Kultur

Star mit fränkischen Wurzeln, der Heimat verbunden: Sopranistin Diana Damrau wird von "ihren" Würzburgern gefeiert. (Foto: dpa)

09.06.2015

"Mein Herz hängt halt an Würzburg"

Diana Damrau trägt sich ins Goldene Buch der Stadt ein und plaudert über ihre Beziehung zur Mainmetropole. Abends brilliert sie biem Mozartfest

Sonst werden Staatspräsidenten, gekrönte Häupter oder wichtige Politiker von der Stadt Würzburg im historischen Wenzelsaal feierlich empfangen und mit einem Eintrag ins Goldene Buch gewürdigt. Nun aber wurde der Sängerin Diana Damrau diese hohe Ehre zuteil. Die Sopranistin, ein Weltstar auf der Opernbühne, zeigte sich deshalb auch tief beeindruckt. Doch in der ihr eigenen natürlichen, charmanten Art versah sie die Zeremonie auch mit heiteren, persönlichen Zügen. Obwohl noch von der strapaziösen Anreise etwas ermüdet, zeigte sie sich entspannt, locker, umarmte die eingeladenen Freunde herzlich und genoss sichtlich den Anlass mit strahlendem Lächeln, sehr attraktiv in einem lachsfarbenen Sommerkleid mit applizierten Seidenrosen, die blonden Haare zu einem neckischen Dutt aufgesteckt.

Oberbürgermeister Christian Schuchardt erhob den Auftritt der sympathischen Sängerin beim diesjährigen Mozartfest zum Höhepunkt des Festivals und meinte, die Stadt sei sehr stolz, dass hier der Ausgangspunkt ihrer Karriere gewesen sei. In ihrer launigen Dankesrede sagte die gebürtige Günzburgerin zur Freude aller Anwesenden: „Ich bin eigentlich eine Würzburgerin“. Denn in der Stadt am Main hat sie die entscheidenden Jahre ihrer Ausbildung verbracht und am Stadttheater die ersten Schritte in ihren künftigen Beruf getan. Ein Geschenk des Himmels sei es für sie gewesen, dass die Würzburger Musikhochschule ihre private Gesangslehrerin eingestellt habe, ein Wechsel also nicht nötig wurde. Am Theater habe sie dann durch die Begegnung mit den anderen Sparten „alles Wichtige für später aufgesaugt“. Auch am Mozartfest hat sie sich schon als Studentin aktiv beteiligt: „Ich habe bei Mozarttänzen mitgemacht.“ Und auch wenn sie es weit von sich weist, eine Wagner-Sängerin zu sein – „Als Stipendiatin des hiesigen Wagner-Verbandes habe ich das erste Mal in Bayreuth eine Oper von ihm erleben dürfen“, und das hat ihr sehr gefallen. Immer noch pflegt sie heute den Kontakt zu ihren zahlreichen Würzburger Freunden, auch wenn sich der Alltag mit ihren zwei sehr lebhaften Söhnen, äußerst turbulent gestaltet und ihr das Herumreisen zu den diversen Engagements kaum Zeit lässt. Aber: „Immer wenn ich in die Gegend komme und die sanften grünen Hügel am Main sehe, fühle ich mich heimisch; mein Herz hängt halt an Würzburg!“ Und so versprach sie dem Stadtoberhaupt: „Wenn Sie mich brauchen – Ich bin da!“  

Zu einem triumphalen Erfolg wurde dann ihr Liederabend beim Mozartfest mit dem Pianisten Helmut Deutsch im Kaisersaal der Würzburger Residenz. Karten gab es dafür schon lange nicht mehr, und trotzdem drängelten sich noch Unerschrockene an der Abendkasse. Das Programm war so ganz nach dem Geschmack ihrer Fans: Mozart, Schubert und Strauss.

Diana Damrau begann mit vier Kompositionen des Salzburger Meisters, die zum Standard-Repertoire jedes Gesangs-Wettbewerbs gehören. Aber bei dieser Ausnahme-Sopranistin klangen sie so ganz anders. Aufhorchen ließ bereits „An Chloe“  durch die schimmernden Höhen und die sanft erotisierenden Momente dieser großen Stimme, während „Als Luise..“ ein wenig hintergründig akzentuiert wurde, die „Abendempfindung“ ein Juwel differenzierter Gestaltung war und man beim „Veilchen“ nur noch staunen konnte, welche Facetten der sinnvollen Textdeutung die Künstlerin hier entfaltete, getragen vom fein perlenden, niemals vordrängenden, aber die Aussage noch steigernden Klavierspiel von Helmut Deutsch. Da war dann die Sängerin im blauen Abendkleid mit spitzbübischem Lächeln ganz in ihrem Element und konnte den Schubert-Teil des Abends mit vollem Elan beginnen. „Liebe schwärmt auf allen Wegen“ gab sie betont romantisch, bewegt und strahlend, während in „Frühlingsglaube“ nachdrückliches Sehnen und der Genuss an der verführerischen Schönheit der Welt sich abwechselten. Von der bewegten Schilderung des „Gottes im Frühling“ führte der Weg zu einem „Ganymed“, in dem der volle, leuchtende Sopran in variablen Stimm-Modulationen schwelgen konnte und so eine packende Szene formte. Auch „Heimliches Lieben“ wurde so zu einem überschwänglichen Seelendrama. Mit großen Bögen und dramatisch sich weitenden Höhen des klaren, glänzenden Soprans konnten „Geheimes“ und „Rastlose Liebe“ innere Spannungen bestens vermitteln. Das „Lied der Delphine“ rundete dann als beeindruckendes Stimmungsgemälde diese Palette emotionaler Erregung bestens ab.

Der Strauss-Teil setzte noch eins drauf. Das beliebte „Ständchen“ bezauberte durch die liebevoll gestalteten Nuancen, ließ aber auch schon die Oper ahnen, während „Das Rosenband“ eine sanfte Einheit schimmernder Gesangslinien bildete. Das träumerische „Wiegenlied“, „Meinem Kinde“ und „Muttertändelei“ waren wohl der bekennenden Mutter zweier Söhne wie aus dem Herzen gesprochen, ein wenig von neckischen Gesten, Blicken und Lächeln unterstützt.

Zum guten Schluss gab es mit „Vier letzte Lieder“ für Sängerin und Pianist eine Premiere; dabei geriet der „Frühling“ manchmal etwas stark bei fast instrumentaler Führung der Stimme und glänzenden Linien; der „September“ war dank der großen Ausdrucksbreite des Soprans eine stimmliche Farbenmalerei, schwelgte in Ruhe und Klangschönheit; „Beim Schlafengehen“, ganz an der Textgestaltung orientiert, führte hin zu einem doppeldeutigen „Im Abendrot“ mit subtilen Schattierungen in der Schilderung der Natur, trüben Gedanken und der offenem Frage nach dem Tod.

Nach einer besinnlichen Pause wollte der Beifall nicht aufhören, die Würzburger feierten „ihre“ Damrau mit stehenden Ovationen, und die gut gelaunte Sängerin bedankte sich mit drei Zugaben, wobei das „Adieu“ aus der Oper „Manon“ den Wunsch weckte, den Weltstar wieder einmal auf der Bühne erleben zu können. Vorerst aber blieb sie eine Künstlerin zum Anfassen, als sie unermüdlich im kalten Foyer Autogramme schrieb, Bewunderinnen  aus Asien erlaubte, mit ihr Selfies zu schießen, und mit ihren zahlreichen Fans bis weit in die Nacht hinein plauderte. (Renate Freyeisen)    

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