Kultur

Marco Steeger (links) als Markus Söder, ihm zur Seite Stefan Willi Wang, der als Entertainer durch die Soap-Satire führt. (Foto: Bührle)

25.10.2013

Klamauk mit Söder

Lachtränen über "Einige Nachrichten an das All"

Breitbeinig hat sich Markus Söder vor dem Mikrofon aufgepflanzt und blubbert die Sprechblasen des bundesdeutschen Polit-Sprechs ins Publikum. Das sitzt jedoch nicht in einer Wahlversammlung, sondern in den Kammerspielen des Staatstheaters Nürnberg, wo das Stück Einige Nachrichten an das All aufgeführt wird. Der aus Bayreuth stammende Schauspieler Marco Steeger spielt Markus Söder – und lässt den Politiker von der Bühne herab seine Polit-Suada fränkelnd ins Weltall hinausposaunen.

Beckett reloaded

Im Originaltext des Stücks hat der Autor, Wolfram Lotz, diese Rolle dem näselnden Ronald Pofalla auf den Leib geschrieben. In Nürnberg lässt sich Regisseur Markus Heinzelmann die Chance nicht entgehen, sie lokalkoloristisch umzumünzen. Der absurde Auftritt passt in diese aberwitzige Komödie, die Samuel Becketts Warten auf Godot nicht nur ins Heute versetzt, sondern futuristisch in eine Science-Fiction-Zukunft fortschreibt – Beckett reloaded!
Estragon und Wladimir, die bei Beckett auf Godot warten, mutieren in dieser Soap-Satire zu Purl (Rainer Matschuk) und Lum (Philipp Weigand), ein Männerpaar, das auf ein Kind wartet, das sie beide zur Welt bringen wollen. Worauf sie – naturgemäß – lange warten können. So lange, dass der Autor seinen Figuren und dem Publikum die Zeit mit Tief- und Schwachsinn vertreibt, um den Wirrwarr der Welt so drastisch vor Augen zu führen, dass es darob den Zuschauern die Tränen in dieselben treibt – vor Lachen.
Die nicht vorhandene Handlung treiben die Schauspieler – die ihre Rollen wie die Kostüme rasant wechseln – mit Kalauern und Klamauk auf die Spitze dieser Klamotte, in der sich Slapsticks und grelle Bühneneffekte (Bühnenbild Gregor Wickert) überschlagen.
Dabei liefert Marco Steeger nicht nur mit seiner Söder-Parodie, sondern auch als Krankenschwester, fischforschender Ichthyologe und als Dicke Frau ein Paradestück seines komödiantischen Talents ab. Dem freilich Stefan Lorch als der stotternde Dramatiker Heinrich von Kleist, mit grausliger Schusswunde als Folge seines Selbstmords am Kopf, ebenso wenig nachsteht wie Stefan Willi Wang, der als Entertainer sein Publikum durch den Abend – und an der Nase herumführt; ganz zu schweigen von der fast stummen Rolle der „Fußnote“, die Henriette Schmidt in bezaubernd naiver Kindlichkeit hinlegt.
Zum Schluss hin geht dem Stück wie der Inszenierung die dünne Luft des absurden, irrealen und surrealen Theaters aus, was dem Beifall des Publikums keinen Abbruch tut. (Fridrich J. Bröder)

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