Kultur

Carl Schuch war stets unterwegs – viele seiner Eindrücke von Landschaften hielt er in Gemälden fest: Hier sein Bild "Brückenruine an einem Flußlauf" aus dem Jahr 1870. (Foto: Museum Lothar Fischer)

18.11.2011

Meister des Lichts

Späte Entdeckung Carl Schuchs im Neumarkter Museum Lothar Fischer

Es ist nicht immer von Vorteil, wenn man gut betucht ist. Der Maler Carl Schuch, 1846 in der Wiener Leopoldvorstadt geboren, musste sich zeitlebens keine Sorgen um sein wirtschaftliches Fortkommen machen. Die Eltern mit Wurzeln in der Oberpfalz führten in Wien einen Gasthof und besaßen mehrere Kaffeehäuser. Nach ihrem frühen Tod war die Zukunft ihrer Kinder Carl und Pauline gesichert.
Bereits mit 13 Jahren beschließt Carl Schuch, Maler zu werden. Er widmet sich seiner Leidenschaft, ohne sich um Ausstellungen und Verkäufe kümmern zum müssen. So erklärt sich die Tatsache, dass Schuch bei einer Präsentation seines Werks gemeinsam mit Paul Cézanne und Edouard Manet noch im Jahr 2000 in Darmstadt im Schatten seiner berühmten Zeitgenossen stand, als quasi Unbekannter.
Das Werk von Carl Schuch, der von den „Spur“-Malern Heimrad Prem, Helmut Sturm, HP Zimmer und Lothar Fischer als „deutschsprachiger Cézanne“ geschätzt wurde, wird nun mit einer umfassenden Ausstellung im Museum Lothar Fischer in Neumarkt gewürdigt. Das Morat-Institut für Kunst und Kunstwissenschaft in Freiburg/Breisgau kann hier mit über 30 Leinwänden erstmalig seine Sammlung von Gemälden Schuchs in ihrer Gesamtheit zeigen, in der Bilder aus nahezu allen Werkphasen vorhanden sind.
Beginnend mit den frühen Landschaften und Arbeiten aus der Münchner Zeit aus der Umgebung von Wilhelm Leibl und Wilhelm Trübner lässt sich die Malerei des viel gereisten Künstlers hier verfolgen, deren Frische, Modernität und Freiheit die „Spur“-Maler beeindruckt haben. Im Umgang mit Licht und Schatten zeigt sich Schuchs Meisterschaft. Nachdem nicht nur seine Eltern, sondern schließlich auch seine Schwester Pauline früh an einem Lungenleiden verstorben war, beendete Schuch 1869 seine Lehre beim renommierten Landschaftsmaler Ludwig Halauska in Wien und begab sich auf eine Wanderschaft, die erst 1894 in Wien endete, wo er dann, an einer nie genau diagnostizierten Krankheit leidend, bis 1903 mit seiner Frau Louise Egène Lami lebte.
Schuchs Reisen führten ihn durch ganz Europa, nach Venedig, Sizilien, Rom, Olevano, Florenz und nach München, wo er Wilhelm Trübner kennenlernte, mit dem er sich schließlich in Rom auch für kurze Zeit ein Atelier teilte. Er war mit Wilhelm Leibl befreundet, den er am Walchensee kennenlernte, und bekam auch Kontakt zu Hans Thoma. Auf weiteren Reisen besuchte er Hintersee bei Berchtesgaden, wo er seinen späteren Biografen Karl Hagemeister traf, mit dem er nach Wien und Dresden fuhr und dort Werken von Delacroix, Corot und Daubigny begegnete. Nach den Niederlanden, wo ihn vor allem Rembrandt und Vermeer interessierten und er erstmals Gemälde von Gustav Courbet sah, zog es ihn nach Deutschland. Er besuchte Rügen, den Harz und den Bayerischen Wald.
Auf Anregung Trübners beginnt Schuch, Stillleben zu malen. Die beiden arbeiten einen Sommer lang gemeinsam in Bernried am Starnberger See und in Wessling. Dort fasziniert ihn das gewaltige Gemäuer und das Helldunkel einer Schmiede so nachhaltig, dass er sie unter verschiedenen Aspekten mehrmals malt.
Bald aber trennt sich Schuch von seinem Freund, um sich dessen künstlerischem Einfluss zu entziehen. Er geht nach Venedig und im Anschluss nach Paris, um sich intensiv mit französischer Malerei zu befassen, verbringt zwei Sommer in Holland und besucht dann mehrere Jahre lang immer wieder die Schweiz.
Sein an Reiseeindrücken und Arbeitsaufenthalten reiches Malerleben fand Niederschlag in den intensiven und sensiblen Gemälden, die ihn zu einem wichtigen Maler des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts machen, den man jetzt in Neumarkt posthum genauer kennenlernen, wenn nicht gar erst einmal entdecken kann. (Ines Kohl)

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