Kultur

Ohne Schlips und Kragen: Valer Sabadus, in Rumänien geboren und in München zuhause, hat mit seiner hohen Stimmlage eine Sonderstellung innerhalb des Countertenorfachs. (Foto: Sony)

03.12.2014

Neuer Stern auf Counterhöhen

Beifallssturm für Valer Sabadus: Wie kein anderer bedient er alle barocken Emotionswerte

Das werden sich die Opernregisseure nicht zweimal sagen lassen: ein junger, hübscher Cherubino wie Milch und Blut, aber männlich und nicht als weibliche Hosenrolle. Valer Sabadus sang die Mozart-Paradepartie aus Figaros Hochzeit zwar nur als Zugabe - aber der Beifall war im Münchner Prinzregententheater für den neuen Counter-Star dennoch eindeutig: Denn der in Rumänien geborene Sänger aus München hat in kurzer Zeit die lange Schlange der Konkurrenten in diesem Stimmfach überholt und steht (freilich nicht allein) an deren Spitze: Nach seinen hinreißenden Rollen in der Münchner Theaterakademie, nach seinen CDs, jetzt in Partien, die seinem Counter in Sopranhöhen besonders entgegenkommen.

Das ist einer seiner Trümpfe: mit seiner Stimmlage hat er eine Sonderstellung. Dafür haben Komponisten wie Gluck Extra-Partien geschrieben, sogar den Orfeo transponiert.

Ohne Schlips und Kragen, aber nicht ohne stimmliche Mühen und etwas puppenhaft in Mimik und Gestik begann Valer Sabadus sein Recital - von der Münchner Hofkapelle unter Rüdiger Lotter historisch bestens informiert und klang-attraktiv begleitet. Da klingt Christoph Willibald Gluck („Semiramide riconosciuta“) angesichts des breiten Prinze-Parketts etwas dünn. Aber immer mehr gewinnt Sabadus Statur.

Trotzdem hätte man sich das alles eher in ein barockes Hoftheater gewünscht. Denn dieser delikat geführten Stimme stehen alle barocken Emotionswerte zur Verfügung: die abgrundtiefe Verzweiflung wie bei Gluck über pastoral-florale Leichtigkeit bis hin zur heroischen Emphase bei Antonio Sacchinis Heldenoper Le Cid über den spanischen Reconquista-Helden. Sabadus entwickelt sprühende Koloraturenartistik genauso wie zu Herzen gehende Innigkeit. Das berühmte „Que farò senz‘ Euridice“ aus Glucks Orfeo e Euridice gestaltet er als Legatostudie, als götterbewegenden Schöngesang mit hübschen kleinen Verzierungen als Erfüllung von Glucks Reformopern-Forderung nach „Einfachheit, Wahrheit und Natürlichkeit“, aber immer auch als Inbegriff von Barocktheater: Edelstes Lamento fasziniert in Glucks Demetrio.

Sabadus und die Hofkapelle konzentrieren sich auf die späten Sechziger- und Siebzigerjahre des 18. Jahrhunderts, präsentieren interessante Fundstücke von Mozarts Zeitgenossen.

Zur Pause gab es dafür die ersten Bravi, am Ende dann den erwartbaren Beifallssturm für Arien von wärmstem Ausdruck, mit herrlichem Portato und absoluter Belcanto-Bravour in frappanter Lockerheit: leicht, weich, schwebend bis in die Zugaben hinein. Die Mozart-Zugabe weit jenseits der üblichen Konzertlänge zeigte, was Sabadus noch alles kann. Seinen Hut hat er jedenfalls in die bisherige Damendomäne geworfen. (Uwe Mitsching)

CD-Tipp: Le belle immagini mit Arien von Gluck und Sacchini, bei Sony Music)

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