Kultur

Im Musiktheaterstück "Das Kind der Seehundfrau" der JungenMET wird heftig getrommelt. (Foto: Keller)

14.02.2014

Trommeln für Talente

Mit dem Projekt JungeMet und vielen Projekten quer durch die Kulturszene will die Metropolregion Nürnberg den musikalischen Nachwuchs fördern

JungeMET“ nennt sich ein Nürnberger Projekt des Musiktheaters für Kinder und Jugendliche. Vielversprechend assoziativ mit einem Augenzwinkern der Name: Er spielt auf den internationalen Flair der Metropolitan Opera (MET) in New York ebenso an wie auf die regional-provinzielle Bodenhaftung der Europäischen METropolregion Nürnberg. Die JungeMET will „Zeitgenössisches Musiktheater für junge Menschen“, das Publikum von morgen, attraktiv machen.
Hinter der JungenMET steht das Nürnberger Theater Pfütze, das zusammen mit dem Theater Fürth diese Idee vor zwei Jahren geboren und inzwischen mit vier Produktionen auch schon in die Tat umgesetzt hat. Dass dieses ehrgeizige Vorhaben in Nürnberg aus der Taufe gehoben wurde, ist kein Zufall. Denn Nürnberg rühmt sich, die Stadt mit der größten Dichte an Kinder- und Jugendtheatern in Deutschland, eine Hochburg des jungen Theaters zu sein.
Was nicht zuletzt daran liegt, dass das damals noch städtische, inzwischen zum Staatstheater avancierte Theater Nürnberg 1997 sein eigenes Kindertheater für Schauspiel und Musiktheater aufgab und die kleinen privaten Kinder- und Jugendtheater in der Stadt, die eher (und vor allem finanziell) ein Schattendasein führten, mit den eingesparten Mitteln förderte. Das Kinder- und Jugendtheater der Städtischen Bühnen wurde also ausgelagert, vor allem in das (seit 1986 bestehende) Theater Pfütze und das Theater Mummpitz (1980 gegründet).

Hilfe von Sponsoren

Die Rechnung ging auf: Beide Theater haben inzwischen eigene Häuser und florieren. Nicht zuletzt auch deswegen, weil das Staatstheater mit ihnen kooperiert und in jeder Spielzeit mindestens eine ihrer Produktionen unterstützt. Unter die Arme greifen auch Sponsoren und Mäzene (etwa die Emanuel-Wöhrl-Stiftung), so dass das Theater Pfütze mit der JungenMet auf Jahre voraus planen kann.
Grundüberlegung zur JungenMET ist, dass sich „die Erzählweisen des Kinder- und Jugendtheaters in Deutschland in den letzten 30 Jahren äußerst komplex und kochkreativ weiter entwickelt“ haben. „Und vor diesem Hintergrund“, sagt Martin Zels, der aus dem niederbayerischen Straubing stammende Musiker, Komponist und musikalische Leiter des Theaters Pfütze, „reicht es nicht mehr aus, ein bekanntes und gängiges Opernrepertoire in kindgerechten Bearbeitungen“ einem jungen und neu zu gewinnenden Publikum anzubieten“. Also setzt das Theater Pfütze mit Auftragsarbeiten für Musiker und angehende Komponisten auf neue Partituren und Libretti, die eigens für junge Zuschauer und Hörer geschrieben werden.
So hat für die Produktion Der beste Koch der Welt, der renommierte Bamberger Kinderbuchautor Paul Maar (Das Sams) den Text zu dieser „kulinarischen Komposition“ für klassisches Orchester und Operngesang geschrieben. Das Stück Ente, Tod und Tulpe ist eher kammermusikalisch grundiert, und Der starke Wanja (nach dem Kinderbuch von Otfried Preußler) ist als Kammeroper konzipiert, für die das Nürnberger ensembleKONTRASTE die Musik arrangierte. Die jüngste Produktion, Die große Wörterfabrik wiederum, die im Herbst letzten Jahres uraufgeführt wurde, entstand in Zusammenarbeit mit dem Staatstheater Nürnberg.
Wie überhaupt die JungeMET des Theaters Pfütze, das kein eigenes Ensemble hat, sich für jede Produktion nicht nur die Komponisten und Librettisten, sondern auch die Regisseure, Musiker, Sänger, Tänzer und Schauspieler in der freien Szene zusammensucht. Oder sich die Musiker bei den Nürnberger Symphonikern ausleiht, denen natürlich auch an ihren Konzertbesuchern von morgen gelegen ist. Die JungeMET bietet auch Studenten der Staatlichen Musikhochschule Nürnberg schon während ihres Studiums die Chance für öffentliche Auftritte.
Die Zusammenarbeit mit dem Theater Fürth garantiert dem mehrfach ausgezeichneten Theater Pfütze und seiner JungenMET auch Vorstellungen auf drei Spielstätten der Kleeblattstadt: im Stadttheater, im Kulturforum im Alten Schlachthof und auf der Freilichtbühne im Stadtpark.
Wenn Musik die erste Sprache ist, die ein Kind, lange bevor es sprechen kann, versteht, dann kann man erst ermessen, wie prägend die Musik für Kinder aller Altersstufen ist. Der Nachhall der ersten Musikerfahrungen ist so nachhaltig, dass er ein Leben lang währt. So betrachtet, ist die JungeMET tatsächlich ein „Leuchtturm für die Metropolregion“, der weit über Nürnberg hinaus nach ganz Nordbayern strahlt.

