Kultur

07.01.2011

Kluftinger ermittelt wieder

Der neueste Fall zeigt, dass der charmante Kauz eine billige Knallcharge zu werden droht

Der Heilige Magnus hat Schlangen, Drachen und Geister besiegt, gar eine Blindenheilung vollbracht – und ist auch wundertätig bei Vergesslichkeit, wie der neueste Kluftinger-Fall zeigt. Der Kommissar wendet sich an den Schutzpatron des Allgäus – nicht, damit dieser ihm helfe, einem Gesetzesbrecher das Handwerk zu legen, der die wertvolle Reliquie des Heiligen gewieft gestohlen hat. Nein, „Klufti“ bittet, der Heilige möge doch sein altes Klapperauto wieder auftauchen lassen. Der Karren ist am Schluss wieder da, und der sparsame Kriminaler ist plötzlich sogar Besitzer zweier Autos. Wie schon die Frotzeleien wegen seines alten Passat Variant perlt auch die Häme über den pinkfarbenen Smart samt Werbebanner an ihm ab.
Das zumindest kann Kluftinger nicht aus der Ruhe bringen. Doch der Behäbigkeit, die Volker Klüpfel und Michael Kobr ihrem Kommissar auf den Leib geschrieben haben, erliegt das Autorenduo allmählich selbst: Viel zu gemächlich und spannungslos plätschert der Kriminalfall um den Schutzpatron (Titel) dahin, der leidlich kindischen Zickigkeiten im Kripoteam ist man allmählich überdrüssig, allzu billig kommen die Wortspielereien daher, die Geschichte verliert sich in ausgewalzten Nebenschauplätzen mit nur allzu vorhersehbaren Fettnäpfchen für Kluftinger.
Es scheint, als seien solche Kluftinger-Episoden (zum Beispiel: Kluftinger fliegt zum ersten Mal/ Kluftinger lernt bei Dr. Langhammer Golfen/ Kluftinger teilt sich ein Bett mit dem Streber Maier) als selbstständige Episoden extra im Hinblick auf inszenierte Autorenlesungen vor großem Publikum (das Buch wird am 2. Juni im Münchner Circus Krone vorgestellt) ausgemalt worden, die der Kriminalfall nur noch als blassroter Faden durchzieht. Bislang ließen die Autoren mit bloß Angedachtem, pfiffigen Andeutungen und kurzen prägnanten Szenen dem Leser die Chance, selbst weiterzudenken und beinahe körperlich mit dem Kommissar mitzuschwitzen (etwa wenn sich Kluftinger in eine zu knappe und aus der Mode gekommene Badehose zwängen muss). Nun gibt es zu viele Worte um die Peinlichkeiten, die Kluftinger widerfahren: So droht aus dem charmanten Kauz allmählich eine billige Knallcharge, ein nerviger Trottel zu werden. (Karin Dütsch)

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