien, Ungarn, Liechtenstein, Schottland und Österreich.

BSZ Sie sind bekannt für Ihren skurrilen Humor ...
Strømgren Ja, wir Skandinavier haben immer viel Spaß. Die Finnen haben einen noch ausgefuchsteren Humor. Und in diesem Psychothriller versuche ich, fast ein bisschen finnisch zu sein.

BSZ Sie haben zwar Tanz an der Akademie in Oslo studiert, gelten aber als skeptisch gegenüber akademischen Methoden.
Strømgren Durch meinen Vater, er war Marinebiologe, sind meine drei Brüder und ich im norwegischen Trondheim, aber auch in Thailand, Sri Lanka, Kalifornien, Marokko und Mexiko aufgewachsen. Unterricht bekamen wir am Strand von unserer Mutter, sie war Lehrerin. Ich habe schon als Kind früh gelernt, dass das eigene Land nicht das Zentrum der Welt ist. War früh politisch interessiert. Und mein Vater gab mir den Rat „Sei dein eigener Boss.“

BSZ Bis jetzt haben Sie mit Ihrer Strømgren Kompani 45 Länder bereist, für freie Gruppen und große Häuser zwischen Oslo, Stockholm, Straßburg und Wien Stücke choreografiert, nebenbei auch für Musical und Oper. Außerdem sind Sie Autor von zehn Theaterstücken, führen Regie und machen Filme. Wie schaffen Sie dieses Pensum?

Strømgren Ich gehe nicht auf Cocktailparties, verschwende keine Zeit mit Kontakt- und Imagepflege. Und ich bin gelassener als viele Kollegen, die schon vorab Angst haben, ihr Stück könnte durchfallen. Das kostet wahnsinnig Energie. Und die spare ich mir für die Arbeit selbst auf.

(Interview: Katrin Stegmeier)

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