Kultur

Die Austellung macht Parallelen im Kunstschaffen zu Franz Marcs Zeit deutlich. Sein Bild "Gazellen" hängt zum Beispiel in einem Raum mit Lyonel Feiningers Stadt-Geschachtel "Umpferstadt III". (Foto: Franz Marc Museum)

22.08.2014

Unter Künstlerfreunden

Teil 2 der Franz Marc-Trilogie in Kochel dokumentiert Einflüsse und Parallelen

„Der blaue Reiter, so heißt das Ding“, notierte Paul Klee 1913 und nannte die Redakteure: Wassily Kandinsky und Franz Marc. Da war Marc schon seit zwei Jahren in den Raum der internationalen Avantgarde getreten: in Deutschland mit den Metropolen Berlin und München. Im zweiten Teil seiner Ausstellungs-Trilogie zu Franz Marc zeigt das nach ihm benannte Museum in Kochel nach dem künstlerischen Aufbruch nun den Maler Im Kreis der Avantgarde.
Das bedeutete neue Bekanntschaften, Freundschaften, seine dritte Parisreise, besonders die Korrespondenz und Begegnung mit Robert Delauney. Die Ausstellung Im Kreis der Avantgarde dokumentiert Einflüsse, Parallelen: Man hängt Marcs Gazellen in einen Raum mit Lyonel Feiningers kubistischem Stadt-Geschachtel Umpferstedt III (1916), erinnert mit dem streng geometrisch geteilten Springenden Pferd an Delauneys Kleine Kombination IV.
Kristalline Strukturen, auch die Delauney-nahen Farbkreise entstehen nach Marcs Parisreise; beim Thema Kubismus kommt er um Picasso nicht herum, kritisiert aber in einem Brief an Kandinsky dessen „mangelnde Konstruktion“ und meint, die „Sachen seien zu impressionistisch“. Da fühlt sich Marc mit seinen kubistisch beeinflussten Arbeiten offenbar moderner, auch wenn man die Anregungen von Oskar Kokoschka, Erich Heckel oder Albert Gleize einbezieht: 1913 war dessen Paysage eine Zwischenstation zwischen Kubismus und Abstraktion.
Die Ausstellung in Kochel dokumentiert kurz und bündig die verschiedenen Wege, die damals möglich waren: Kandinskys zunehmende Abstraktion, Mackes Große Promenade, die wilden Farben der Porträts von Jawlensky oder die konzentrierten Holzschnittlinien der Berliner Brücke-Maler: „Ich schneide alles in Holz“, schrieb Marc 1914 noch an Paul Kubin. Letztlich aber war es ein Weg, den Marc nicht weiterverfolgen wollte: die Fülle von Versöhnung steht der Konzentration von Heckels Fränzi liegend gegenüber. Genauso interessant sind solche Gegenüberstellungen wie Marcs Tiger und Heckels Liegende auf schwarzem Tuch.
Das macht den Reiz dieses zweiten Marc-Ausstellungs-Kapitels aus: Nicht die in alle Tiefen schürfenden Einsichten, sondern die Fülle der Dokumentation all der Richtungen, in deren Umfeld sich Marc in diesen Jahren bewegte, von dem, was er aufnahm, wogegen er sich abgrenzte – Begegnungen, die ihm auch sein Mäzen Bernhard Köhler ermöglichte.
Auch wenn 1914 und der Krieg Marcs Leben ein frühes Ende setzte: Die Marc-Trilogie geht weiter mit Jenseits der Utopien. Diese Ausstellung wird davon handeln, was aus Marcs Aufforderung Ende 1914 wurde: „Ihr Europäer habt nach dem Krieg die Arme frei – gebraucht sie! Gebraucht sie schnell und gründlich, ehe der dumpfe, immer bereite Geist der Reaktion von trübem Thun Euch anfällt.“ (Uwe Mitsching)

Bis 5. Oktober. Franz Marc Museum, Franz Marc Park, 82431 Kochel. Di. bis So. 10 – 18 Uhr. www.franz-marc-museum.de

Abbildung:
Mit Robert Delauney stand Franz Marc in engem Briefkontakt, die beiden trafen sich auch. Hier Delauneys Gemälde St. Severin vom 1910. (Foto: Franz Marc Museum)

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