Kultur

Ein außergewöhnliches Konzertevent: Wenn Valery Gergiev mit den Münchner Philharmonikern und Kun-Woo Paik am Klavier auftreten, ist ein Erinnerungsfoto angesagt. (Foto: Matthias Fischer)

24.11.2015

Korea bejubelt die Philharmoniker

Valery Gergiev und die Münchner Philharmoniker laufen dem koreanischen Helden am Klavier den Rang ab

Es ist kein Geheimnis, dass sich die Südkoreaner als die "Italiener Asiens" bezeichnen. Auch sie würden gerne singen, heißt es oft, und sie hätten viel Temperament. Eines steht fest: Wer das Publikum in Seoul erlebt, der muss das Klischee einer "fernöstlichen kühlen Distanz" gründlich revidieren. So war das jedenfalls, als jetzt Valery Gergiev und die Münchner Philharmoniker auf ihrer ersten gemeinsamen Tournee in Südkorea Halt machten.

Der Saal tobt

In großen Konzerthalle des Seoul Arts Center wurden das Orchester und sein neuer Chefdirigent wie Pop-Stars gefeiert. Der Saal tobte buchstäblich: Es wurde gepfiffen und gejubelt. Auch als Gergiev schon längst in der Garderobe war und die Musiker alleine auf der Bühne standen, wollte der Beifall nicht aufhören.

Selbst Kun-Woo Paik, der den Solopart im Klavierkonzert Nr. 5 von Ludwig van Beethoven spielte, bekam weniger Beifall – was erstaunt. Der in Seoul geborene Pianist, der im kommenden März seinen 70. Geburtstag feiern wird, gilt in Korea als musikalische Instanz – geradezu als Held. Jetzt liefen ihm die Philharmoniker klar den Rang ab.

Unerhörte Farben

Erneut war es die Sinfonie Nr. 6 von Peter Tschaikowsky, an der sich das Publikum nicht satthören konnte – wie schon zuvor in Taipeh. Die große Stärke der Philharmoniker sind nicht zuletzt die exzellenten Holzbläser. Sie bereichern das Timbre des Orchesters um schier unerhörte Farben (berührend: das Klarinettensolo von László Kuti).

Überdies war es in Seoul ein Hörereignis erster Güte zu erleben, wie sich die Stimmen auffächerten. Jede Note wurde klar phrasiert. Selbst das fragilste, stillste Piano entwickelt eine omnipräsente Atmosphäre. Und wo allmählich das Forte heranwächst, wölben bald schon die Blechbläser die klangliche Architektur.

Ein Held, der in die Jahre gekommen ist

Zuvor musste man sich jedoch durch ein ziemlich behäbiges, wuchtiges Klavierkonzert Nr. 5 von Beethoven mühen, was zuvörderst an den Solisten Kun-Woo Paik lag. Der in Paris lebende "Grandseigneur der koreanischen Klavierschule" hat fraglos die Entwicklung des Instruments in seiner Heimat entscheidend geprägt. Als einstiger Schüler von Wilhelm Kempff gilt er als großes Vorbild. Beim jetzigen Konzert wirkte sein Spiel etwas in die Jahre gekommen.

Einem lyrischen "Cantabile" lauschte man vergeblich, das "Legato" blieb gänzlich ein Fremdwort – alles abgehackt, fast schon maschinell runtergerattert. Über weite Strecken bediente Kun-Woo Paik einzig das Mezzoforte oder Mezzopiano. In Seoul saß im Publikum auch der in München lebende koreanische Pianist William Youn. Mit den Philharmonikern hat er im vergangenen Winter ein Konzert bestritten. Wie gerne hätte man Youn auch jetzt in Seoul mit Beethoven erlebt. (Marco Frei)

Lesen Sie in der BSZ vom 27. November eine Bilanz zur Asien-Tournee der Münchner Philharmoniker

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