Kultur

Manchmal wirken die Arbeiten in den riesigen Hallen des ehemaligen AEG-Areals regelrecht verloren. Obendrein fehlen erklärende Saaltexte. (Foto: Uwe Niklas/Deutsche Bahn AG)

05.06.2015

Magie des Puristischen

Erstmals gewährt die Deutsche Bahn mit einer Ausstellung in Nürnberg Einblick in ihre Kunstsammlung

Nach dem „Blut-und-Boden“-getränkten Realismus der Nazi-Kunst fing in den Fünfzigerjahren des vorigen Jahrhunderts eine Gruppe junger Künstler in der Bundesrepublik wieder bei Null an: Die Gruppe Zero proklamierte in ihrem Manifest (1963) einen „Neuen Idealismus“: Zero ist die Stille. Zero ist der Anfang. Zero ist rund. Zero ist Zero.
Mit der Gruppe Zero und ihrem Umfeld gibt die Kunstsammlung der Deutschen-Bahn-Stiftung erstmals einen Einblick in ihre Kunstschätze und zeigt auf dem Kunstareal „Auf AEG“ in Nürnberg an die 150 Arbeiten von 50 Künstlern aus der (insgesamt mehr als 300 Werke umfassenden) Sammlung.

Die reine Form

Im Mittelpunkt stehen die drei bekanntesten Künstler der Gruppe Zero: Otto Piene, Heinz Mack und Günther Uecker – die für eine ganze Generation stilbildend waren. Ihnen ging es nicht mehr um Abstraktion und Einfühlung, sondern um die reine Form, die pure Farbe, um Strukturen und Geometrie, um eine Kunst, die nicht über sich hinauswies und auf eine Aussage drängte. Es ging, wie der amerikanische Künstler Ad Reinhard es formulierte, um „Kunst ist Kunst“ – und sonst nichts.
Diese puristische Ästhetik ist in der riesigen Halle „Auf AEG“, wo die Arbeiten manchmal fast untergehen, mit Händen zu greifen: Eine strenge Ordnung dominiert, geometrische Strukturen und Lineaturen stehen neben reinen Farbflächen, die – so paradox das klingen mag – eine Magie der Form hervorzuzaubern vermögen.
Otto Pienes Licht- und Feuermalerei, Hein Macks strenge Raster und Günther Ueckers Materialbilder aus Nägeln demonstrieren, dass Kunst gedacht und gemacht wird und der künstlerische Genius, der künstlerische Gestus fern aller Spiritualität eine Wirklichkeit sichtbar machen will, die man heute als virtuell bezeichnen würde. Konkrete Kunst also, die auf ihre „Oberflächlichkeit“ setzt, hinter der sich freilich nichts auftut, nichts anderes als sie selbst sichtbar wird. Eine Augenweide für unsere elektronisch und medial übersättigte Augen.
Doch der Besucher tut gut daran, sich darauf vorzubereiten, denn leider ist die Ausstellung so dilettantisch kuratiert und verweigert – außer im Katalog – die eigentlich unerlässlichsten Informationen, die ein paar einführende Tafeln mit Saaltexten zu den jeweils angeschlagenen Themen hätten liefern können. So aber wird der auf sich gestellte Besucher allein und im Stich gelassen. Aber vielleicht war die Nürnberger Premiere nur der missglückte Probelauf für ihre weiteren Stationen quer durch die Republik. (Fridrich J. Bröder)

Bis 17. Juli. „Auf AEG“, Halle 20, Fürther Straße 244-254/Muggenhofer Straße 132/135, 90429 Nürnberg. Di. bis So. 10 – 19 Uhr.
www.dbmuseum.de

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