Kultur

Mit einer Menge von Irrungen und Wirrungen beschäftigt das Ensemble das Eggenfelder Publikum. (v.l: Maria Weiss, Angelika Mayer, Hanna Herfurtner, Bonko Karadjov, Virgil Hartinger, Stefan Zenkl, Gabriele Hierdeis). (Foto: Rupert Rieger)

23.02.2015

Ohnmachtsanfälle

Das Theater an der Rott gibt Mozarts "Die verstellte Gärtnerin"

Es wird viel mit Pistolen gefuchtelt. Alle Momente fällt jemand in Ohnmacht. Das ist kein braves Singspiel, das Wolfgang Amadeus Mozart da mit seiner Gärtnerin aus Liebe komponiert und 1775 in München uraufgeführt hat. Sondern ein echtes „dramma giocoso“ (wie später sein Don  Giovanni). Und  Karl M. Sibelius, Niederbayerns Theater-Enfant-Terrible hat es jetzt in seiner letzten Eggenfeldner Saison auf den Spielplan gesetzt (mit  der Gala Ich war dann mal // hier nimmt er im Sommer Abschied; Uwe Lohr wird sein Nachfolger). Und er hat an der Spitze der  Besetzungsliste zwei prominente Namen: Michi Gaigg und ihr in Alte-Musik-Kreisen hochgerühmtes „Orfeo-Barockorchester“, das für die sechs Vorstellungen am Theater an der Rott gastiert. Und Seollyeon Konwitschny. Während ihr berühmter Mann gerade in Heidelberg inszeniert hat und sich auf die Salzburger Festspiele vorbereitet, ist es für seine junge Frau die erste Full-Size-Inszenierung. In vielen Hospitationen und Regieassistenzen hat sie zuhause in Südkorea und  in Deutschland Erfahrungen gesammelt, promoviert  über einen venezianischen Theater- und Festdekorateur. Kein Wunder, dass sie ihre Inszenierung von Die verstellte // Gärtnerin in einem von Silke Fischer eher kärglich bestückten Garten spielen lässt. Die beiden Striche im Titel haben nicht viel zu sagen, sie sind das Markenzeichen des Theaters an der Rott. Aber der ungewohnte Titel für La finta giardiniera ist der einer zweiten Fassung mit gesprochenen Dialogen, die fünf Jahre nach München  in Augsburg gegeben wurde und für die man sich in Eggenfelden entschieden hat.

Wer sich da verstellt, ist Sandrina. Die sollte eigentlich von der Hand ihres Gatten Belfiore schon gemeuchelt sein, ist es aber nicht und heftet sich an die Fersen ihres schnell wieder heiratswilligen Mannes. Natürlich ergibt das eine Menge von Irrungen und Wirrungen, die man in der Eggenfeldener Aufführung so einfach nicht realisiert.

Aber man freut sich erst mal  an Michi Gaiggs forschem Dirigat, dem gar nicht singspielhaft glatten, sondern grob und heftig zupackenden,  gänzlich vibratolosen Ton des Barockorchesters. Auch an Sängern wie Hanna Herfurtner als neuer Belfiore-Braut Arminda, an Maria Weiss als deren verflossenem Liebhaber oder an dem schönen Bass von Stefan Zenkl als Nardo. Am Ende gibt es das „lieto fine“ und ein kleiner Bub führt die „verstellten“ Mozart-Figuren wieder auf den Weg in ihre richtigen Rollen. (Uwe Mitsching)

Weitere Vorstellungen am 27./28. Februar und am 1. März; Karten-Tel. 08721/12 68 98 11

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