Kultur

Riesig und wunderschön illustriert: Ausschnitt einer Seite des Graduales, das wohl 1463/64 im Bamberger Dom entstanden ist. (Foto: Staatsbibliothek Bamberg/Gerald Raab)

30.09.2015

Neue Schätze

Mit kräfitger finanzieller Unterstützung gelang der Staatsbibliothek Bamberg die Übernahme von drei außergewöhnlichen mittelalterlichen Handschriften

Der Bücherschatz in der Staatsbibliothek Bamberg istum drei besondere Bände angewachsen: Im Frühjahr übernahm sie drei mittelalterliche Handschriften aus Schloss Weißenstein in Pommersfelden -  bis dahin waren sie Eigentum der Familien-Kulturstiftung Graf von Schönborn-Wiesentheid. Die Handschriften stammen aus der Bibliothek des Grafen Lothar Franz von Schönborn (1655 bis 1729) - dieser war prominenter Fürstbischof von Bamberg, außerdem Kurfürst und Erzbischof von Mainz.

Matthäus fehlt

Die älteste der drei Handschrift ist ein wohl in Niedersachen um 1000 geschriebenes Evangeliar, das sich im 15. Jahrhundert im Augustinerchorherrenstift Rebdorf bei Eichstätt befand: Es ist eine für ein Evangeliar ungewöhnlich kleine Handschrift. Sie sollte zunächst lediglich den Text der vier Evangelien bieten, wurde dann aber noch während der Niederschrift mit den Bildern der Evangelisten Markus, Lukas und Johannes ausgestattet; Matthäus blieb ausgespart.

Das zweite Stück ist eine Nachzeichnung der Rückseite des „Bamberger Rationale“. Sie wurde um 1415 wohl von einem hervorragenden Buchmaler geschaffen. Man sieht einen im 11. Jahrhundert möglicherweise in Regensburg geschaffenen bischöflichen Schulterschmuck, der im Bamberger Diözesanmuseum aufbewahrt wird. Die Zeichnung ist in Form einer Schnittvorlage gestaltet, mit ausgesparten Armansätzen und zwei seitlich herabhängenden Bändern. Neben seiner dokumentarischen Funktion ist das Blatt auch als beachtliches Werk gotischer Zeichenkunst von Bedeutung. Es diente möglicherweise als Vorarbeit für eine Neuanfertigung des Rationale. Im zentralen Medaillon erscheint das apokalyptische Lamm auf dem Buch mit sieben Siegeln nach der Offenbarung des Johannes, der links ins Bild gerückt ist. Darüber thront Christus als Weltenrichter. Seitlich angeordnet sind vier Engel, die Symbole der Evangelisten sowie sechs Apostel. Abweichend vom textilen Vorbild werden zuunterst die Bamberger Bistumspatrone Heinrich und Kunigunde dargestellt

Riesiges Format

In der Zeit um 1463/64 schließlich entstand die dritte erworbene Handschrift, ein wohl aus dem Bamberger Dom stammendes Graduale in monumentalem Format: In der Höhe misst es 58 cm, in der Breite 41 cm. Der Kodex ist mit hervorragenden Miniaturen, mit Rankenwerk und Initialen geschmückt. Bemerkenswert ist auch der Einband, dessen gewichtige Bronzebeschläge mit Einhörnern verziert sind. Eine Besonderheit stellen die am unteren Deckelrand montierten Eisenschienen dar, die bei Lagerung auf einem schrägen Pult den Buchblock stützen.

Wer mit Geld einsprang

Die Kulturstiftung der Länder, die Ernst von Siemens Kunststiftung und die Oberfrankenstiftung unterstützten den Ankauf finanziell. Die Ernst von Siemens Kunststiftung ist alleinige Eigentümerin des „Bamberger Rationale“. Das Eigentum der beiden anderen Handschriften teilen sich die Ernst von Siemens Kunststiftung, die Oberfrankenstiftung und die Staatsbibliothek Bamberg. (BSZ)

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