Kultur

An eine phantastische Kinderbuchillustration erinnert Frank Jakob Essers Jagd auf Fische (2007). (Foto: MMK)

12.11.2010

Unheimliches aus einer entfernten Welt

Das Museum Moderner Kunst in Passau zeigt Arbeiten zwischen Surrealismus und Neosymbolismus

Mit der Ausstellung Phantastische Welten – Vom Surrealismus zum Neosymbolismus begibt sich das Museum Moderner Kunst in Passau auf eine so schmale wie dankenswert aufklärende Gratwanderung in die Gefilde der surrealistischen Malerei nach dem Zweiten Weltkrieg bis heute. Dass dieses Kapitel der Kunstgeschichte noch nicht aufgearbeitet ist, hat vermutlich mit der Schwierigkeit zu tun, seriöse Malerei mit psychologisch und intellektuell hochkomplexen Inhalten abzugrenzen gegen die Vereinnahmung durch eine so genannte phantastische Malerei, die Surrrealismus und phantastische Tendenzen der Nachkriegszeit wie die Wiener phantastischen Realisten zum Vorwand nimmt, einen Pseudosurrealismus mit softpornografischen Inhalten salonfähig zu machen.
Das Museum setzt mit dieser Ausstellung die langjährige Zusammenarbeit mit dem Sammler Axel Murken fort, aus dessen Sammlung die ausgestellten Gemälde und Papierarbeiten von neun Künstlern aus rund sechs Jahrzehnten phantastischer Malerei stammen.
Surrealismus und Symbolismus, pittura metafisica, die Lehren Sigmund Freuds und C. G. Jungs wie auch die Schriften von André Breton bildeten den Boden für eine Malerei, die das Unbewusste hervorlocken will und den Träumen zutraut, das Leben zu erklären. Mit Rückgriff auf den Surrealismus der 1920er Jahre wählten einige Maler nach dem Zweiten Weltkrieg surrealistische Stilmittel, um ihre traumatisierender Erlebnisse zu verarbeiten und zu bewältigen, so Edgar Ende (1901 bis 1965), Georges Spiro (1909 bis 1984) und Karl Heidelbach (1923 bis 1994).
Der weibliche Akt ist das irritierende Moment, das Roland Delcol (1942 geboren) im Zusammenhang mit kunsthistorischen Zitaten oder Szenen aus dem realen Leben setzt. Edi Brancolini (Jahrgang 1946) sucht seine Themen in der antiken Mythologie. Am interessantesten ist fraglos Uwe Lausen (1941 bis 1970). Er fand in München im Umfeld der Gruppe „Spur“ zur Malerei. Seine hochdramatischen Bilder sind an „Cobra“ und „Spur“ geschult, weisen aber eine quälend zerstörerische Komponente auf. Daneben wirken die Bilder von Peter Bömmels freundlich und vordergründig naiv – bei der Entschlüsselung haben die Gedanken freien Lauf.
Wie seriöse surrealistische Bildfindungen heute aussehen können, zeigt Christine Weber (Jahrgang 1963); sie ist vertraut mit filmischen Medien und inszeniert ihre dynamischen Bilder wie Reportagen. Auch Frank Jakob Esser (1970 geboren) betört den Betrachter mit einer romantischen Malerei, die an alte Kinderbücher erinnert und unheimliche, unerklärliche Szenen aus einer entfernten Märchenwelt ins Heute versetzt. Surrealismus und Symbolismus bekommen hier überraschende, neue Nahrung und Bedeutungsinhalte. (Ines Kohl)

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