Kultur

21.05.2010

Rätseln, was die kunstlose Kunst will

Monika Brandmeier im Ingolstädter Museum für Konkrete Kunst

So nüchtern wie die Ausstellung heißt, sieht sie auch aus: "Sachverhalt". Der ist so, wie er ist – und wie ihn Monika Brandmeier zusammengefügt hat. Deswegen hätte sie ihre Ausstellung, die das Museum für Konkrete Kunst in Ingolstadt zusammen mit dem Leonhardi-Museum Dresden konzipiert hat, auch „Fügung“ nennen können. Das wäre dann auch ein Schlüsselwort für ihre Konstruktionen gewesen. Im Ingolstädter Konkrete-Kunst-Konzept ist Monika Brandmeier an der richtigen Adresse. Die Professorin für Bildhauerei an der Hochschule für bildende Künste in Dresden, 1959 in Kamen am Niederrhein geboren, fügt das Alltägliche zusammen, führt das Auge zur Position der Gegenstände, lenkt es in bestimmte Richtungen. Zum Beispiel den Rundeisenstab entlang („ohne Titel“, 1991), über dem wie Trockentücher neben dem Spülbecken zwei grüne Lappen hängen. Oder über eine Glasscheibe, nein, eigentlich zwei, denn zwischen die ist ein langer Kunsthaarzopf geklemmt – das alles mit ein bisschen Paketklebeband zusammengehalten. Kostbar ist das Material dieser Installationen, Zusammenfügungen keineswegs, von berechneter Zufälligkeit sind die Videos, auf denen Brandmeier genau das tut, was sie in ihrer Kunsttheorie beschreibt: ein umfallender Besen, ein Fensterscharnier, das hochgeklappt wird, eine ins Vertikale gekippte, ruhende Frau. Was Brandmeier produziert, entzieht sich einer konventionellen Ausstellung und musealen Verwertung: Der Betrachter muss rätseln, was diese kunstlose Kunst mit ein paar Strichen auf Wachspapier will, wozu sie ihn verlocken soll. Eben wie dieser Sachverhalt von 2006 aus Holz, Lack und Stahl, diese rot angestrichene Kiste, zu der von der Galeriewand ein Stahlrohr herüberreicht, das in dem Behälter dann sein Pendant findet – das Ganze klappbar: Soll man oder soll man nicht ...?

(Uwe Mitsching)

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