Kultur

Ausschnitt aus „Vergewaltigt“, dem zweiten Blatt aus Käthe Kollwitz’ Folge „Bauernkrieg“. (Foto: Käthe Kollwitz Museum Köln)

08.12.2017

Mörderischer Kampf

Das Museum Kulturspeicher in Würzburg zeigt den verstörenden Grafikzyklus zum Bauernkrieg von Käthe Kollwitz

Aufstand“ heißt es derzeit im Würzburger Kulturspeicher. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht der siebenteilige Grafikzyklus von Käthe Kollwitz zum Bauernkrieg von 1525, einer der blutigen Folgen der Reformation.

Doch nicht nur das Aufbegehren gegen Unterdrückung ist das Thema dieser vom Käthe Kollwitz Museum Köln übernommenen und mit eigenen Exponaten angereicherten Schau, sondern auch das Aufbegehren gegen den zu Beginn des 20. Jahrhunderts gepflegten Akademismus in der bildenden Kunst.

Die Präsentation hebt die Radierfolge zum Bauernkrieg mit ihrem verstörenden Inhalt vor einer roten Wand hervor und betont somit die dramatische Bilderzählung von der Unterdrückung der wie Arbeitstiere Geknechteten, ihrem Widerstand, ihrem Zusammenrotten, ihrem mörderischen Kampf und dem katastrophalen Ende.

Vorarbeiten aufgespürt

Käthe Kollwitz (1867 bis 1945), von Anfang an sozial engagiert und am Bauernkrieg interessiert, schuf 1899 das Blatt Aufruhr, mit dem sie ihren künstlerischen Durchbruch erzielte. Schon hier findet sich die im späteren Zyklus (1902 bis 1908) erneut auftauchende Figur der Bäuerin, der „schwarzen Anna“. Auf dem zentralen Blatt der Radierfolge Losbruch steht sie im Vordergrund, feuert mit erhobenen Armen die losstürmende Masse der Bauern an. Diese aller Individualität entkleidete, wie tierisch wütende Menge erhält durch die diagonale Bewegung starke Dramatik.

Die Ausstellung umfasst nicht nur das Thema Bauernkrieg, sondern spürt auch der Genese der sieben Darstellungen nach, den Vorarbeiten der Künstlerin, möglichen Vorbildern und dem Ausprobieren grafischer Techniken. Ein verwandtes Thema leitet alles ein, der Zyklus zum Weberaufstand. Käthe Kollwitz wurde dazu inspiriert von Gerhart Hauptmanns Drama Die Weber. Die zwischen 1893 und 1897 angefertigten Grafiken sind düstere, kleinformatige Lithos; sie zeigen die Not der Weber in räumlicher Enge, den Zug der Weber, ihren aussichtslosen Sturm und das Ende, den Erschossenen in der Webstube.

Die Entstehung der Blätter zum Bauernkrieg kann der Betrachter an den Vorstufen und Zeichnungen gut nachverfolgen. Für das erste Blatt Die Pflüger hat Kollwitz die Darstellung immer mehr auf eine horizontale Komposition im Querformat hin konzentriert und hin auf zwei Menschen, die unter einem schweren Himmel den Pflug ziehen. Auch für Vergewaltigt gibt es Vorstudien, bei denen noch die Angst der kindlichen Zeugen deutlich wird, durch die Beleuchtung wird das Ausmaß der Gewalt an der im Krautgarten liegenden Frau deutlich. Beim Dengeln kann man am Gesichtsausdruck der Bäuerin ablesen, wie das Schärfen der Sense sie zum Aufstand inspiriert.

Dramatisch beleuchtet

Auch das hochformatige Blatt Bewaffnung in einem Gewölbe entwickelte sich zu einer fast verschwörerischen Stimmung mit dem schwachen Licht im Torbogen und der schwarzen, kollektiven Bewegung von links unten nach rechts oben. Auf Losbruch mit der ganz anders gearteten Richtung folgt das düstere Schlachtfeld, auf dem die Bäuerin ihren toten Sohn findet; beleuchtet sind in der umgebenden Schwärze nur die Hand der Mutter und der Kopf des Gefallenen.

Das Scheitern des Aufstands zeigt die Gruppe der nach der Niederlage Zusammengetriebenen in Die Gefangenen; ein Junge blickt nach oben, vielleicht ein Hinweis auf Kommendes.

Mit ihrem meisterhaft radierten Bauernkrieg-Zyklus war das Frühwerk von Käthe Kollwitz abgeschlossen; später widmete sie sich eher einzelnen Menschen und deren Leiden an sozialen Missständen. (Renate Freyeisen)

Information: Bis 14. Januar. Museum Kulturspeicher, Oskar-Laredo-Platz 1, 97080 Würzburg. Di. 13-18 Uhr, Mi. 11-18 Uhr, Do. 11-19 Uhr, Fr./ Sa./ So. 11-18 Uhr.

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