Kultur

Markus Linnenbrinks Illusionsraum rahmt den Blick in den Innenhof der Kunsthalle Nürnberg mit irritierendem Farbspiel. (Foto: Kradisch)

12.09.2014

Psychedelischer Farbrausch

In der Kunsthalle Nürnberg steht die Kunst Kopf

Wo das Bild aufhört, in die Skulptur übergeht und in der Architektur des Raumes endet, ist in diesen Bildern nicht auszumachen. Sie sprengen buchstäblich jeglichen Rahmen, greifen in den Raum aus und ziehen den Betrachter ins Bild hinein. Off the Wall – Bildräume und Raumbilder, die Ausstellung in der Kunsthalle Nürnberg, irritiert so, dass einem die Augen übergehen.
Wie etwa in den Illusionsräumen von Markus Linnenbrink, der die beiden letzten Ausstellungsräume der Nürnberger Kunsthalle in einen psychedelischen Farbrausch versetzt und damit den Raum gleichsam entgrenzt: ein chaotisches Drunter und Drüber der Dimensionen, bei dem einem die Decken auf den Kopf zu fallen, die Wände einzustürzen scheinen und der Boden unter den Füßen weggezogen wird.
Die Kunst steht Kopf in dieser von Harriett Zilch einfallsreich kuratierten und effektvoll arrangierten Ausstellung, die sieben junge deutsche bzw. in Deutschland arbeitende Künstler versammelt. Sie rückten nicht mit fertigen Arbeiten an, sondern stimmten ihre Installationen, ihre Raumbilder und Bildräume auf die Säle der Kunsthalle ab – in-situ-Arbeiten, die es nach dem Ende der Ausstellung so nicht mehr geben wird.
So empfängt gleich zum Entree der Ausstellung die Schweizer Künstlerin Christine Streuli mit einer verfremdenden Hommage an die romantisch-mittelalterlichen Nürnberger Fachwerkfassaden – die sich alsbald als eigens dafür produzierte Fachwerk-Tapete herausstellt, mit der der Raum komplett zugekleistert ist. Wie eine riesige Speiseeis-Pyramide nimmt sich Benjamin Houlihans Raumskulptur aus, ein molluskelhaft wucherndes, polymorphes Objekt in giftig schillernden Farben aus handelsüblichen, schnell härtenden Schaumstoffen – ein voluminöses Action Painting à la Jackson Pollock.
Umso zarter, leichter, luftiger erscheinen dagegen die monumentalen Wandzeichnungen von Claudia und Julia Müller: Träumerisch hingehauchte, dabei überdimensionierte Körper von Kindern und Frauen, die in ihren Posen zwischen Narration und Abstraktion aufzugehen scheinen. Da hätte es der buchstäblich geschmäcklerischen Effekthascherei gar nicht bedurft, mit der Benjamin Houlihan seinen erdbeerroten Zungen-Fries mit Lebensmittelfarbe an die Wand geleckt hat: der Zungenabdruck als genialischer Pinselstrich? Geschenkt. (Fridrich J. Bröder)

Bis 12. Oktober. Kunsthalle, Lorenzer Straße 32, 90402 Nürnberg. Di. bis So. 10 – 18 Uhr, Mi. 10 - 20 Uhr. www.kunstkulturquartier.de/kunsthalle

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