Kultur

Wie kann man nur einen Kaktus beim Verhör in die Mangel nehmen? Steffen Riekers als GSG-9-Mann. (Foto: Quast)

25.03.2011

Stachlige Bombe

Im Theater Erlangen lassen sich in der Polit-Satire "Der Kaktus" komödiantische Talente entdecken

Darf man einen Kaktus foltern? Die Antwort auf so eine unsinnige Frage gibt die Berliner Dramatikerin Juli Zeh mit ihrem Stück Der Kaktus, einer hinreißend komischen Persiflage auf Terrorismus-Hysterie und Überwachungswahn, die jetzt das Theater Erlangen zeigt.
Die Volljuristin Juli Zeh treibt mit dem Entsetzen ihre Scherze, wenn sie die Angst vor Kofferbombern und Selbstmordattentätern ironisch unterläuft und einen riesigen Stachel-Kaktus von vier Polizisten scharf ins Verhör nehmen lässt. Den hat der Terrorismusfahnder Dürrmann (Steffen Riekers) in seinem Terror-Verfolgungswahn aufgegriffen und auf die miefige Polizeistation (Bühnenbild Nicolaus Pleuler) geschleppt, wo der verängstigte Streifenpolizist Cem (mit türkischem Migrationshintergrund und Hauptschulabschluss) sowie die Polizeianwärterin Susi (mit humanistischem Abitur und Menschenrechtsempfindungen) nicht so recht wissen, was sie mit dem Terroristen mit dem verdächtigen Namen Carnegiea Gigantea anfangen sollen.
Christian Wincierz und Gitte Reppin entfalten in den Rollen der beiden Polizisten ihr bislang im Erlanger Theater kaum entdecktes komödiantisches Talent, vom Publikum deshalb zu Recht mit Beifall auf offener Szene bedacht.
Die wortwitzige Polit-Satire in der Regie von Johannes Wenzel gipfelt in Elektroschocks, die auf Anordnung des hinzugezogenen BKA-Polizeioberrats Schmidt (Hermann Große-Berg) dem mit seinem stachligen Stoppelbart doch recht ungepflegt aussehenden Delinquenten verabreicht werden, damit er das Versteck der Kofferbombe auf dem Flughafen verrät. Was aber nichts nützt, denn er selbst ist die Bombe – und geht in die Luft. (Friedrich J. Bröder)

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