Kultur

Im Verwirrspiel mit Viola, aus der ein Cesario wird (Felix Axel Preißler, rechts), mischen Sir Andrew (Stefan Lorch) und ein Illyrischer Bär mit. (Foto: Bührle)

27.05.2011

Rollentausch im Liebesrausch

Shakespeares "Was ihr wollt" ist am Staatsschauspiel Nürnberg ein umjubeltes Märchen- und Singspiel

In den schönsten Liebeskomödien Shakespeares ist das Wechselbad der Gefühle immer auch ein Verwirrspiel der Geschlechter: Frauen, gespielt von Männern, schlüpfen in Frauenkleider, Frauen treten in Hosenrollen als Männer auf, und wer dann wen liebt – ein Mann eine Frau oder eine als Mann verkleidete Frau einen Mann und umgekehrt – lässt der Dichter mit hermaphroditisch ironischem Augenzwinkern offen. Am Staatsschauspiel Nürnberg treibt der Regisseur Stefan Otteni Shakespeares amouröse Vexierspiele in seiner Inszenierung von Was ihr wollt auf die Spitze – und landet ein umjubeltes Märchen-, Sing- und Liebesspiel.
Ein Verdienst vor allem des wunderbaren, alle Register der raffinierten neuen Bühnentechnik ziehenden Bühnenbildes von Peter Scior, der mit seinem tropisch wuchernden Zauberwald ironisch das telegene Dschungelcamp-Ambiente zitiert, zugleich aber einen phantasmagorischen Spielraum für eine mit leichter Hand und dennoch tieferer Bedeutung versehene Interpretation von Shakespeares Liebes-Spiel Was ihr wollt liefert.
Dort versammelt sich zu Lust und Spielen eine bunt gemischte, farbenfrohe Gesellschaft, die nicht gleich in ihre (Geschlechter-) Rollen findet, sondern in Kleiderbergen wühlt und – halb Mann, halb Frau – erst mal in Röcke und Hosen schlüpft. Shakespeares Graf Orsino mutiert zur frauenliebenden Gräfin Orsina (Elke Wollmann), die auf Olivia (Tanja Kübler) steht, die wiederum den androgynen Zwitterling Cesario (Felix Axel Preißler) liebt.
Im Rollentausch und Liebesrausch tobt sich die illustre Gesellschaft auf der Suche nach dem eigenen und anderen Geschlecht aus, greift – mit Brechtscher Verfremdung – auf deutsches Liedgut, aber auch auf Schnulzen und Schlager zurück, die hinreißend schlecht gesungen, aber hervorragend gespielt werden, musikalisch schwermütig untermalt von Bettina Ostermeier und Birgit Förstner.

Bär Bruno spielt auch mit

Witzige Einlagen liefern die immer wieder auftauchende „Bär-Bruno“-Parodie, vor allem die Paraderolle des eitlen Gecken Malvolio (Thomas Nunner), dem ein Bär nach dem anderen aufgebunden wird, und das Dick- und Doof-Gespann Sir Toby (Stefan Willi Wang) und Sir Andrew (Stefan Lorch), die sich nicht nur blutige Nasen holen, sondern auch für den Spott nicht sorgen müssen.
Im Kitsch des röhrenden Hirsches endet diese heiter-melancholische Studie über die Fragwürdigkeit sexuell eindeutiger Orientierung, die viel einfacher ein Schlager-Oldie auf den Punkt bringt: „Die Liebe ist ein seltsames Spiel / sie kommt und geht von einem zum andern …“
(Friedrich J. Bröder)

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