Kultur

Franz Josef Strauß als Pilot, 1970 (Foto: Münchner Stadtmuseum, Archiv Dimitri Soulas)

21.04.2015

Inszenierung und Demontage

Franz Josef Strauß in den Medien: eine Ausstellung im Münchner Stadtmuseum

Fast drei Jahrzehnte nach seinem Tod ist Franz Josef Strauß noch immer präsent. Kaum ein deutscher B undespolitiker der Nachkriegszeit findet bis heute so sehr das öffentliche und mediale Interesse wie der ehemalige Bundesminister, CSU-Vorsitzende und Bayerische Ministerpräsident. Von seinen Freunden vergöttert, von seinen Gegnern verdammt, polarisierte er die öffentliche Debatte wie kein Zweiter.

Heuer, am 6. September, hätte Strauß seinen 100. Geburtstag begangen. Dieses Jubiläum nimmt das Münchner Stadtmuseum zum Anlass, in Kooperation mit der Hanns-Seidel-Stiftung, dem exponierten CSU-Politiker eine Kabinettausstellung zu widmen, die seine Darstellung in unterschiedlichen Bildmedien beleuchtet. Anhand von Fotografien, Plakaten, Zeitschriften und Filmdokumenten werden Strategien der medialen Darstellung wie auch der visuellen Demontage aufgezeigt.

Eine zentrale Bedeutung kommt dabei den gestalterischen Mitteln zu, mit denen die inhaltlichen Aussagen transportiert werden. An ihnen lassen sich exemplarisch Fragen der Wirkungsästhetik und politischen Ikonografie behandeln, die weit über die Person Strauß hinausreichen.

Am politischen Lebensweg von Franz Josef Strauß lässt sich eindrücklich nachvollziehen, wie bereits seit den 1950er Jahren ein Trend zur Personalisierung einsetzte und sich dieser zunehmend verstärkte. Heute scheint von politischen Programmen immer weniger und von der Person und ihrer professionellen Inszenierung dagegen fast alles abzuhängen. Wenn nicht nur politische Prozesse hoch komplex, sondern gleichzeitig die zu regelnden Sachfragen immer komplizierter werden, dann erwachsen daraus ernsthafte Probleme. Die Person des Politikers schafft in dieser Situation Übersichtlichkeit, Zurechenbarkeit von Entscheidungen und insgesamt Wahrnehmbarkeit von Politik. Abstraktes Systemvertrauen wird auf dieser Ebene durch personales Vertrauen ergänzt. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, wie wichtig die Imagebildung von Politikern für den Machterwerb und Machterhalt ist.

Spätestens seit 1953, als Strauß in der Funktion eines Ministers für besondere Aufgaben dem Bundeskabinett angehörte, wurde das Interesse auch überregionaler und internationaler Medien an seiner Person geweckt. Es entstand eine Beziehung, die ihn zu einer öffentlichen Person machte und die sein gesamtes politisches Leben hindurch bis weit über seinen Tod hinaus andauern sollte.

Die Ausstellung im Münchner Stadtmuseum spürt dem öffentlichen Bild des Politikers Strauß nach. Strategien der Imagebildung und die wichtigsten dabei genutzten Bildformeln werden anhand unterschiedlicher Bildmedien sichtbar gemacht. Viele der heute etablierten Bildstrategien der Repräsentation eines Politikers finden sich in den Darstellungen von Franz Josef Strauß wieder. Darunter klassische Rollen, wie die des Landesvaters, des „Mannes von nebenan", die ihn in einer vorgeblich authentischen Privatsphäre zeigen, aber auch die des Visionärs und einflussreichen Staatsmanns.

Gespiegelt wird diese affirmative Welt repräsentativer Darstellungen durch die satirische Kritik, denen streitbare Politiker wie Strauß permanent ausgesetzt sind. Neben der Karikatur eignet sich gerade die Fotomontage dazu, kritisch zu intervenieren und Fragen aufzuwerfen. Die mediale Konstruktion eines Images ermöglicht zudem auch dessen gezielte Dekonstruktion. Auf witzige oder provokante, insbesondere aber auch diffamierende Weise werden Person und Politik dargestellt. Dies führte mitunter zu Konflikten und sogar juristischen Auseinandersetzungen. Ein genauerer Blick auf die Inszenierung und Selbstinszenierung sowie Demontage von Franz Josef Strauß in den verschiedenen Medien gibt folglich nicht nur Aufschluss über seine Person und die Funktionsweisen politischer Werbung, sondern eröffnet auch Einblicke in unsere Mediengesellschaft. (BSZ)

24. April bis 2. August.

Stadtmuseum, St.-Jakobs-Platz 1, 80331 München. Di. bis So. 10 – 18 Uhr.

www.muenchner-stadtmuseum.de.

Einen Online-Kommentar verfassen - so geht's

Scrollen Sie einfach ans Ende des Artikels, den Sie kommentieren wollen und geben Sie Ihre E-Mail-Adresse und einen nickname an. Die Nennung Ihres Namens ist freiwillig. Für die Nutzer sichtbar ist in jedem Fall NUR der nickname. Sie müssen sich auch nicht auf unserer Homepage anmelden. Aber unsere Netiquette akzeptieren. Und schon können Sie loslegen!

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!

Neuen Kommentar schreiben

Die Frage der Woche

Frage der Woche KW 41 (2017)

Sollen Ein- und Zwei-Cent-Münzen abgeschafft werden?

Umfrage Bild
 

Lesen Sie dazu in der Bayerischen ­Staatszeitung vom 13. Oktober 2017 auch die Standpunkte unserer Diskutanten:

Thomas Mütze, finanzpolitischer Sprecher der Landtags-Grünen

(JA)

Ulrich Binnebößel, Zahlungsexperte beim Handelsverband Deutschland (HDE)

(NEIN)

arrow
Facebook
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

E-Paper
Unser Bayern

Die kunst- und kulturhistorische Beilage der Bayerischen Staatszeitung

Unser Bayern

LesenNachbestellen

Nur für Abonnenten

Shopping
Anzeigen Mediadaten
eaper
E-Paper
ePaper
zum ePaper
Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.