Kultur

Probe im Theater "Pfütze" in Nürnberg (2011). (Foto: dpa)

19.09.2014

Kinder- und Jugendtheater in Not

Sie wollen junge Menschen schon früh an das Theater heranführen - doch die Finanzierung dieses Anliegens fällt immer schwerer

Es war ein düsteres Bild, das das Theater Pfütze zeichnete. Nicht weniger als die Zukunft der "Kinderkultur in Nürnberg" stehe auf dem Spiel. "Wenn da nicht bald etwas passiert, wird es wirklich richtig bitter", hatten die Nürnberger Kindertheatermacher bereits vor drei Jahren geklagt. Die Gegebenheiten haben sich seitdem nicht gebessert - im Gegenteil: "Die Situation ist noch viel dringlicher geworden", sagt Sibylle Ditzen, Geschäftsführerin der "Pfütze".  
Mittlerweile sei sogar die Finanzierung des laufenden Betriebs gefährdet, Rücklagen würden schnell verbraucht. Im vergangenen Jahr klaffte im Haushalt der Kinder- und Jugendbühne eine Lücke von 100 000 Euro. Grund dafür seien auch die stetig steigende Miete für die Spielstätte und der Ausbau theaterpädagogischer Arbeit.
Nicht in allen deutschen Städten ist die Lage für die Kinder- und Jugendtheater nach Beobachtungen des Kinder- und Jugendtheaterzentrum (KJTZ) in Frankfurt so schwierig wie in Nürnberg. Die Situation sei von Stadt zu Stadt unterschiedlich, berichtet der Leiter des KJTZ, Gerd Taube. Das Zentrum vertritt die Interessen der deutschen Kinder-und Jugendbühnen und bietet Aus- und Fortbildungen an.  
Viel hänge von den lokalen Gegebenheiten und der Tradition der Häuser ab, betont Taube. Für ihn sei unverständlich, dass verantwortliche Politiker in vielen Kommunen die Bedeutung der Kinderbühnen oft nicht erkennten. Denn für ihn und seinen Verband stellen Kinder- und Jugendtheater ein Stück "Daseinsvorsorge" dar: "Die Kinder- und Jugendtheater leisten unverzichtbare Arbeit für junge Menschen." Daher müssten sie von den Städten auch entsprechend gefördert werden.

Weniger Geld von Stiftungen und privaten Spendern

Dass Nürnberg gleich fünf Kinder- und Jugendbühnen hat und damit eine der Hochburgen des deutschen Kinder- und Jugendtheaters ist, hält der Verbandschef für außergewöhnlich und ein hohes Gut für die Stadt.   
Über finanzielle Probleme klagt auch das Nürnberger Kinder- und Jugendtheater Mummpitz. Seit 1980 bietet die Bühne Theater für junges Publikum an. Im vergangenen Jahr seien die Probleme besonders groß geworden, sagt die künstlerische Leiterin Andrea Erl. Denn der Freistaat hatte bei der Überprüfung seiner Mittel angemahnt, alle Mitarbeiter in Festanstellungen zu übernehmen. Dadurch seien die organisatorischen Abläufe komplizierter und die Kosten höher geworden.  
Inzwischen zeichne sich auch ab, dass künftig die Gelder von Stiftungen und privater Spender nicht mehr so üppig fließen werden wie bisher. Weil Stiftungen derzeit nur noch wenig Zinsen auf den Finanzmärkten bekämen, fielen naturgemäß auch deren Ausschüttungen etwa für kulturelle Projekte geringer aus.

Immer mehr Stadttheater bauen ihr Kinderangebot aus

Das Nürnberger Kulturreferat teilt die Einschätzung, dass die derzeitige Situation "nicht gerade rosig" ist. "Andererseits muss man auch konstatieren, dass die städtischen Gelder nie ausreichen werden, um alle Wünsche zu erfüllen", sagte ein Sprecher. Die Stadt kenne die Probleme und Nöte der Theater. Die letzte Kürzung liege vier Jahre zurück und sei nötig geworden, um den Haushalt zu konsolidieren. Zukünftige Erhöhungen schloss das Kulturreferat nicht aus.  
Zur wachsenden Konkurrenz werden nach Experteneinschätzung für die Kinder- und Jugendbühnen etablierte Häuser: Immer mehr Stadttheater, Landesbühnen und Staatstheater bauen das Kinder- und Jugendangebot zu einer eigenständigen Sparte aus. Deutschlandweit gab es in der Spielzeit 2012/2013 mehr als 13 000 Vorstellungen öffentlicher Kinder- und Jugendtheater, zu denen mehr als zwei Millionen Besucher kamen.  
In Nürnbergs Nachbarstadt Fürth hat das dortige Stadttheater erst in diesem Monat ein eigenes Ensemble gegründet. Laut Sprecher Christof Goger sei dieses aber keineswegs als Konkurrenz zu den freien Kinder-und Jugendbühnen in Nürnberg gedacht: "Wir wollen auf ein anderes Publikum abzielen und vor allem Jugendliche ab etwa 13 Jahren ansprechen." Die Neuerung sei lediglich eine Fortführung der bisherigen Arbeit des Stadttheaters. (Michael Fischer, dpa)

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