Kultur

Illustration aus der Ottheinrich-Bibel - hier ein Ausschnitt. Vollständig sehen Sie die Illustration in der "Bildergalerie" am Ende des Artikels. (Foto: BSB/Cgm 8010)

03.12.2015

Raritäten von Rang

Begegnung der Kulturen: Staatsbibliothek in München zeigt Wertvolles aus Syrien, Irak und Iran

Speziell zum Advent stellt die Bayerische Staatsbibliothek in München in ihrer Schatzkammer einschlägige Bücher und Handschriften aus - das Motto lautet "Begegnung der Kulturen".

Dieses Jahr überlagern die Bilder von Menschen auf der Flucht die viel beschworene adventliche Idylle. Gerade Advent und Weihnachten erinnern an die religiöse Dimension von Flucht und Vertreibung. Einst wie heute begegnen sich dabei Menschen unterschiedlicher Kulturen, Herkunft und Traditionen. Die Schatzkammer-Ausstellung illustriert dies mit adventlichen Motiven und zeigt wertvolle Handschriften und Drucke aus Ländern, die heute sehr präsent sind: aus Syrien, dem Irak, Iran und Armenien.

Bibel, Koran und jüdische Schriften einträchtig nebeneinander

Sie erinnert an das Entdecken ferner Länder, Pilgerfahrten, aber auch Vertreibung. Die Schau präsentiert die Bibel neben dem Koran und einer jüdischen religiösen Handschrift und zeigt das gemeinsame kulturelle Erbe in Vielfalt und Reichtum in der Bayerischen Staatsbibliothek.

Es sind Raritäten von Rang, die man (bei freiem Eintritt, Öffnungszeiten siehe unten) bei gedämpftem Licht in Augenschein nehmen kann: Das Reichenauer Evangelistar, die Ottheinrich-Bibel, die Passah Haggadah, ein persisches Königsbuch – vier wahre Prachtstücke.

Das älteste Werk, das um 1020 auf Pergament entstandene Reichenauer Evangelistar, steht in direkter Nachfolge der Reichenauer Liuthar-Gruppe, die aufgrund ihrer für die ottonische Kunst charakteristischen Buchmalerei in das UNESCO Weltdokumentenerbe aufgenommen wurde. Die gezeigte Miniatur erzählt die Verkündigung der Geburt Johannes des Täufers an Zacharias.

Eine weihnachtliche Szene zeigt auch die erst seit 2007 wieder mit allen acht Bänden in der Bayerischen Staatsbibliothek vereinte Ottheinrich-Bibel. Sie wurde ab ca. 1430 für Herzog Ludwig VII. von Bayern-Ingolstadt gefertigt und enthält das früheste vollständig illustrierte Neue Testament in deutscher Sprache.

Persische Epen

Die Passah Haggadah, entstanden um 1478, zeigt in besonderer Weise die Jahrhunderte lange Tradition der Begegnung der Kulturen: In Süddeutschland gefertigt und von einer christlichen Buchmalereiwerkstätte illustriert, gelangte die hebräische Handschrift in das Benediktinerkloster Tegernsee und später in die Bayerische Staatsbibliothek.

Die Ausstellung präsentiert auch persische Epen und religiöse Literatur aus dem Iran. Gezeigt werden illustrierte Handschriften aus dem 16. und 17. Jahrhundert wie ein Königsbuch Firdausis mit 215 Miniaturen oder die in "Schiras" entstandenen fünf Epen von Nizami, die zu den schönsten persischen Handschriften in der Bayerischen Staatsbibliothek zählen.  Mit zu den ältesten Exponaten der Schau gehört ein hervorragend erhaltener Koran aus dem Iran mit prunkvoller Illumination und monumentaler Kalligraphie aus dem 11. Jahrhundert. (BSZ)

Bayerische Staatsbibliothek, Schatzkammer (1. Stock), Ludwigstraße 16, 80539 München.

Öffnungszeiten: Freitag 4./11./18. Dezember sowie Montag/Dienstag 21. und 22. Dezember. Jeweils 13 bis 17 Uhr.

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