Kultur

Mit seinen Landschaftsbildern erarbeitete sich Joseph Anton Koch rasch Ansehen und gehörte fest zum Kern der deutsch-römischen Künstlerkolonie. Dieses Aquarell zeigt Vietri am Golf von Salerno (1795). (Foto: Akademie der bildenden Künste Wien, Kupferstichkabinett)

20.04.2012

Lukrative Ansichten

Nach Rom und Wien zeigt jetzt Schweinfurt einen erweiterten Querschnitt aus dem Werk von Joseph Anton Koch

Ein paar radierte Blätter von seinen Ansichten besitzt wohl jeder Künstler in Rom.“ Diese anerkennende Feststellung im Jahr 1835 galt einem Werk des Tiroler Künstler Joseph Anton Koch (1768 bis 1839) – und das aus dem Mund eines Berufskollegen. Tatsächlich war der so gelobte Künstler in Rom schon längst zur zentralen Figur und zum gesellschaftlichen Mittelpunkt der deutsch-römischen Künstlerkolonie avanciert.
Die künstlerischen Talente Kochs waren früh entdeckt worden. Gefördert durch den Augsburger Weihbischof begann der Siebzehnjährige eine Ausbildung in der berühmten Stuttgarter „Hohen Carlsschule“, die er allerdings nach sechs Jahren fluchtartig verließ: Seine wachsende Begeisterung für die Freiheitsideen der Französischen Revolution stand im diametralen Gegensatz zu den doktrinären Lehrmethoden dieser Schule. Nach einem dreijährigen Aufenthalt in der Schweiz zog er 1895 in die „Ewige Stadt“, die zum Zentrum seines weiteren Schaffens wurde. Er verließ sie nur noch einmal für einen dreijährigen Wien-Aufenthalt in den Jahren 1812 bis 1815.
Derzeit ist ein Querschnitt aus seinem zeichnerischen Werk in Schweinfurt zu sehen. Die zuerst in Rom und Wien präsentierten Zeichnungen haben im Museum Georg Schäfer ihren letzten Ausstellungsort gefunden und dabei eine wertvolle Erweiterung erfahren. Der Auswahl von 61 Zeichnungen und Aquarellen aus dem über 800 Blätter zählenden Koch-Fundus des Wiener Kupferstichkabinetts wurden weitere 17 Blätter aus der Schäfer’schen Sammlung hinzugefügt. In vier Räumen werden die Schwerpunkte aus Kochs Schaffen präsentiert. Den Reigen der Landschaftsbilder eröffnen seine frühen Naturstudien in der Schweiz. Sie finden ihre Fortsetzung mit frei gestalteten „heroischen Landschaften“ mit mythologischen oder biblischen Szenen. Die Präsentation der Landschaftsbilder wird eindrucksvoll mit der 20 Radierungen umfassenden Serie der „Römischen Ansichten“ abgerundet. Der ständig mit finanziellen Problemen kämpfende Künstler hatte sie primär für den Kunstmarkt angefertigt, offensichtlich mit gutem Erfolg.
Zu den Höhepunkten der Ausstellung zählen die Zeichnungen zu zwei großen, wenn auch damals aus finanziellen Gründen gescheiterten Illustrationsprojekten: Gezeigt werden dramatische Kompositionen zu Dantes Göttlicher Komödie, vornehmlich mit Szenen aus dem Inferno. Dazu ist ein von Kochs Schwiegersohn Johann Michael Wittmer später erstelltes Dante-Album zu besichtigen. Er griff dabei im Wesentlichen auf Kochs Ideen zurück.
Junge Talente gefördert
Beim zweiten Projekt handelt es sich um einen Zyklus von Reinzeichnungen zu James Macphersons Gesänge des Ossian. Sie sollten ursprünglich als Prachtausgabe dem großen Ossian Verehrer Napoleon ausgehändigt werden. Daraus ist aber nichts geworden.
Die Ausstellung bietet den Besuchern zum einen die seltene Gelegenheit Kochs künstlerisches Schaffen in seiner großen Bandbreite, gekonnt verdichtet präsentiert, auf sich wirken zu lassen. Im gleichen Haus ist zum anderen die stilistische Weiterentwicklung der von Koch so freizügig geförderten jungen Talente zu verfolgen. Beispielhaft seien hier Franz Theobald Horny, Ludwig Richter, Johann Scheffer von Leonhardshoff, Heinrich Reinhold und Kochs Schwiegersohn Wittmer genannt. (Reiner Oelwein)

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