Kultur

Auch der "Malerfürst" Franz von Stuck ist in der Sammlung Bram vertreten, zum Beispiel mit dem Porträt "Olga". (Foto: Städtische Galerie)

07.12.2012

Kunst fürs Land

Städtische Galerie Rosenheim erinnert an Max Bram

„Warum sollen nur Hauptstädte Stätten der Kunst sein?“, fragte sich vor 100 Jahren der Münchner Max Bram. Der Sammler zeitgenössischer Kunst wollte diese aufs Land bringen: „Die draußen mögen sich auch ihrer erfreuen und daran erbauen. Und erziehen und veredeln soll sie auch dort die empfänglichen Gemüter“, schrieb der ehemalige Oberlehrer und Mäzen 1923 rückblickend.
Dass Rosenheim um 1900 kulturell aufblühte, hatte er selbst beobachtet – Bram, 1855 in Pfaffenhofen geboren, hatte eine engere Beziehung zu der Stadt, in der er seine Kindheit verbrachte; außerdem war er mit einer Rosenheimerin verheiratet. In Rosenheim gründeten sich verschiedene Vereine und Verbände, die nachhaltig zur Entwicklung der Kulturpflege beitrugen, darunter ein Amateur-Fotografen-Club, ein Gebirgstrachten-Erhaltungs-Verein, der Alpenverein, das Rosenheimer Volkstheater des Alois Bach, der Historische Verein und der Rosenheimer Kunstverein.

Stiftung als Werbefaktor

Da Brams Ehe kinderlos blieb, und seine reiche Kunstsammlung als Ganzes erhalten bleiben sollte, entschloss er sich 1904, der Stadt diese zu schenken. Um fortan seine Chancen beim Kunstkauf zu erhöhen bzw. um namhafte Künstler preisgünstiger einkaufen zu können, legte er seinen Bittschreiben beglaubigte Abschriften seiner Rosenheimer Stiftungsurkunde bei. In den meisten Fällen ging seine Rechnung auf – die Künstlerfürsten Franz von Stuck und Franz von Defregger überließen Brams kleinere Werke zu Preisen weit unter ihrem Marktwert. Gelegentlich wurde als „Dreingabe“ für ein Ölgemälde auch noch eine Zeichnung dazugelegt, etwa von Leo Samberger die Kohlezeichnung Paulus oder von Hermann Sockmann die Karikatur Ein durstiger Münchner. Ein Verzeichnis der Städtischen Gemäldegalerie von 1931 listet über 200 grafische Arbeiten auf.

Klangvolle Namen

Ein repräsentativer Querschnitt von Brams Kunstschatz sind in der Ausstellung Die Sammlerträume des Max Bram. Defregger, Schleich, Stuck, Wopfner zu sehen. Künstler der Münchner Schule mit weiteren klangvollen Namen wie Wilhelm von Dietz, Hugo Kaufmann, Wilhelm Leibl, Carl von Marr, August Seidl, Karl Spitzweg, Friedrich Voltz, Ludwig Willroider und Heinrich von Zügel reihen sich dicht an dicht. Sämtliche Werke der Jubiläumsausstellung wurden aus dem Depot der Galerie hervorgeholt. Landschaften wechseln sich ab mit naturalistischen Tierdarstellungen, Porträts, Genrebildern, Interieurs, Stadtansichten und Seeschlachten.
Da Brams Stiftung festlegte, dass die Übergabe seiner Sammlung erst erfolge, wenn in Rosenheim geeignete Präsentationsräume dafür zur Verfügung stünden, blieb die Sammlung vorerst noch in seiner Münchner Wohnung (Steinsdorfstraße). Sie gelangte erst 1913 nach Rosenheim, als dort die erste städtische Gemäldegalerie in der aufgelassenen und zum Museum umgebauten Michaelskirche am Ludwigsplatz öffnete. 1937, nach Vollendung des heutigen Galerie-Neubaus (German Bestelmeyer), fand Brams Erbe sein endgültiges Zuhause – der Sammler war allerdings schon kurz nach der Grundsteinlegung 1935 im Alter von 85 Jahren gestorben. (Angelika Irgens-Defregger)

Abbildungen (von oben):

Max Bram vor seiner Sammlung. (Foto: Stadtarchiv Rosenheim)

Aus dem Genre Landschaftsmalerei in der Sammlung Bram stammt auch dieses Gemälde Chiemseefischer von Josef Wopfner. (Foto: Städtische Galerie Rosenheim)

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