Kultur

Detail einer Muttergottes mit Kind (um 1525) von Peter Dell aus der katholischen Pfarrkirche St. Bonifatius in Großwelzheim. (Foto: Museum für Franken/ Katja Krause)

08.12.2017

Meister der Kleinplastik

Das Museum für Franken in Würzburg stellt das Werk von Peter Dell vor, der im Schatten Riemenschneiders steht

Eine Entdeckung bietet das Museum für Franken auf der Würzburger Festung mit der Ausstellung Peter Dell der Ältere – zwischen Riemenschneider und Reformation. Es ist die erste Präsentation des bisher weithin unbekannten Bildhauers – es können nur wenige Beispiele sein Schaffen zeigen. Das wirkt disparat.

Ein Grund dafür mag die Umbruchszeit zwischen den Glaubensrichtungen des alten katholischen Bekenntnisses und der neuen reformatorischen Konfession sein, ebenso die ökonomische Situation für Bildhauer nach dem Bauernkrieg 1525, als weitgehend ihre kirchlichen Auftraggeber wegfielen.

Im Übrigen kündigte sich ein neues Zeitalter, die Renaissance, an. Die Künstler mussten sich auf Wanderschaft dorthin machen, wo sie Aussicht auf Auskommen hatten. Peter Dell ist ein Beispiel für ein solch zeittypisches Künstlerleben. Wohl um 1490 in Würzburg geboren, ging er als Lehrbub ab 1500 in die Werkstatt Tilman Riemenschneiders. Doch schon um 1504 finden wir ihn in der Werkstatt des angesehenen Bildhauers Hans Leinberger in Landshut. Ab diesem Zeitpunkt ist von der Berührung mit der Kunst Riemenschneiders kaum mehr etwas zu spüren.

Hinwendung zu Leinberger

Zum Vergleich dient eine kleine Maria mit Kind von Riemenschneider. Dell orientierte sich mehr an dem, was er bei Leinberger sah: Alles wirkt runder, gedrungener, die Gliedmaßen des Körpers zeichnen sich ab unter dem Gewand, das oft bei den Falten eine Y-Figur bildet, Hände und Gesicht scheinen weniger fein. Die innige Beziehung von Mutter und Kind wird betont. Auch geflochtene Kordeln übernahm Dell von Leinberger, der das wohl von byzantinischen Vorbildern hatte.

All das ist auch an Dells großer Madonna von Großwelzheim (1525) zu beobachten. Der hl. Sebastian aus dem Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg hat Ähnlichkeit mit Plastiken Leinbergers in der dramatischen Darstellung; ebenso findet man bei Dell dessen ornamentale Wellen. Feiner erscheint die Figurenzeichnung bei einer Anna Selbdritt aus Hörstein. Hier ist deutlich das Alter in den Gesichtszügen unterscheidbar, und die Hinwendung der Figuren zueinander zeugt von inniger Vertrautheit. Allerdings wirken die drei Figuren aus Radheim (Bistum Mainz) sowohl in Gesichtsausdruck als auch in Proportionierung ziemlich grob.

Dell, der ab 1525 an den Hof Heinrichs des Frommen nach Freiberg in Sachsen ging, war wohl eher ein Meister der Kleinplastik und des Reliefs. So zeigt eine kleine Kreuzigungsgruppe um 1525 (das Kreuz ist nicht mehr erhalten) eine sehr lebendige, feine, dramatisch gedrängte Szene. In ähnlichen Zusammenhang gehörten wohl einst eine alte Frau und ein Krieger, Überbleibsel einer größeren Gruppe.

Das qualitativ kunstfertigste Werk ist wohl das Relief mit der Allegorie des christlichen Heilswegs: Eine Seele gleitet auf ihrem Schiff auf dem Meer des Lebens dahin, ersehnt von Gott Vater und dem Erlöser, dem auferstandenen Christus, angefochten von Tod, Teufel und Frau Welt, der Versucherin, gestützt aber durch deutsche Bibelzitate, die sie durch alle Anfechtungen geleiten. Das deutet auf Einflüsse der Reformation hin.
Auch die Verbildlichung der sieben Todsünden mit der detailgenau wiedergegebenen Kleidung (es sind sechs erhalten) soll die Erziehung zu christlicher Tugend unterstützen und wurde wohl für die Andacht eines reichen Privatsammlers geschaffen. Da die großen Aufträge ausblieben, fokussierte sich Dell auf Kleinbildwerke, schuf Porträtplaketten, verlegte sich zusehends auf steinerne Skulpturen für Wappen, für Figurenschmuck und schließlich für Grabdenkmäler. 1534 ließ er sich in Würzburg nieder, als anerkannter Meister mit eigener Werkstatt. Nach dem Tod des Vaters 1552 führte sein Sohn Peter Dell der Jüngere diese weiter. (Renate Freyeisen)

Information: Bis 7. Januar. Museum für Franken, Festung Marienberg, Oberer Burgweg, 97082 Würzburg. Di. bis So. 10-16 Uhr. www.museum-franken.de

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