Kultur

Noch eine verlassene Lehmgrube bei Langenzenn: Dort soll die Bühne für das Luther-Spektakel errichtet werden. Aufführen wird es die örtliche Hans-Sachs-Spielgruppe. Deren Vorsitzener Klaus Rösch hofft auf EU-Gelder. (Foto: dpa)

18.11.2015

Luther in Lehmgrube

Neue Naturbühne im fränkischen Langenzenn soll imposante Kulisse für Historienspektakel um den Reformator werden

Der Ort könnte ohne weiteres als die perfekte Kulisse für eine Krimi-Verfilmung durchgehen. Kurz vor Sonnenuntergang ist es mucksmäuschenstill in der abseits gelegenenLehmgrube am Ortsrand der kleinen mittelfränkischen Stadt. Die Gräser und Büsche oberhalb der mächtig wirkenden, abgeböschten Lehmwände sind hochgewachsen. Ein kleiner provisorischer Weg, ohne Straßenlaternen, führt an diesen einsamen Platz.

Es braucht etwas Fantasie, um sich hier die stattliche Wartburg vorstellen zu können, wo einst Martin Luther als Junker Jörg einen Teil der Bibelins Deutsche zu übersetzte. In zwei Jahren soll es nach den Plänen eines Theatervereins aber soweit sein: Die nicht mehr von Ziegeleien genutzte Lehmgrube in Langenzenn (Kreis Fürth) soll bis dahin zu einer neuen bayerischen Naturbühne ausgebaut sein, mit Platz für 400 Besucher.

Pünktlich zum Höhepunkt der Lutherdekade 2017will die Hans-Sachs-Spielgruppe Langenzenn dort das Stück "Martin Luther" uraufführen - entweder nach der bekannten Filmvorlage oder in einer eignen Fassung.

Knapp eine halbe Million Euro hat der nach dem Nürnberger Meistersinger Hans Sachs benannte Verein für das Projekt veranschlagt. Rund 200.000 Euro will er aus eigener Kasse beisteuern. Weitere 200.000 Euro sollen nach dem Konzept des Vorsitzenden Klaus Roscher beim europäischen Regionalentwicklungsprogramm "Leader" beantragt werden.

"Wir sind gerade dabei, die Baupläne fertigzustellen", sagt Roscher. Der 63-Jährige läuft mit einem Zollstock durch die Lehmgrube und vermisst das Areal. Angesichts der meterhohen Erdmassen um ihn herum, wirkt er wie ein Spielzeugmännchen. "Ich möchte ein paar Felsen hierher bringen lassen, die würden die Kulisse noch eindrucksvoller machen", sagt Roscher.

Ob die Wartburg für Luthers großen Auftritt als Nachbau in der Lehmgrube errichtet wird oder nur als eine Projektion zu sehen sein wird, darüber ist sich Roscher noch unklar. Mit Holzlatten haben Mitglieder des Theatervereins bereits provisorisch die Bühne abgesteckt. "Durch den Lehm haben wir hier eine hervorragende Akustik, vielleicht können wir sogar auf Mikrofone verzichten", schwärmt Roscher.

Nach den Luther-Aufführungen soll die Naturbühne von anderen Gruppen angemietet werden können. Auch große Konzerte und Open-Air Kinoabende seien denkbar, sagt Bürgermeister Jürgen Habel (CSU). In Langenzenn gibt es heute noch drei aktive Lehmgruben, die überwiegend für die Dachziegel-Produktion genutzt werden. Die Ziegelei, der die für die Naturbühne vorgesehene Grube gehörte, existiert seit einigen Jahren nicht mehr. "Eine Brache einer kulturellen Nutzung zuzuführen, ist genau im Sinne des Leader-Zuschussprogramms der EU", betont Landrat Matthias Dießl (CSU). Er ist deshalb optimistisch, dass EU-Gelder für das Kulturprojekt fließen werden.

Unterstützt wird es zudem von der Evangelischen Kirche. Sie feiert 2017 das 500. Jubiläum der Reformation, die 1517 mit Luthers 95 Thesen gegen den Ablasshandel begann. "Das Luther-Stück könnte zu einem großen Historienspektakel und damit zu einer sehr emotionalen Aufführung werden", sagt der Nürnberger Regionalbischof Stefan Ark Nitsche. Er möchte ein größeres Kontingent Eintrittskarten vorab erwerben und Kirchenvertreter 2017 nach Langenzenn einladen. "Damit könnteein Teil der Produktionskosten gedeckt werden."

Die Hans Sachs-Spielgruppe plant, das Luther-Stück nach der Original-Filmvorlage auf die Bühne zu bringen - vorausgesetzt, der Kauf der Rechte wird nicht zu teuer. "Sonst müssen wir selbst ein Skript schreiben", sagt Roscher. Der Historienfilm über Luthers Leben kam 2003 in die Kinos, Uwe Ochsenknecht spielte darin mit.

Ein so prominenter Schauspieler wird in Langenzenn vermutlich nicht auf der Lehmbühne stehen: "Wir werden für die 100 zu besetzenden Rollen ein Casting durchführen", erläutert Roscher, der überwiegend auf Laiendarsteller und Nachwuchsschauspieler setzen will. In Mittelfranken ist der Verein bereits für die Umsetzung selbst schwieriger Stücke mit Laien bekannt. "Und wir haben gut gewirtschaftet, deshalb können wir uns die Investition in die Naturbühne leisten", sagt Roscher selbstbewusst. (Roland Beck, dpa)

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