Kultur

Appetit aufs Opfer. (Foto: Schönbeck)

11.03.2011

Männer mit Biss

„Dracula“ am Mainfranken Theater Würzburg

Eine triumphale Premiere erlebte das Ballett Dracula am Mainfranken Theater Würzburg. Anna Vita hatte nach Motiven des Romans von Bram Stoker ein spannungsvolles Handlungsballett mit Elementen zwischen Klassik und Moderne entworfen, ließ es in der Zeit des späten 19. Jahrhunderts spielen, mittels der stimmigen Kostüme von Stephan Stanisic. Alles geschieht in einem düsteren, weiten Raum mit wenigen schwarzen Versatzstücken. Sie erinnern an Verfall, an Verwitterung (Bühne: Sandra Dehler).
Die Musik dazu von Philip Glass und Wojciech Kilar vermittelte schon zu Beginn durch ihre Reihungen, minimal variierten Wiederholungen, ihre mal harmonisch, mal archaisch oder sakral wirkende Klanglichkeit und deren Brüche einen Eindruck von geheimnisvoll bedrohlicher Anziehungskraft. Das äußerst aufmerksame Philharmonische Orchester unter Ulrich Pakusch und der oft rhythmisch skandierende Chor vermochten diese Wirkung noch zu steigern.
Alles begann mit der Vorgeschichte, wie der historische Vlad Tepes, der spätere Graf Dracula, nach einer Schlacht gegen die Muselmanen (als Schattenrisse sichtbar), durch Verrat und Rache zum Blut saugenden Untoten wird, zum lebenden Geist. Die eigentliche Geschichte setzt dann in London ein, als Jonathan (Manuel Wahlen), ein junger Anwalt, nach Rumänien aufbricht, seine Freunde über die Dracula-Legende spotten und er sich von seiner Verlobten Mina verabschiedet. Deren Freundin Lucy wird später von einem Vampir gebissen und kann erst durch eine Radikalkur gerettet werden, durch einen Pfahl durchs Herz. Und Mina, dem Grafen geheimnisvoll verfallen, kann sich und ihre Freunde nur durch dieselbe Methode vor dem unheimlichen Bann bewahren. Ob sie dadurch glücklich wird?
Der Einbruch des Irrationalen in die christlich und zivilisatorisch geordnete Welt hat jedenfalls einen gruseligen Reiz. Ivan Alboresi verleiht Graf Dracula Würde, Eleganz, aber auch kaum bezähmte Wildheit – anfangs als sprungstarker Kämpfer, später als schwarze, glatzköpfige Figur, sich katzenhaft anschleichend, lauernd, galant oder in einem ausdrucksstarken Pas de deux mit fast grotesken Zügen bei der Vereinigung mit Mina. Ako Nakaome war einerseits eine geschmeidige Gräfin Elisabetha, andererseits eine naiv-mädchenhafte Mina, die sich immer mehr zu einer selbstbewussten Persönlichkeit entwickelt. Caroline Matthiesen als Lucy verändert sich unter dem Vampir-Einfluss ebenfalls, wird vom heiteren, bis in die Fingerspitzen graziösen Wesen mit weichen Bewegungen zu einem aggressiven, heftig reagierenden Geschöpf. Ebenso Mitleid erregend in seinen Zuckungen: der Irre (Romilson Ferreira Matos). Für die Aufführung gab es vom Publikum Beifallsstürme. (Renate Freyeisen)

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