Kultur

Michaela Schneider steigert sich als Fee Ada zur veritabelen Wanger-Heroin. (Foto: Martin Sigmund)

31.01.2014

Lauter Vorahnungen

Richard Wagners beziehungsreiches Jugendwerk "Die Feen" wollen in Regensburg erst entschlüsselt sein

Er will rein, ins Festspielhaus. Aber Katharina und Eva machen die Bayreuther Türen dicht für ihren jungen Ur-Opa Richard, der andauernd in seiner Partitur von Die Feen herumradiert. Da kann seine Büste noch so sehr rotieren, können Angela Merkel und Veronika Ferres als Festspielgäste über den Zwischenvorhang flimmern: Bis sie nach drei Akten Jugendwerk und drei sich dehnenden Stunden doch zum Gruppenfoto bitten, hat das Publikum ein Patchwork zwischen Damals und Heute und Feenreich zu entwirren.
Aber es ist ja gut präpariert: Denn im Theater am Bismarckplatz gibt es zur Regensburger Erstaufführung von Die Feen einen Wagner-Devotionalienstand mit Aufklebern und Jutebeuteln. Und ein Kreuzworträtsel fragt unter Fünf senkrecht schon mal die Hauptperson ab. Da haben sich Intendanz und Regie doch allerhand einfallen lassen fürs ausverkaufte Haus – auch einen Inspizienten, der drei Stunden lang am Proszenium sitzen muss und am Ende alles zum Guten wendet: die romantische Feen-Love-Story, Wagners Biografie von den kleinen Theaterklitschen über die Dresdner Barrikaden von 1848 bis zum Festspiel-Olymp.
Aber für das in Würzburg komponierte, 50 Jahre später in München uraufgeführte Stück und das von Regisseur Uwe Schwarz aus Braunschweig ausgedachte Puzzle ist man besser ein Wagnerspezialist. Wenn man das romantische Beziehungsgeflecht der Handlung, besonders aber die Vorahnungen von Holländer und Tannhäuser, die Spuren von Carl Maria von Weber oder die Meyerbeer-Imitation realisieren will.
Das ist zweifellos das Interessanteste dieser Aufführung: wie Fee Ada ihre jugendlich-dramatischen Kollegen Senta und Elisabeth antizipiert, der ewige Jammerlappen Wagner alias König Arindal den hin- und hergerissenen Tannhäuser, die Aktschlüsse Wagners nächste „große romantische Opern“.
Die szenische Charade, an der Uwe Schwarz den Zuschauer herumrätseln lässt, gelingt am besten im Mittelakt auf den Dresdner Les Misérables-Barrikaden und mit dem revolutionären Flintenweib, das Viktorija Kaminskaite in Timochenkow-Frisur und gewehrwedelnd spielt. Treueschwüre, Frageverbote und der halbe E.T.A. Hoffmann geben den Rahmen für die Geschichte. Feenkönigin Ada jagt ihre Kinder mit Sprengstoff in die Luft, Wagner/Arindal schleppt sein Steiff-Bambi mit sich herum ... Am besten, man hält man es mit Ada und Lohengrin: Nie sollst Du mich befragen!
Aber genauso wie Michaela Schneider sich fulminant von Akt zu Akt zur hochdramatischen Wagner-Heroine steigert, wie der stramme Heldentenor Charles Kim die anstrengenden drei Akte und drei Stunden bewältigt: Man kriegt die Doppelhandlung dann doch irgendwie auf die Reihe. Und freut sich über die gescheiten Anspielungen, Vorahnungen, die auch Arne Willimczik aus Regensburgs Philharmonischem Orchester herauskitzelt. Da macht höchstens das wacklige Blech manchmal nicht mit. Aber bei den Aktschlüssen bebt das Haus am Bismarckplatz unter dem Ansturm von Hörnern und Posaunen, von bestens präparierten Choristen, die sogar aus den Logen heraus tönen.
Die Feen sind in Regensburg nicht nur Wagners Jugendwerk, sondern auch Vorübung für einen weiteren Wagner-Kraftakt in der nächsten Spielzeit. Holländer und Lohengrin sind schon abgehakt – welches Geheimnis mag die Pressekonferenz in wenigen Wochen da lüften? (Uwe Mitsching)

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