Kultur

Thomas Hengelbrock ist ein Spezialist für Alte Musik. Er den Balthasar-Neumann-Chor und das Balthasar-Neumann-Ensemble. (Foto: Florence Grandidier)

03.12.2015

Musikalisches Machtwort

Thomas Hengelbrock und Tilman Lichdi begeistern im Neumarkter Reitstadel

Seit gut 20 Jahren ist Thomas Hengelbrock Leiter des Balthasar-Neumann-Chors und -Ensembles; er war Chefdirigent der Wiener Volksoper, ist es jetzt beim NDR-Sinfonieorchester in Hamburg – ein Mann, der 400 Jahre Musikgeschichte dirigiert: in Baden-Baden den "Rigoletto", in Paris kürzlich den "Freischütz", in Salzburg Purcell.

Sein Spezialgebiet ist die Alte Musik, und wenn dann noch eine enge emotionale Bindung dazukommt, dann kann man für seine Tournee mit Bachs "Weihnachtsoratorium" ein musikalisches Machtwort erwarten. Jetzt waren die Proben, war gestern der erste Abend mit Zelenkas "Magnificat" und Bachs ersten drei Kantaten im Neumarkter Reitstadel. Und weil der vermutlich derzeit weltbeste Evangelisten-Interpret, Tilman Lichdi, gleich um die Ecke wohnt, ist der (auch für die ganze Tournee) mit von der Partie.

Weihnachtlich-barocke Bibelstunde

Ein Geheimrezept für seine dichte Bach-Interpretation hat Hengelbrock nicht. Aber ein Rezept, das man während der ganzen zweieinhalb Stunden hört. Sein Oratorium geht ganz vom Wort aus: was sonst bei Bach und seiner weihnachtlich-barocken  Bibelstunde? Chor, Solisten, der Evangelist sowieso: bei allen versteht man Wort für Wort, das Orchester phrasiert und artikuliert so sinnfällig wie nur eben wünschenswert. Und Hengelbrock sucht sich aus dem Chor nicht nur einfach und wie immer die Solisten aus, sondern für jedes Rezitativ, jede Arie denjenigen, dessen Ausdrucksfähigkeit und Timbre am besten passen. Allein drei Bässe treten in Aktion, und die innige Intimität der Alt-Arie "Schlafe mein Liebster"  - wer könnte die besser gestalten als der große, massige Alex Potter!

Das Konzept des Abends: Jan Dismas Zelenkas "Magnificat" machte den Anfang. Schließlich ist erst Anfang Dezember und Zeit für den Besuch Marias bei ihrer ebenfalls schwangeren Base Elisabeth: "Meine Seele erhebt Gott, den Herrn" -  Hengelbrock versteht das auch als ein frühes Zeugnis emanzipatorischer Weiblichkeit.

Immerwährendes Lächeln

Gefährlich dann, dass nach der Kantate I erst mal Pause ist. Zum Glück ist die Sinfonia am Beginn des Hirtenspiels wieder eine Art Ouverture, und Hengelbrock hat keine Mühe, die musikalische Spannung wieder herzustellen - auch mit einem stark verjüngten Balthasar-Neumann-Ensemble, das mit der Historischen Aufführungspraxis aufgewachsen ist und ausgebildet wurde, das weiß, wie extrem Hengelbrocks Pianowünsche sein können. Und Lichdi: Das ist der Mann für die Frohbotschaft, mit immerwährendem Lächeln im Gesicht, mit einer geradezu  dramatischen Vergegenwärtigung der Verkündigung.

Für Bayern war’s das schon: Hengelbrock zieht mit der Krippe im Gepäck ins Rhein-Main-Gebiet. Schade, dass er in München kaum noch präsent ist. (Uwe Mitsching)

Abbildung:
Balthasar-Neumann Chor und -Ensemble. (Foto: Florence Grandider)

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