Kultur

Das neue Bodendenkmal, das an die Verfolgung und unrechtmäßige Hinrichtung von "Hexen" im Hochstift Bamberg erinnert, entfaltet im Dunklen seinen Charakter als Lichtskulptur. (Foto: Stadt Bamberg)

04.08.2015

Späte Entschuldigung

Hexenmahnmal in Bamberg: Eine Lichtskulptur erinnert an die Opfer der unrechtmäßigen Verfolgung

Es ist eine Lichtskulptur aus Cor-Ten-Stahl und Acrylglas der beiden Künstler Miriam Giessler und Hubert Sandmann - sie erinnert nun als „Hexenmahnmal“ an die Opfer der Verfolgungen im einstigen Hochstift Bamberg zwischen 1612 und 1631auf. Aufgestellt wurde das Kunstwerk auf der Freifläche zwischen Ludwigskanal und Rathaus Geyerswörth. Am Mahnmal befindet sich eine erläuternde Tafel mit Inschrift. Über einen dort angebrachten QR-Code können Smartphone-Nutzer zwei ergänzende Texte abrufen.

Das Mahnmal kam auf Initiative des Bürgervereins Mitte und dank zahlreicher Spendengelder zustande. Eine Jury hatte im Herbst vergangenen Jahres unter 180 Teilnehmern den Entwurf des Künstlerpaares aus Essen ausgewählt.

Im 17. Jahrhundert war der Staat der Bischöfe von Bamberg (Hochstift Bamberg), Schauplatz eines der dunkelsten Kapitel europäischer Geschichte. Schon unter Fürstbischof Johann Gottfried I. von Aschhausen (1575 bis 1622), verstärkt dann aber unter Fürstbischof Johann Georg II. Fuchs Freiherr von Dornheim (1586 bis 1633) sowie seinem Weihbischof und Generalvikar Friedrich Förner (1570 bis 1630), fand eine der grausamsten "Hexenverfolgungen“ Europas statt. In drei Prozesswellen wurden zwischen 1612 und 1630/31 bis zu 1.000 Frauen, Männer und Kinder der Hexerei bezichtigt, grausam gefoltert und hingerichtet.

Die Vorgänge im Hochstift Bamberg sind Teil mehrerer Verfolgungswellen. In zahlreichen Regionen des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und anderen europäischen Ländern fanden vom 15. bis 18. Jahrhundert „Hexenverfolgungen“ statt, denen nach Schätzungen bis zu 60.000 Menschen, davon ca. 25.000 in den Territorien des Reiches zum Opfer fielen und hier wiederum bis zu 1.000 allein im Hochstift Bamberg.

Zunächst fanden die Hinrichtungen in dem zum Hochstift gehörenden, bambergischen Ort Zeil am Main statt. Der Bau des Malefizhauses oder Trudenhauses als Hexengefängnis im Jahr 1627 (heute: Franz-Ludwig-Straße / Promenade, 1635 bereits wieder abgetragen) führte dann auch zu Hinrichtungen in der Residenzstadt Bamberg. Nach dem Tod Friedrich Förners (1630) als einer der zentralen Figuren dieser Zeit und der Besetzung des Hochstifts durch schwedische Truppen im Laufe des 30-jährigen Krieges (1632) fanden diese unrechtmäßigen Verfolgungen ein rasches Ende. Dazu trug das Eingreifen des Reichshofrats, des obersten kaiserlichen Gerichts in Wien, ebenso bei wie Initiativen der päpstlichen Kurie. (BSZ)

Literatur:

Stadt Bamberg, Siebenhaar, Ulrike (Hgg.): „Hexenprozesse und Hexenverfolgung" im Hochstift Bamberg. Eine vorläufige Bilanz. (... Themenwochen „Die Hexenprozesse im Hochstift Bamberg - eine vorläufige Bilanz“ vom 8. bis 23. Oktober 2012; Originaldokumente der Bamberger Hexenprozesse zeigte die Ausstellung „Zeugen eines Massenmordes“ der Staatsbibliothek Bamberg bis zum 21. Dezember 2012]. Bamberg 2013.

Hasselbeck, Johannes; Zink, Robert (Hgg.): So wirdt die gantze Burgerschafft verbrendt ... Der Brief des Bamberger Bürgermeisters Johannes Junius aus dem Hexengefängnis 1628. Bamberg 2013 (=Veröffentlichungen des Stadtarchivs Bamberg. 15).

Lesen Sie dazu auch im BSZ-Buch Alte Zeiten, raue Sitten. Underdogs aus Bayerns Gechichte (Hrsg. Christoph Bachmann, Karin Dütsch) das Kapitel "Hexen. Schlechte Wetter, Missernten, Hungersnöte: Da konnte doch nur böser Zauber im Siel sein - und der musste brachial gebrochen werden." (Volk Verlag, München, oder im BSZ-Online-Shop http://www.bayerische-staatszeitung.de/index.php?id=90 )

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