Kultur

Kirill Petrenko ist seit dieser Saison Generalmusikdirektor am Nationaltheater. (Foto: Wilfried Hösl)

07.02.2014

Überraschen mit Mozart

Kirill Petrenkos Feuerprobe im Opernfach als GMD am Nationaltheater

Für Kirill Petrenko steht fest, dass man bei Mozart Stellung beziehen muss – und zwar Note für Note. „Bei Richard Strauss gibt es viele Stellen, da kann man es einfach laufen lassen“, sagte er am vergangenen Sonntag auf einer Matinee an der Bayerischen Staatsoper. Da drehte sich alles um Mozarts Oper La clemenza di Tito, die am 10. Februar Premiere hat – und die Petrenkos eigentliche Feuerprobe im Opernfach als neuer GMD am Münchner Nationaltheater ist.
Zwar hatte Petrenko seinen offiziellen Amtsantritt mit der Frau ohne Schatten von Strauss, aber: Mozart, der neben Strauss und Richard Wagner zu den drei Hausgöttern der Staatsoper zählt, ist interpretatorisch weitaus tückischer, wie Petrenko letztlich selber sagt.

Wie Mozart klang

Da ist die historische Aufführungspraxis: Sie spürt einem Originalklang nach, wie Mozart zu seiner Zeit geklungen haben könnte. Wie das gemacht wird? Teilweise wird auf historischen Instrumenten musiziert, in eher flotteren Tempi und mit einem dosierten Vibrato, wie auch generell mit einer ursprünglichen Phrasierung und Artikulation. Damit wollten seinerzeit Originalklang-Pioniere wie Nikolaus Harnoncourt die romantisierende Sicht aufbrechen, wie sie im 20. Jahrhundert vorherrschte.
In München hatten nicht wenige GMD-Vorgänger von Petrenko kein besonders glückliches Händchen für Mozart. Während Kent Nagano sich nicht wirklich festlegen wollte und den Spagat zwischen beiden Mozart-Interpretationen versuchte, war Zubin Mehta die historische Aufführungspraxis ziemlich schnuppe. Sein Mozart ist mitunter genauso übersättigt wie sein Gustav Mahler.
Und Petrenko? Als der 1972 geborene Russe zwischen 2002 und 2007 an der Komischen Oper in Berlin wirkte, hat er auch Mozart dirigiert – mit viel Biss, Tempo und Verve, aber auch Transparenz. Damals war hörbar, dass sich Petrenko während seiner Studienzeit in Wien intensiv mit Originalklang-Pionieren wie Harnoncourt auseinander gesetzt hat. Aber Vorsicht: Er wollte eine längere Mozart-Pause einlegen – vielleicht hat sich sein Mozart-Bild inzwischen grundlegend geändert.
Auf der Matinee an der Staatsoper verriet Petrenko noch nicht allzu viel, bis auf: „Klanglich möchte ich das Orchester breit aufstellen“ – mit kleineren und größeren Besetzungen. „Manchmal ist der Orchestergraben richtig voll. Aber die Chöre werden rhetorischer sein.“

Gelösteres Orchester

Wird also Petrenko versuchen, ähnlich wie sein Vorgänger Nagano die verschiedenen Auffassungen zu vereinen? Möglich wär’s, zumal schon deutlich wurde, dass sich Nagano und Petrenko in nicht wenigen Details interpretatorisch durchaus ähneln – obwohl sich Petrenko am Pult mehr bewegt und die Atmosphäre im Orchester gelöster erscheint.
Petrenkos Strauss ist aber ähnlich differenziert wie der seines Vorgängers – wenn auch glutvoller. Auch Mahler gehen Nagano und Petrenko ähnlich an, wie kürzlich die Symphonie Nr. 3 zeigte. Diese fulminante Aufführung war Petrenkos Feuerprobe im symphonischen Bereich. Wenn Petrenko Mahler dirigiert, verzichtet er ähnlich wie Nagano auf jedwede Sentimentalität und Larmoyanz. Alles wird glasklar seziert, und die Übergänge der Tempi sitzen treffsicher ohne Rubato-Schnickschnack. Vor allem aber trifft jeder Klang punktgenau ins Mark - ohne Hysterie und emotionalisierende Übertreibung.
Jetzt Mozart: Es wird spannend am Nationaltheater. (Marco Frei)

Premiere am 10. Februar im Nationaltheater.

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