Kultur

21.12.2012

Mickey-Mousing

Musica femina: Platte Uraufführung in München

In der Kunst darf das Geschlecht keine Rolle spielen. Es zählen nur Können und Inspiration – und auch Frauen können es besser oder schlechter. Das zeigte sich einmal mehr beim dritten Abokonzert des Münchener Kammerorchesters (MKO) im Prinzregentheater. Unter der Leitung von MKO-Chef Alexander Liebreich gastierte einerseits die aufregende Junggeigerin Patricia Kopatchinskaja mit dem Violinkonzert von György Ligeti. Andererseits wurde ein neues Werk von Helena Winkelman uraufgeführt. Es ist im Auftrag des Münchner Vereins „musica femina“ entstanden, der sich 1988 gründete. Er möchte das Schaffen von Frauen im Münchner Konzertleben stärken und pflegen, seit 2003 werden mit dem MKO Uraufführungen gestemmt.
Doch während Kopatchinskaja mit einer unkonventionellen Ligeti-Interpretation brillierte und als Zugabe noch mehrere Stücke von György Kurtág verlebendigte, blieb das neue Werk der 1974 geborenen Schweizerin Winkelman irritierend konventionell und uninspiriert.
Hinter dem Titel Bandes dessinées verbirgt sich ein tierischer Comic-Strip, der sich als „Hommage à George Antheil“ verstanden wissen will. Es geht um Fressen und Gefressen werden. Die Jäger sind „Katzentiere“, die von Celli und Kontrabässen imitiert werden. Als Beute müssen Erdmännchen herhalten, die in den Violinstimmen hausen. In den Bratschen und Geigen flattert zudem ein „warnender Vogel“ herum, der sich am Ende als Geier entpuppt.
Bis dahin musste man sich durch 535 Takte mühen, die betont lustig sein wollten. Sie waren es nicht. Jede tonmalerische Pointe wurde so lange plattgetreten, bis sie auch wirklich jeder Depp verstanden hatte. Nicht zuletzt galt das für das berühmte Pink-Panther-Motiv: Es wurde derart plump zitiert, dass sich eine eigene Hör- und Geistesarbeit erübrigte. Was zurück blieb, lässt sich mit jenem „Mickey-Mousing“ ausdrücken, das Winkelman im Sinn hatte – schnarch, gähn! Tatsächlich war ihr neues Werk das schwächste des Abends.
Sonst aber war die Dramaturgie des Konzerts wieder sinnstiftend. Das Überthema war die Reibung mit dem musikalischen Erbe. Neben Winkelmans Uraufführung und Ligetis Violinkonzert galt das auch für das Konzertstück mit Bläserquintett von Boris Blacher (mit dem Hindemith-Quintett). Bei Winkelman mutierte diese Reibung zu einer Verflachung. Eine wohltuend entschlackte, flotte vierte Sinfonie von Franz Schubert tröstete über diese Enttäuschung hinweg. (Marco Frei)

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