Kultur

Mit dem Wesen der Engel als Vermittler zwischen Himmel und Erde setzt sich Lilian Moreno Sánchez in seiner Serie "Di-Simulaciones" (1997 – 1999) auseinander. (Foto: Diözesanmuseum Bamberg)

21.06.2013

SMS vom Erzengel

Eine Ausstellung im Diözesanmuseum Bamberg zeigt, wie die moderne Kunst die Verkündigung an Maria interpretiert

Wer sich dem Thema der Verkündigung an Maria stellt, weiß diesbezüglich um eine lange bildliche Vorgeschichte. Die Begegnung Marias mit dem Engel war seit jeher eine Herausforderung für die Künstler. Und sie kann es auch heute noch sein, wie eine Ausstellung im Kreuzgang des Bamberger Domes beweist. Ave Maria – Die Verkündigung an Maria in modernen Kunstwerken hat das Diözesanmuseum sein Projekt überschrieben und ihr das Motto „Perspektivenwechsel“ beigegeben.
Wenn schon die häufigsten Bilder der christlichen Kunst Marienbilder sind, dann hat die Verkündigungsszene natürlich einen besonderen Stellenwert. Aber ist es nicht heikel, diese besonders „heilige“ biblische Szene modernen Deutungen zu unterwerfen? Sabine Maria Hannesen, die aus Berlin kommende Kuratorin dieser Ausstellung, meint denn auch, die präsentierten Werke seien teilweise durchaus sperrig, aber mitnichten provokant gemeint. Museumsleiter Holger Kempkens zielt auf den Themenzusammenhang Kommunikation ab: Verkündigung sei ja auch Mitteilung, und das lasse sich mit den Mitteln der modernen Mediengesellschaft sehr gut darstellen.


Skeptische Auserwählte


Ein in diesem Sinne geradezu idealtypisches Bild zeigt den Erzengel Gabriel seine Botschaft an Maria per SMS auf das Handy schicken – wobei auch die Option „Löschen“ zu erkennen ist. Das wäre wahrlich eine moderne Maria: die Freiheit haben, sich dem göttlichen Auftrag entziehen zu können! Mit dem „Anruf“ Gottes ist auch andernorts jederzeit zu rechnen, so jedenfalls die Botschaft der Wiener Künstlerin Sylvia Vandermeer, die sich eine heutige Maria als junge moderne Frau vorstellt, die an einer Bushaltestelle wartend vom Engel überrascht wird – und darüber in freundliches, aber leicht ungläubiges Staunen gerät.
Erheblich skeptischer blickt die Auserwählte in Barbara Duisbergs Acrylbild Nachricht 2012 drein. Leicht apathisch wirkt dieses mit Kopfhörern bewehrte Mädchen und scheint sich angesichts der übermittelten Neuigkeit zu fragen: „Warum ausgerechnet ich?“
Quasi naturgemäß überwiegen die figürlichen – häufig collagierten – Annäherungen an das Thema (übrigens mit zahlreichen Reverenzen an die alten Meister), doch einige Kunstwerke wagen auch die weitgehende oder gar vollständige Abstraktion. Ein Beispiel für die Grenze zur Gegenständlichkeit ist Bernd Zimmers L’annuciazione: In kosmischer Farbenpracht gehalten, macht es das legendäre Geschehen nachvollziehbar.
Erwähnt sei noch, dass es zur Ausstellung einen reich dokumentierten und mit lesenswerten Essays angereicherten Katalog gibt, der zudem im Anhang eine Auswahl jener Kunstwerke zum Thema der Marienverkündigung vorstellt, die sich in den Pfarreien des Erzbistums Bamberg befinden. (Martin Köhl)

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