Kultur

Lebendige Mimik zauberte Bartolomé Esteban Murillo den beiden Junge in "Die Pastetenesser" (um 1675/82, Ausschnitt) ins Gesicht. (Foto: Bayerische Staatsgemäldesammlungen)

28.04.2015

Spannende Begegnungen

Die Alte Pinakothek zeigt ihre Werke in neuer Konstellation. Im zweiten Teil von "Neue Nachbarschaften" geht es vor allem um Gesichter

Nach dem Auftakt im vergangenen Jahr gehen jetzt in der Alten Pinakothek rund 50 Werke der französischen, spanischen, italienischen, flämischen, holländischen und deutschen Barockmalerei in spannungsvollen Konstellationen „Neue Nachbarschaften“ ein. Auf diese Weise sind Hauptwerke von Rubens, Rembrandt und anderen Meistern des Barock aus den sanierungsbedingt geschlossenen Sälen der Alten Pinakothek wieder für das Publikum zugänglich.

 

In den Gegenüberstellungen der Meisterwerke greift die Ausstellung vier Themen auf: „Mythologie und Natur“, „Bildnis“, „Rom um 1600“ und „Caravaggismus“. Ein die Themen verbindendes Element ist die bildliche Inszenierung der menschlichen Figur.

 

Ein gemeinsames Motiv der Gemälde des ersten Teils der Ausstellung ist zudem die Landschaft: Ob klassisch-ideal gestimmt wie bei Claude Lorrain oder ländlich mediterran inspiriert wie bei den holländischen Italianisanten – die Darstellung der Natur prägte ganz unterschiedliche Facetten aus. Natur und Landschaft können auch als Kulisse dienen: für Liebespaare, biblische und mythologische Szenen sowie für die galanten Feste des Rokoko. Die Nymphe Daphne, die vor dem Zugriff Apolls gerettet wird, indem sie sich in einen Lorbeerbaum verwandelt, macht in Poussins Gemälde die enge Beziehung zwischen Mythos und Natur anschaulich. In Porträts verdeutlicht die als Liebesgarten gestaltete Landschaft Heiratsabsichten oder eine emotionale Bindung. Durch den Einbezug der Natur entstehen auch Bezüge zwischen ganz unterschiedlichen Gattungen: Murillos Straßenkinder vertreten die Genremalerei, aber die Früchte, die sie feilbieten, finden sich ähnlich auch auf einem holländischen Prunkstillleben wieder.

 

Im zweiten Teil der Ausstellung stehen die lebensnahen Schilderungen ausdrucksvoller Gesichter von Rembrandt und seinen Schülern im Fokus. Rembrandt beschäftigte sich in den unterschiedlichsten Medien mit dem eigenen Konterfei und scheute sich auch nicht davor, als einer der Schergen in der „Kreuzaufrichtung“ aufzutreten. Seine Schüler strebten ihm nach: Immer wieder setzten sie sich, wie hier Ferdinand Bol, Carel Fabritius oder Nicolaes Maes, intensiv mit der menschlichen Physiognomie auseinander.

 

Der dritte Teil konzentriert sich auf ein Kunstzentrum: Italien und insbesondere Rom zogen über die Jahrhunderte die unterschiedlichsten Maler an. Bereits vor 1600 waren Künstler wie Bartholomäus Spranger und Adam Elsheimer aus den Niederlanden und Deutschland nach Italien gereist und setzten sich mit der Antike, aber auch zeitgenössischen Entwicklungen auseinander. Um 1600 entstanden in Rom zwei gegenläufige Strömungen: Die in der Nachfolge Caravaggios tätigen Maler vertraten eine naturalistische Kunstauffassung. Sie setzten mythologische, religiöse, aber auch profane Themen mit kraftvollen, dem Alltag entnommenen Figurentypen um und tauchten diese in eine schlaglichtartige Beleuchtung. Dem stellte die andere Richtung, zu deren Hauptvertretern Guido Reni zählte, das Ideal klassischer Schönheit mit ausgewogenen Kompositionen entgegen. Das Erbe der Antike prägte manche Künstler ein Leben lang: So finden sich noch im Spätwerk von Peter Paul Rubens Reminiszenzen an das Altertum.  (BSZ)

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