Kultur

Die Geburt Christi auf einer russischen Ikone von Anfang des 20. Jahrhunderts. (Foto: Kunsthalle Schweinfurt)

07.12.2012

Ordnungsprinzipien der Heiligen Wand

Die Kunsthalle Schweinfurt zeigt Ikonen aus fünf Jahrhunderten

Goldglanz auf sanft farbig leuchtenden Bildtafeln vor warmem Rot: So empfängt die reich bestückte Ausstellung Ikonostase – Bild und Glaube im Untergeschoss der Kunsthalle Schweinfurt den Besucher und hüllt ihn ein in eine Atmosphäre des Kostbaren, des Spirituellen, dem Alltag Entrückten. Etwa 90 wertvolle, hervorragend aussagekräftige und teilweise großformatige Ikonen vom 15. bis 20. Jahrhundert lassen den Betrachter ahnen, wie eine Ikonostase, also die „Heilige Wand“ in orthodoxen Kirchen zwischen dem inneren Kirchenschiff und dem Altarraum, den nur die Priester betreten durften, aussieht. Die Exponate stammen vorwiegend aus der Sammlung Glöckle in Schweinfurt, aus den Beständen des Ikonenmuseums Kampen, aus bedeutenden Museen und Privatsammlungen Deutschlands und der Niederlande.
Die Ikonostase ist nach einer bestimmten Ordnung in Reihen mit Ikonen geschmückt. Sie belegen, wie auf komprimierte Weise die Glaubenssätze des orthodoxen Christentums im Bild vermittelt werden.
Eine Ikone des 19. Jahrhunderts zeigt auf einer Tafel die gesamte Ikonostase. Im Zentrum der Heiligen Wand steht unten die Königspforte, der Eingang zum „göttlichen“ Raum dahinter; zwei solche zweiflügelige, bemalte Türen aus dem 15. bzw. 16. Jahrhundert beeindrucken durch ihre Ausstrahlung und Gestaltung mit den vier Evangelisten und der Bekrönung durch die Verkündigung an Maria. Auffällig ist, welch bedeutende Rolle die Gottesmutter auf der Ikonostase einnimmt.
Das wichtigste Element darauf aber ist die Reihe der „Deesis“ über der Tür: Dort sitzt Christus zu Gericht, Maria und Johannes der Täufer bitten um die Erlösung der Menschheit, Erzengel und Apostel schließen sich an. Die Festtagsikonen der dritten Reihe erinnern an die zwölf Hauptfeste der orthodoxen Kirche; sie beinhalten besonders prachtvoll gestaltete Szenen, etwa von der Geburt Mariens, der Verkündigung, von der Geburt Jesu, von der Höllenfahrt (zu Ostern) oder der Himmelfahrt. Darüber sind die Propheten angeordnet, dann die Vorväter und die Dreifaltigkeit, in einer besonders schönen alttestamentarischen Darstellung zu sehen. Für die Reise nahmen die Gläubigen kleine tragbare Altäre mit, oft zum Falten oder Aufklappen, wertvolle Andachtsgegenstände. All diese Ikonen zur sakralen Verehrung zeigen, wie innerhalb eines festgelegten Kanons die Künstler doch variieren konnten. Heute sind diese Bildtafeln (der Holzgrund wurde mit Eitempera oder Ölfarben bemalt) begehrte Sammlerobjekte. (Renate Freyeisen)

Abbildung:

Diese russische Faltikonostase aus dem 18. Jahrhundert zeigt beispielhaft die strenge programmatische Reihung der "Heiligen Wände". (Foto: Museen und Galerien der Stadt Schweinfurt)

 

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