Kultur

03.11.2014

Interessantes Skelett

Die Kammeroper München spielt überzeugend Mahler in abgespeckter Version

Mozart, auch mal was Modernes wie kürzlich die Uraufführung einer Kaspar-Hauser-Oper: Das ist es, woran man bei Kammeroper München denkt. Seit zehn Jahren aber gibt es auch „Kammeroper konzertant“. Und die spielt sogar Mahler –  im Kammerformat. Nicht die bekannten Bearbeitungen von einst für Schönbergs Wiener Verein für Privataufführungen, sondern die Kammeroper bearbeitet selbst. Jetzt für zwei sehr gut besuchte Abende in der Allerheiligen-Hofkirche München Mahlers Vierte, dazu in passender Schlankheit Vanhal und Mozart im Programm und ein erster Preisträger im ARD-Wettbewerb für Kontrabass: Nabil Shehata heißt die preisgekrönte Doppelbegabung - auch fürs Dirigentenpult.

Das Orchesterchen spielt seinen Part mit links, mit Kraft, energischem Zugriff für den Vanhal und sein dynamisch sehr fein und liebevoll differenziertes Adagio. Zwischen den Sätzen schaut der Chef mal kurz in die Runde, dann wieder auf seinen Bass: alles o.k., alles sehr hübsch, hinreißend das Vanhal-Finale. Und längst nicht so brav wie der Bassist Clemens Joswig in der Mozart-Arie KV 612.

Ein paar Musiker waren es dann schon mehr für den Magerkost-Mahler in der Version von Alexander Krampe. Offenbar sind solche abgespeckten Mahler-Aufführungen eine immerwährende Versuchung für Orchester im Westentaschenformat. Der gibt auch  der Hörer  gerne nach, wenn es etwa einen so fabelhaften Cellisten im Orchester gibt, den man glatt mit Yo-Yo Ma verwechseln könnte. Dazu tadellose Bläser und eine ansehnliche Sopranistin, die schulterfrei bis zum 4. Mahler-Satz  und ihren Wunderhorn-Strophen ausharrt wie Jaewon Yun. Mit Röntgenblick hat Krampe die Struktur der Symphonie und ihrer Instrumentierung frei gelegt: Kann ein Skelett denn  schön sein? Zumindest interessant, denn man kriegt auch die schwachen Stellen eines Stückes mit. Bei den vielfach geforderten Musikern gab es eigentlich keine Schwachstellen, schon gar nicht beim hinreißend leuchtenden „ruhevoll“. Am Ende leuchtet der Sopran und signalisiert: Kammeroper, die klingt auch ohne Oper gut. (Uwe Mitsching)

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