Kultur

Anna, William und ein riesiger Plastikhirsch sollen an William Shakespeare erinnern. (Foto: Theater Erlangen)

16.03.2012

Shakespeare reloaded

Paul Pourveur inszeniert das postmodernes Theaterstück "Shakespeare is dead – get it over!" in Erlangen

Es gibt kein Gestern, Heute oder Morgen und die Vergangenheit trifft in der Gegenwart auf die Zukunft: Nirgendwo ist überall!
Shakespeare is dead – get it over! ist ein sehr postmodernes Theaterstück über die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen des 1952 geborenen und hierzulande ziemlich unbekannten belgischen Theaterautors Paul Pourveur. Das Theater Erlangen stellt es jetzt in einer umjubelten Inszenierung von Eike Hannemann im Studio vor.
Dass es um den toten Shakespeare geht, ist dem Titel zu entnehmen und bestenfalls erinnern noch die beiden Protagonisten des Stücks, Anna (Anne Hathaway war Shakespeares Ehefrau) und William an den toten Weltdramatiker William Shakespeare, der in Stratford-on-Avon wildernd einen Damhirsch erlegte, an einem 5. August nach London floh und berühmt wurde. Folgerichtig dominiert ein riesiger Plastikhirsch vor einer sommernachtshaften Zauberwaldtapete die Bühne (Birgit Stoessel).


Eine bildungsbeflissene Zeitreise durch die Kultur


450 Jahre danach, ebenfalls an einem 5. August, lernen sich aber auch die Shakespeare-Schauspielerin Anna (Linda Foerster) und der Globalisierungsgegner William (Steffen Riekers) im Kino bei einer Film-Retrospektive auf das Werk des französischen Nouvelle-Vague-Regie-Stars Jean-Luc Godard kennen und lieben – und jetzt beginnt mit Dutzenden von Reminiszenzen, Anspielungen und Versatzstücken eine bildungsbeflissene Zeit(geist)reise, die dem Zuschauer freilich ein Mindestmaß an kultureller Allgemeinbildung abverlangt.
Die Inszenierung Eike Hannemanns macht daraus einen ziemlich trashigen Bilderbogen, in dem Linda Foerster nicht nur in die Rolle Brigitte Bardots (in Godards Film Die Verachtung) schlüpft, sondern Steffen Riekers hinreißend komisch Shakespeares blutrünstigen Krüppel Richard III. spielt. Aber, um den zweiten Teil des Titels (Get it over) zu zitieren, „Was solls“: Dieser Parforce-Ritt durch Zeit und Raum, Kultur und Literatur, der den Shakespeare-Kult genauso auf die Schippe nimmt wie die Marktwirtschaft („Der Preis ist alles – aber alles hat auch seinen Preis“), entwickelt mit allerlei Sapsticks, aber auch Klamauk zunehmend eine dramatische Dynamik, die das Publikum zu Beifallsstürmen hinreißt. (Friedrich J. Bröder)

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