Kultur

Ein pesender Felix the Cat aus Blech. (Foto: Museum Aschenbrenner)

09.02.2018

Schnattern und rattern

Mechanisches Blechspielzeug in Garmisch-Partenkirchen

Es sind nicht einfach nur Manschgerl aus bunt bemaltem oder bedrucktem Weißblech. Wer in der Sonderausstellung im Museum Aschenbrenner in Garmisch-Partenkirchen näher hinschaut, erkennt den wahren Reiz dieser in den Vitrinen zur Schau gestellten Kleinodien: Diese Figuren aus den Jahrzehnten zwischen 1870 und 1950 sind allesamt mechanisches Spielzeug. Der Münchner Karl Bürger hat die Stücke zusammengetragen; es handelt sich um die größte Sammlung von Blechspielzeug in Europa – aus Platzgründen zeigt das Museum Aschenbrenner nur einen Bruchteil davon.

Egal welchen Alters: Mit leuchtenden Augen schlendern die Besucher durch die Reihen der Schaukästen und lassen in ihrer Fantasie eine grazile Artistin auf dem Seil tanzen, einen blechernen Ballon in die Lüfte steigen, Vögel zwitschern, Roller- und Rikschafahrer herumkurven.

Museumsleiterin Karin Teufl: „Jede einzelne der Figuren kann irgendetwas. Ihre Innenleben sind angefüllt mit zum Teil komplizierter Mechanik.“

Um die ausgefeilte Technik zu konstruieren, die ja vor allem spielende und nicht gerade zimperlich zupackende Kinderhände aushalten muss, beschäftigten die Spielzeugproduzenten bestens ausgebildete Ingenieure und Designer. Diese entwickelten winzige Schwungräder und Federwerke. Ihre filigrane Arbeit glich der von Uhrmachern. Die Bewegungen der Figuren sollten möglichst nahe an der Realität sein. Es entstanden mechanische Wunderwerke. Weil im Museum nicht alle Blechpüppchen herumspringen können, filmte Karl Bürger ein paar beeindruckende Beispiele; das Video ist in der Ausstellung zu sehen.

Filmhelden aus Blech

Deutsche Firmen wie Siegfried Günthermann (Nürnberg), Ernst Paul Lehmann (Brandenburg) und Adolf Ring (Nürnberg) waren vor dem Ersten Weltkrieg beim Blechspielzeug Weltmarktführer. 70 Prozent der Produktion gingen in den Export.

Das waren Verkaufsschlager: Jeder der Cowboys, Musikanten, Zirkusclowns, Feuerwehrmänner und Marienkäfer wurde mit einer Auflage von mindestens 10 000 Exemplaren hergestellt; manche schafften sogar die Zweimillionenmarke. Für die US-amerikanische Filmindustrie wurden in den 1920er-Jahren Sonderserien der Comic-Helden Mickey Mouse, Felix the Cat, Barney Google und Donald Duck angefertigt.

Heute sind Blechspielzeuge preislich hoch gehandelte Sammlerstücke. Karl Bürger erzählt: „Früher konnte man auf fast jedem Flohmarkt fündig werden. Man musste nur so gegen fünf Uhr in der Früh auf dem Platz sein und zum Leidwesen der Händler Kisten und Schachteln durchstöbern.“ Gute Quellen in den 1970er- und 1980er-Jahren waren Spielwaren-Fachgeschäfte, die ihr Sortiment auf Plastikspielzeug umstellten: „In deren Speichern und Kellern konnte man reichlich blecherne Ladenhüter finden. Die wollte keiner mehr kaufen.“ Dann begann das Ebay-Zeitalter: „Man konnte stundenlang das Internet durchforsten und reiche Beute machen. Das ist heute schwierig geworden. Denn erstens ist der freie Markt fast leer gekauft, und zweitens kann man sich nicht mehr sicher sein, dass man ein Originalstück ergattert oder für teures Geld eine asiatische Fälschung bekommt.“ Ernsthafte Sammler sind mittlerweile fast ausschließlich in den auf Spielzeug spezialisierten Auktionshäusern unterwegs. (Günter Bitala)

Information: Bis 2. April. Museum Aschenbrenner, Loisachstraße 44, 82467 Garmisch-Partenkirchen. Di. bis So. 11-17 Uhr.

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