Klassik herunterbrechen

Einem gleichsam komplementären Kontrastprogramm dazu hat sich die Theaterpädagogik der Musiksparte des Staatstheaters Nürnberg mit seiner Staatsphilharmonie verschrieben. Dort wird „Große Oper für kleine Leute“ gemacht, was darauf hinausläuft, das klassische Opern-Repertoire fallweise für ein junges und jüngeres Publikum gleichsam herunterzubrechen und verständlich, also vor allem nicht langweilig zu machen. Eine Mozart-Oper wird dann beispielsweise als „Kinderoper“ (für Kinder ab fünf Jahren) kammermusikalisch orchestriert oder von der hauseigenen Orchesterakademie gespielt. In den Kinderkonzerten der Staatsphilharmonie werden, etwa im „Instrumentenkarussell“, beim „Musikalischen Wetterbericht“ oder bei den „Sitzkissenkonzerten“ im Gluck-Saal des Opernhauses, einzelne Instrumente herausgestellt und beispielhaft vorgeführt. Die Städtischen Musikschule stellt im Opernhaus unter dem Motto „Phil & Young“ einen ganzen Vormittag lang in einem „Laboratorium musicale“ den Nachwuchs vor: die Mitglieder des Kinderchors, des Blechbläserensembles, des Akkordeonquartetts und mancher junger Solist ist dem Kindergarten noch nicht einmal entwachsen.
Im Wagner-Jahr gab es natürlich auch ein Wagner-Projekt: „Meistersinger heute“ gipfelte in einem Zug von „meisterlich singenden“ 500 Schülern zu Wagner-Stätten in der Stadt.
Der Integration durch Musik hat sich eine Koproduktion mit einer Grund- und Mittelschule im Nürnberger Stadtsüden verschrieben, wo vor allem Kinder mit Migrationshintergrund, fern der Stätten der Hochkultur wie dem Opernhaus, zu Hause sind.
Um Theorie und Praxis miteinander zu verbinden, gibt es zudem eine Kooperationen mit der Staatlichen Musikhochschule Nürnberg, vor allem mit dem Studienfach „Elementare Musikpädagogik“, und mit der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg, wo ja die angehenden Lehrer für den Unterricht an Grund- und Hauptschulen ausgebildet werden. Auch der städtische „Kultur-Rucksack“ ist mit musikalischem Inhalt (in Form von kostenlosen Ticketts für spezielle Vorführungen) gefüllt. Darüber hinaus nehmen engagierte „Kulturfreunde“ Kinder an die Hand und besuchen das Opernhaus oder gehen mit ihnen in Kinderkonzerte; so wie umgekehrt Musiker der Philharmoniker als Orchesterpaten Schülern ihre jeweiligen Instrumente nahebringen. Und schließlich ist „Spielen – Singen – Schauen“ das Motto der Jugendclubs des Musiktheaters, mit denen die Altersstufen von „5 plus“ bis „U 18“ angesprochen werden.

Familien-Open-Air

Ein Glanzlicht setzten die Nürnberger Philharmoniker vom Staatstheater 2013 erstmals ihrem Bemühen auf, ein junges und jüngstes Publikum für die Klassik zu begeistern: Beim traditionellen und mittlerweile von mehr als 100 000 Klassikfreunden besuchten Freilichtspektakel „Klassik Open Air“ auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände, gab es ein vormittägliches Familienprogramm. Dabei saßen die Instrumentalisten nicht auf dem Podium, sondern hauten mitten unter ihren jungen Zuhörern und zur Freude der Kinder buchstäblich auf die Pauke. Mit 7000 Besuchern, überwiegend Kindern, ein voller Erfolg, wie Generalmusikdirektor Marcus Bosch konstatierte: „Wir müssen uns das Wasser ja erst schaffen, in dem wir schwimmen!“ (Fridrich J. Bröder)

Abbildungen

Szene aus Der beste Koch der Welt von Paul Maar in der Inszenierung der JungenMET mit Mitgliedern der Nürnberger Symphoniker unter Leitung von Martin Zels. (Foto: Wolfgang Keller)

Große Oper für kleine Leute: Szene aus der Kinderoper (nach Mozart) Cherubino mischt sich ein oder Die verflixte Sache mit der Liebe, gespielt von der Orchesterakademie des Staatstheaters Nürnberg. (Foto: Jutta Mißbach)

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