Kultur

In seinem Auktionshaus und bei Versteigerungen sieht man den Jubilar Rudolf Neumeister noch immer, auch wenn er die aktive Geschäftsführung inzwischen an seine Tochter Katrin Stoll übergeben hat. (Foto: dpa)

06.10.2015

Mr. Auktionator wird 90

Vor allem spektakuläre Sonderauktionen bescherten dem Münchner Familienunternehmen einen internationalen Ruf

Wenn in München Kunst, vor allem seltene Spitzenwerke zu Toppreisen versteigert wurde, dann schwang in der Regel Rudolf Neumeister den Hammer. Sein Sinn für feine, gute Qualität ist ausgeprägt  und gefragt. Nun feiert "Mr. Auktionator" seinen 90. Geburtstag. Der ist zwar am 14. Oktober - das Familienunternehmen feiert ihn jedoch erst am 1. Dezember richtig groß: Was wäre da passender als mit einer Jubiläumsauktion?

Milch liefern

Rudolf Neumeister wurde das Geschäft mit der Kunst nicht in die Wiege gelegt: Als Bub stellte er den Leuten früh morgens Milch vor die Tür - seine Eltern hatten ein Milchgeschäft in der der Tengstraße in Schwabing. Unter den Kunden waren allerdings auch wohlhabende jüdische Versicherungsdirektoren und Bankiers - vielleicht rekurierten darauf ja seine guten Geschäftsverbindungen zu später emigrierten Kunsthändlern?

Das Gymnasium musste er unterbrechen: er wurde mit 17 Jahren zur Luftwaffe eingezogen. 1945 kehrte er zurück und holte das Abitur nach. Gleichzeitig volotierte er in der Kunsthandlung Hans Binder in der Adalbertstraße. Aber erst nach einem Jurastudium ließ sich Rudolf Neumeister 1951 als selbständiger Kunsthändler in München nieder. Er begann, am Aufbau der Sammlung Dr. Georg  Schäfer, Schweinfurt, mitzuarbeiten. Parallel dazu etablierte er Geschäftsbeziehungen zu namhaften, unter dem Nazi-Regime emigrierten Kunsthändlern wie Leopold Blumka in New York, Jacques Kugel in Paris und Hermann Baer In London.

1955 lernt er Christa Teufel kennen - ein Jahr später heiratete das Paar. Die Familie wuchs in den nächsten Jahren um drei Töchter an. Christa Neumeister starb 2003.

Renommiertes Auktionshaus übernommen

1958 ist ein entscheidendes Jahr ind er Biografie Neumeisters: Nach dem Tod des Münchner Auktionators Adolf Weinmüller beteiligt er sich als Gesellschafter an dessen  Kunstversteigerungshaus, noch im gleichen Jahr übernimmt er es komplett. Eine noble Adresse: Es hat seinen Sitz im Almeida-Palais an der Brienner Strasse 14.

Auktionen wie die Versteigerung des Nachlasses von Kunstsammler und -händler Otto Bernheimer im Dezember 1960 etablieren Neumeisters Auktionshaus auch auf internationaler Ebene. 1963 folgt die Versteigerung des Nachlasses eines süddeutschen Filmproduzenten: Gemälde von Wilhelm Leibl, Hans Purrmann und Carl Spitzweg kommen zum Aufruf. Unter den Käufern befindet sich internationale Prominenzn. 1965 weitet Neumeister das Geschäft auch auf Kunst der Moderne aus, ein Jahr später kann er die 100. Auktion einläuten. 1968 wird er „Gerichtlich vereidigter Sachverständiger für Antiquitäten und Gemälde“. Im gleichen Jahr firmiert er sein Unternehmen um in „Neumeister KG, vorm. Münchener Kunstversteigerungshaus Adolf Weinmüller“.

1978 wechselte die Geschäftsadresse: Neumeister zog um in die Barer Straße 37, das 1974 erworbene Anwesen war umfassend saniert und umgebaut worden (1200 Quadratmeter Geschäftsfläche). Und erneut folgte die Umfirmierung des Namens - nunmehr in „NEUMEISTER Münchener Kunstauktionshaus“.

Weltrekord mit Spitzweg

Spektakulär eine Auktion im Jahr 1979: Binnen 68 Minuten 5,1 Millionen DM - Rudolf Neumeister hatte  54 gotische Skulpturen der Sammlung Oertel aufgerufen. Aufsehen errregte auch die Versteigerung des Gemäldes Friede im Lande von Carl Spitzweg im Jahr 1988: Neumeister erzielte den damaligen Weltrekordpreis von einer Million DM. Im Jahr 2000 erhielt Spitzwegs Der ewige Hochzeiter den Zuschlag bei 2,9 Millionen DM. Im Jahr 2005, als Rudolf Neumeister seinen 80. Geburtstag feierte, versteigerte er in einer Sonderauktion einen zweiten Teil der Sammlung Dr. Georg Schäfer (der erste Teil wurde bereits 1999 aufgerufen)  – nahezu 100 Prozent konnten zugeschlagen werden.

Der Ruf als Spezialist für Sonderauktionen überzeugt auch die Gesellschaft der Freunde der Stiftung Haus der Kunst München e.V., die Rudolf Neumeisters Tochter Katrin Stoll beauftragte, die gesamte Sammlung zu versteigern: Bei einer Gesamtschätzung von rund 1 Millionen Euro wurden nahezu 100 Prozent der angebotenen Objekte mit Zuschlägen von insgesamt 5,4 Millionen Euro versteigert. Katrin Stoll, 1962 geboren und seit 1983 bereits Kommandantistin im Familienunternehmen, übernimmt im Jahr 2008 das Auktionshaus als  geschäftsführende Gesellschafterin.

Ihr Vater Rudolf Neumeister zog sich zwar aus dem aktiven Geschäftsleben zurück -  ist aber nach wie vor täglich im Auktionshaus und bei den Auktionen präsent. Seinen 90. Geburtstag feiert das Unternehmen trefflich mit einer eigenen Jubiläumsauktion am 1. Dezember. (BSZ)

Info:
Lesen Sie dazu in der kommenden BSZ am 9. Oktober auch einen Hintergrundbericht über Katrin Stoll und die Sonderauktion mit Exponaten aus der Buchheim-Sammlung. Katrin Stoll hat den Bestand inventarisiert und ausgesucht, was am 28. November im Buchheim-Museum in Bernried versteigert wird.

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