Kultur

Die Schlosshofserenade im Ehrenhof von Schloss Weißenstein in Pommersfelden. (Foto: Schloss Pommersfelden e.V.)

02.08.2013

Ouvertüre für die Gräfin

Sommerakademie des „Collegium Musicum“ im Schloss Pommersfelden

Ob nun „Bürgersaal“ oder schlicht „Schulturnhalle“ – Pommersfelden und die Konzerte des Sommerkurses Collegium musicum brauchen auch dieses Jahr wieder ein Ausweichquartier, solange in Schloss Weißenstein nebenan renoviert wird. Immerhin kann in der Schlosskapelle, im Schlosshof derer von Schönborn, ein Rest an sommerlichem Schlosszauber zelebriert werden. Aber die großen und in ganz Franken beliebten Orchesterkonzerte brauchen viel Platz, und schöne andere Räume stehen derzeit nur für wenige Termine im Schönbornschen Schloss Wiesentheid und im Ebracher Kaisersaal zur Verfügung.

Selten gespieltes Verdi-Stück

Hier wie dort: Studenten aus aller Welt sind auch im zweiten Jahr der Ersatzlösung mit Feuereifer bei der Sache, genießen bei tropischen Temperaturen die abendlich-kühleren Schlosshofkonzerte samt Feuerwerk. Wichtig: Das Publikum hält Pommersfelden auch jetzt die Treue und setzt sich für Elgar oder Dvorak aufs harte Gestühl, es dirigieren orchesterpädagogisch versierte Leute wie Andreas Weiss oder Dorian Keilhack. Die wissen, wie man in wenigen Wochen drei große symphonische Programme probiert und aufführt, womit man das Publikum bei der Stange hält. Zum Beispiel auch mit interessanten Schmankerln zum Verdi-Jahr: seiner Kammermusik, der bekannten Nabucco-Ouvertüre oder der zur tragischen Oper I due Foscari. Die hat zudem einen persönlichen Bezug zur Gräfin von Schönborn-Wiesentheid. Die ist samt Verwandtschaft anwesend, wenn Keilhack eine Kostprobe aus der tragischen und fast 600 Jahre alten Geschichte um den venezianischen Dogen Francesco und seinen zu Unrecht des Mordes bezichtigten Sohn Jacopo gibt: Tempi passati, beide Männer sterben an gebrochenem Herzen, und die kurze Ouvertüre vermittelt Interesse an einem selten gespielten Stück.

Szenenwechsel dann in nachviktorianische Zeiten: 1919 hat Edward Elgar sein Cellokonzert komponiert – ein Höhepunkt seines Schaffens nach langer Reifezeit und vor dem langsamen Verstummen bis zu seinem Tode im Jahr 1934. Mit jugendlichem Enthusiasmus spielt der 25-jährige Chilene Alexander Spreng das lyrisch-melancholische Stück, investiert hinreichend üppigen Ton für diese rückwärtsgewandte Musik. Dem bleibt auch Keilhack mit dem Orchester Collegium musicum nichts schuldig: melodischer Pomp, eingängige Motive mit Teatime-Temperament und auch einige schwirrende Belanglosigkeiten. Die Akustik des Ausweichquartiers ist ähnlich wenig hilfreich wie die hereinschwappenden 38,5 Grad Außentemperatur, Spreng und Keilhack modellieren so gut es geht – eigentlich wäre es ein Stück für den winterlichen Fireplace, die paar Ball-Motive inklusive.

Viel Applaus trotzdem für Sprengs Sportsgeist. Genauso wie für die abschließende Dvorak-Symphonie Aus der Neuen Welt, die Keilhack mit präzisen Akzenten, schlankem Ton, schön böhmischer Bläserlyrik beachtlich über die Runden bringt. Bei ihm haben die jungen angehenden Orchestermusiker gelernt, wie in der „Neuen Welt“ der Hase läuft. „Romantische Abende“, „Stars von morgen“ und natürlich noch mehr zum 200. Geburtsjahr von Verdi und Wagner stehen bis zum 4. August noch auf dem Pommersfeldener Programm. Darüber hinaus ist zum Abschluss ein Griff in die Musikbibliothek der Grafen von Schönborn geplant. (Uwe Mitsching)

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