Kultur

Don Pasquale (Franz Hawlata) geht es an den Kragen: Sein Neffe Ernesto (Bogdan Mihai) liebt seine junge Gattin. (Foto: Thomas Dashuber)

02.11.2012

Schikaniert nach Strich und Faden

Donizettis "Don Pasquale" am Gärtnerplatztheater als spritzige Italianità

Die Zeiten scheinen vorbei, dass am Münchner Gärtnerplatz-Theater stets irgendeine bayerische Volkstümlichkeit durch die Szene hampeln muss. Dafür aber will sich das Haus unter der neuen Intendanz von Josef E. Köpplinger offenbar stärker der benachbarten Staatsoper annähern. Jedenfalls konnte man im Programmheft zur neuen Produktion von Gaetano Donizettis Don Pasquale auch einen Beitrag vom Fernseh-Philosophen Peter Sloterdijk lesen. Zwei Tage nach der Pasquale-Premiere, für die das Gärtnerplatz im Cuvilliéstheater gastierte, wurde an der Staatsoper Babylon von Jörg Widmann uraufgeführt: Das Libretto stammt von Sloterdijk (siehe auch Seite 24 Babylonischer Stilsalat). Zufall oder nicht?
Wie auch immer, dieser Don Pasquale bereitete große Freude – zumal der Humor in diesem komischen Dreiakter beispielhaft verlebendigt wurde. Das gelang der großen Sängerin Brigitte Fassbaender, die lange das Tiroler Landestheater in Innsbruck leitete und nun ihr Münchner Regiedebüt gab, mit einer liebevollen, klugen Personenführung. Ihr Don Pasquale (Franz Hawlata) trägt ein Servierröckchen, während seine junge, neue Gattin Norina (Anja-Nina Bahrmann) Hosen und Sakko anhat. Sie schikaniert ihn nach Strich und Faden, denn eigentlich liebt sie Ernesto (Bogdan Mihai). Der ist Pasquales Neffe und liebt ebenso Norina, aber: Weil sie eine arme Witwe ist, möchte Pasquale, dass Ernesto eine reiche Frau heiratet – sonst enterbt er ihn. Um Ernesto zu helfen, greift Doktor Malatesta (Mathias Hausmann) zur List. Unter falschem Namen geht Norina eine Scheinehe mit Pasquale ein. Dieser bereut schnell die Heirat und ist umso erleichterter, als Ernesto ihn von Norina befreit. Und weil es hier eben um die Wirren der Liebe geht, huschte eine Amor-Putte durch die Szenen.
Sonst aber wurde dieses Verwirrspiel mit viel Situationskomik gewürzt, was hinreißend gespielt und gesungen wurde. Das galt allen voran für Hawlatas Pasquale, der mit Hausmanns listigem Malatesta ein überragendes Duett schmetterte, und den nuancenreichen Koloratursopran von Bahrmann. Auch Mihais konnte als jugendlicher Ernesto insgesamt überzeugen, in den Höhen aber blieb der Tenor doch recht schwach und matt.
Die eigentlichen Stars des Abends waren indes der Chor und das Orchester des Gärtnerplatz-Theaters, die unter der Leitung von Marco Comin eine stilsichere, spritzige Italianità hörbar machten. Zum ersten Mal stand Comin als neuer Chefdirigent des Hauses am Pult – ein rundum gelungener, kurzweiliger Abend. (Marco Frei)

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