Kultur

Manfred Treml wird auch weiterhin dem Museumspädagogischen Zentrum (MPZ) tatkräftig verbunden bleiben. (Foto: Dütsch)

22.10.2010

MPZ-Botschafter e.h.

Manfred Treml geht in den Ruhestand – der Museumspädagogik bleibt er aber verbunden

Zehn Jahre brauche er schon, um etwas Neues auf die Beine zu stellen, hat Manfred Treml 2001 gesagt, als er neuer Chef am Museumspädagogischen Zentrum in München wurde. Und es hat tatsächlich nicht lange gedauert, bis er die Einrichtung neu ausrichtete. Am 1. November gibt der 67-Jährige das Szepter ab an Josef Kirmeier (53).

Jetzt wird alles anders. Der Neue wird ganz andere Saiten aufziehen, das ganze Haus umkrempeln ... „Auf keinen Fall“, beeilt sich Josef Kirmeier lachend einzuwerfen – er ist froh, eine so gut bestellte Institution übernehmen zu können: „Veränderungen wird es zunächst allenfalls hausintern geben. Ich möchte erst einmal mit allen Kolleginnen und Kollegen sprechen, herausbekommen, welche Vorstellungen sie haben, welche vielleicht noch unentdeckten Potenziale noch geweckt werden können.“
Manfred Tremls Zeit am MPZ charakterisiert souveräne Überzeugungsarbeit: Er hat es geschafft, dass sich die Einrichtung vom „Anhängsel“ der Staatsgemäldesammlungen zur selbstständigen Institution mauserte, das der zentralen Museumsverwaltung unterstellt ist. „Damit sind natürlich Erwartungen an unsere Kompetenz geknüpft“, sagt Treml und nennt als gesicherte Arbeitsgrundlage das veränderte Kuratorium. „Darin sind jetzt Mitglieder, wie etwa das Jugendherbergswerk und der Beirat für Erwachsenenbildung, die früher nicht im Blickfeld waren. Wir müssen uns in einem weitgespannten Netzwerk etablieren.“
Und wenn es um das Werben fürs MPZ geht, wird Manfred Treml auch eifrig unterwegs sein, wenn er nicht mehr dessen Direktor ist. Dann übernimmt er den Posten des Vorstandsvorsitzenden im MPZ-Freundeskreis – von Josef Kirmeier. Die beiden kennen sich schon gut ein Vierteljahrhundert: Kirmeier hat nach dem Studium im Haus der Bayerischen Geschichte das Ausstellungsmachen von der Pike auf gelernt – stellvertretender Direktor dort war damals Treml, der ursprünglich Gymnasiallehrer war, und auch schon an der Akademie für Lehrerfortbildung in Dillingen gewirkt hatte. Kirmeier blieb am Haus der Bayerischen Geschichte; nach seiner ersten Ausstellung zur Kultur der Juden in Bayern (gemeinsam mit Treml) hat er gut 40 Projekte betreut, darunter die besonders erfolgreiche Landesausstellung Wiederaufbau und Wirtschaftswunder in Würzburg (2009).
Die Chemie zwischen Kirmeier und Treml stimmt – die Philosophie auch. Im Rückblick auf „seine“ Ausstellungen fürs Haus der Bayerischen Geschichte sagt der neue MPZ-Chef: „Ich mag Themen, die polarisieren. Weil das Emotionen weckt. Das treibt Menschen an, sich mit etwas zu beschäftigen.“ Manfred Treml pointiert als MPZ-Devise: „Motivieren über die Neugierde.“ Kinder sollten beim Museumsbesuch einfach schauen und staunen, etwas schön finden dürfen, ohne gleich in Kategorien denken zu müssen. „Das Museum ist ein Reich der Freiheit und Fantasie.“ Ausdrücklich betont er: „Das Museum ist ein idealer Lernort, weil sich dort quasi die ganze Welt abbildet. Aber der Nürnberger Trichter hat dort nichts zu suchen!“ Einigen Lehrern gehe es nur um Fakten, „es gibt welche, die den Museumsbesuch am nächsten Tag tatsächlich in einer Ex abfragen.“

Keine Eventagentur

Bei allem Vergnügen, das die Mitarbeiter des MPZ den jungen Museumsbesuchern bereiten wollen: „Das Museum ist kein Rummelplatz und das MPZ ist keine Eventagentur“, gibt er geradezu unnötig mahnend seinem Nachfolger mit auf den Weg. Besonders in der Würzburger Landesausstellung 2009 hat Josef Kirmeier gezeigt, wie sich Spaß und Didaktik sinnvoll verbinden lassen.
Aber das Ganze will finanziert sein – und das ist einer der Schwerpunkte, der auf Kirmeiers To-do-Liste in den kommenden Jahren obenan stehen wird: Das MPZ braucht noch mehr finanzielle Unterstützung. Denn eines bekommt man auch im MPZ immer deutlicher zu spüren: Vielen Eltern sind die 2 oder 3 Euro plus Fahrtkosten für einen solchen Museumsbesuch zu viel; Berufsschüler über 18 Jahre müssen gar noch den offiziellen Museumseintritt entrichten – dafür wird das Lehrlingsgehalt selten strapaziert. Folglich kommen vor allem Kinder aus bildungsbürgerlichen Familien ins Museum, die sozial schwächeren bleiben draußen.
Das MPZ-Programm teilweise kostenfrei anbieten zu können, ist eine der Ideen, die Manfred Treml in einer Schreibtischschublade liegen lässt, wenn er sein Büro in der Münchner Infanteriestraße verlässt. Eine andere, die sich Josef Kirmeier schnell zueigen gemacht hat, ist ein „Migrationsprojekt“, das im Frühjahr starten soll: Mit Kindern von Pilotschulen werden Museen unter dem Aspekt erkundet, andere Länder und Kulturen zu erforschen; Objekte können Geschichten erzählen – aber auch die anwesenden Kinder, die in diesen Ländern schon einmal waren, oder gar von dort stammen. „Damit ist das Museum doch auch ein idealer Lernort für Sprachvermittlung“, sagt Manfred Treml und es klingt, als ob er sich gerade eine neue Argumentationsstrategie als künftiger „MPZ-Botschafter e.h.“ zurechtlegt. (Karin Dütsch)

 

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