Kultur

Hinrichtungsmethoden gab es viele - eindrücklich wurden sie zum Beispiel in Ulrich Tenglers "Layenspiegel" von 1509 abgebildet. Ein Exemplar des Bandes in der der Staatlichen Bibliothek Regensburg. (Foto: Bibliothek) Illustrationen

25.11.2015

Malträtiert und ertränkt

In der Staatlichen Bibliothek Regensburg ist eine außergewöhnliche Liste mit Kandidaten zur Hinrichtung aufgetaucht

Erst von glühenden Zangen gerissen, dann in der Donau ertränkt: Die Frau, die so hingerichtet wurde, war als Kindsmörderin abgeurteilt worden. Ein Mann, der Sodomie für schuldig befunden, wurde verbrannt. Und wer des schweren Diebstahls oder der Räuberei überführt wurde, musste sich ebenfalls auf ein qualvolles Ende vorbereiten: Die Hinrichtung mit dem Schwert war üblich, der Leichnam wurde dann oft auch noch auf ein Rad geflochten und zur Abschreckung ausgestellt.

Kein Pardon

Vom "Theater des Schreckens" sprach der inzwischen verstorbene Historiker Richard van Dülmen. In der Tat: die Rechtsgeschichte einstmals kannte wenig Pardon, schließlich war sie auch nicht vom Gedanken geprägt, den Verurteilten zu bessern, sondern ihm das Vergehen gegen die Ordnung quasi mit gleicher Münze heimzuzahlen - und auch gleich für die öffentliche Abschreckung zu sorgen.

Beredtes Zeugnis für diese Rechtspraxis ist ein außergewöhnlicher Fund: Es ist eine handschriftliche Liste von zum Tode verurteilten Personen. Angelegt wurde dieses kulturgeschichtlich wertvolle Dokument von Georg Sigismund Hamann, einem Beisitzer des Regensburger Stadtgerichts an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert. Akribisch notierte Hamann zwischen 1594 und 1606, wer in seiner Amtszeit zum Tode verurteilt worden war und vor allem warum die jeweilige Strafe verhängt wurde.

Zufallsfund

Die Liste Hamanns ist ein wichtiges Dokument zur Geschichte des Strafgerichts in der Reichsstadt Regensburg, die noch viele Forschungsthemen bietet. Hamanns Liste ist ein entscheidendes Mosaiksteinchen, zumal viele Akten aus dieser Zeit im 19. Jahrhundert verloren gingen.

Entdeckt wurde die Liste  auf der letzten Seite eines Buches aus dem 16. Jahrhundert in der Staatlichen Bibliothek Regensburg. Dort finden Retrokatalogisierungsmaßnahmen statt, um die Bände aus dem urheberrechtsfreien Bestand für die Digitalisierung vorzubereiten (ein Gemeinschaftsprojekt mit Google). Lakonisch Bibliotheksleiter Bernhard Lübbers über die Entdeckung: "Nebenbei zeigt der Fund wieder einmal sehr eindringlich, dass alte Bücher oftmals erstaunliche Überraschungen bergen.

Zu sehen sein wird die Liste in einer Ausstellung über Todesstrafen im frühneuzeitlichen Regensburg, die am 2. Dezember beginnt und bis  Ende Februar im Foyer der Bibliothek zu sehen. Ein Begleitheft ist für 3 Euro in der Bibliothek erhältlich. (BSZ)

Staatliche Bibliothek Regensburg, Gesandtenstr. 13, 93047 Regensburg. www.staatliche-bibliothek-regensburg.de

Abbildung:
Hinrichtungen am Galgen wurden vor den Toren der Stadt vollzogen. Ausschnitt aus einem frühneuzeitlichen Plan von Regensburg, der die Lokalisierung des Galgenbergs zeigt. (Foto: Bibliothek)

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