Kultur

Das Spektakel der Gefühle, das Benny Claessens und Risto Kübar zelebrieren, bleibt langatmig und ist wenig erhellend. (Foto: Conny Mirbach)

28.06.2013

Nackte Geduldsprobe

"Spectacular Lightshows" an den Münchner Kammerspielen ist was für Hartgesottene

Hand in Hand marschieren sie auf die Bühne, wie zwei Schuljungen. „Dankeschön, dass Ihr da seid“ – abgesehen von der kurzen Dankesphrase ans Publikum, hört man von den beiden Darstellern den ganzen Abend lang kein Wort mehr. Dafür verspricht ihre erste Aktion: Hier gibt es keine halben Sachen! Jacke auf, T-Shirt weg, Hose fallen lassen, Unterhose runter. Völlig entblößt, so wie Gott sie schuf, stehen sie da: Benny Claessens und Risto Kübar alias Adam und Adam.
Spectacular Lightshows Of Which U Don’t See The Effect von und mit Benny Claessens und Risto Kübar. Lichterspiel? Fehlanzeige. Was der sperrige Titel der neusten Produktion der Münchner Kammerspiele in der Spielhalle verspricht, lässt vergeblich auf sich warten. Bis auf gelegentliche Feuerwerk-Einspielungen, keine Spur vom großen Feuerwerk.
Und auch ein Feuerwerk der Gefühle bleibt aus. Stattdessen: Nach über zweieinhalb Stunden Handgerangel, diversen Stellungswechseln, transpirierenden Körpern, verschütteter Milch auf dem tadellosen Parkettboden und zig aufgerauchten Zigaretten, marschiert das ungleiche Paar wieder Hand in Hand schnurstracks von der Bühne und lässt sich trotz wohlwollendem Applaus nicht ein zweites Mal blicken.
Sicher: Im Spiel des Belgiers Benny Claessens und des Esten Risto Kübar findet sich die ganze Palette zwischenmenschlicher Gefühle wieder. Ob Anziehung, Anwiderung oder fast schon rührende Schüchternheit, als sie beim letztendlich glückenden Versuch sich zu küssen immer wieder verschämt in den Zuschauerraum blicken. Diese Gefühle kennt man. Und nach diesem Abend hat man verstanden, dass die Behauptung, Gefühle seien in jeder Sprache gleich, keine Binsenweisheit ist. Wortgefechte und seitenlange Monologe wären an diesem Abend nur ein überflüssiges Extra.
Doch wird das kleine Spektakel, das Claessens und Küber inszenieren zur reinen Geduldsprobe. Wer noch nach der Pause auf seinen Platz zurückkehrt, gehört zu den hartgesottenen. Denn obgleich die Gefühle, die das Spiel der beiden transportiert, universell sind, bleibt Abwechslung auf der Strecke, ziehen sich immer die selben Bewegungsabläufe über zehn, über zwanzig Minuten hin – neu erhellend ist das nicht.
Eigentlich sollte der Abend „Solo für Risto“ heißen. Ein Geschenk Benny Claessens an seinen Schauspielkollegen Risto Kübar. Eigentlich war auch Text vorgesehen. Doch die beiden merkten schnell, dass das Ganze auch durchaus ohne Worte funktionieren kann. Stattdessen werden Sprachaufnahmen gestreut, die mal absurd, mal amüsant, mal reflektiert und mal tragisch wiedergeben, was sich in diesen Nackten abspielt, die ihre Blöße letztlich doch wie eine Verhüllung dem Publikum präsentieren. (Maria Romanska)

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