Kultur

Nur auf den ersten Blick ein flirrendes Gewimmel schwarzer Punkte auf gelbgrünem Untergrund: Der zweite Blick auf dieses unbetitelte Werk (Ausschnitt) von Peter Kampehl aus dem Jahr 2009 enthüllt sich zu Kreisen verdichtende Strukturen. (Foto: Katalog)

02.12.2015

Ordnung im Chaos

Die Städtische Kunstgalerie Fürth zeigt Bilder von Peter Kampehl, die gleichermaßen irritieren wie herausfordern

Wenn einem die Augen übergehen und man vor lauter Punkten das ganze Bild nicht mehr sieht, hat man sich endgültig in diesen flirrenden, wimmelnden und wuchernden Bildwelten verloren. Bildwelten, die nichts meinen, aber alles sagen; Strukturen aus Punkten, Lineaturen und Verflechtungen, Netzen und Geweben, Sternen-  und Neuronengewitter, Schichtungen und Lagerungen, Reflexionen und Spiegelungen wie auf  stillen Wassern, kosmische Eruptionen und rotierende Felder.

In den Bildern von Peter Kampehl tun sich neue, eigene Welten auf, die nur sie selbst sind  - und sonst nichts. Die Städtische Kunstgalerie Fürth zeigt sie in der Ausstellung "Between the Eyes", die damit seit langem wieder einmal einen der beharrlichsten und konsequentesten Künstler der nordbayerischen Kunstszene vorstellt.

Jenseits der Konvention

Peter Kampehl, 1947 in Fürth geboren, verlangt mit seinen spröden, artifiziellen Bildern dem Betrachter viel ab. Muss er sich doch auf eine Malerei einlassen, die sich nicht so leicht konventionellen Stilrichtungen zuordnen lässt.

Das ist nicht abstrakte oder konkrete Kunst, das ist nicht Informel und schon gar nicht figurativ, auch wenn man zuweilen ominöse Wesen wie von einem anderen Stern zu entdecken glaubt. Oder Erdformationen, wie sie sich in fernen Wüsten und Steppen auftun. Oder organische Strukturen, wie man sie unter dem Elektronenmikroskop im Mikrokosmos von Gewebeschnitten entdecken mag.

Das ist penibel gemalt und wächst sich trotz aller filigranen Feinheit zu große Formaten aus. Wo auf den ersten Blick nur endlos viele schwarze Punkte vor monochromen Hintergrund irritierende Vexierspiele vortäuschen, enthüllt der zweite Blick systematisch geordnete Strukturen wie etwa Kreise, die sich überschneiden und überlagern und hinter dem Chaos eine fremde Ordnung aufscheint.

Poetisch und schön, ohne den Betrachter in seiner assoziativen Bildfindungsphantasie zu beeinträchtigen, sind die Titel dieser Bilder: "Staub in der Sonne" oder "Schlaflose Nächte" und "Erinnerungsbewegung".

Zwischen Spiel und Kalkül zielen die Bilder Peter Kampehls auf  ein Paradoxon: auf die Ordnung im Chaos, die er mit malerischer Geste sichtbar macht. (Fridrich J. Bröder)

Städtische Kunstgalerie Fürth, Königsplatz 1. Bis 20. Dezember. Mi. bis Sa., 13 - 19 Uhr, So. 11 - 17 Uhr.) Fridrich J. Bröder

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