Kultur

Mediale Vielfalt ist Trumpf in den lichten Museumsräumen. (Foto Museum Kloster Fürstenfeld)

20.09.2013

Unterhaltsame Kloster-Show

Die neue Dauerausstellung im Museum Kloster Fürstenfeld präsentiert sich spannend und multimedial inszeniert

Es ist eine Geschichte wie aus dem Ritterroman: gelangweilte Herzogin auf einsamer Burg, vertauschte, verräterische Briefe, eifersüchtiger Gatte, Enthauptung der vermeintlich untreuen Ehefrau – oder wollte der Herzog nur einen Thronfolger von der Nachfolgerin im adeligen Ehebett? Das immerhin klappte: erst drei, dann fünf Kinder. Das Jüngste sollte später Kaiser Ludwig der Bayer werden. Und das von seinem denn doch reuevollen Vater Ludwig 1263 gegründete Kloster heißt bis heute Fürstenfeld. Es ist längst säkularisiert – und Fürstenfeldbruck ist ein bekannter Museumsort vor den Toren der einstigen Residenzstadt München.

Grausame Bluttat

Seit Mitte dieses Jahres gibt es im Museum eine neue Dauerausstellung zu Geschichte und Gegenwart des Klosters Fürstenfeld. Natürlich wird am Anfang des Rundgangs durch mönchisches Leben die mittelalterliche Bluttat ausführlich geschildert. Das ist ein Einstieg mit Krimi-Qualitäten: Blut wohin man blickt. Abgeschlagen der Kopf der Maria von Brabant, mitten ins Herz gestochen die Kammerfrau. Wenn das alles vielleicht auch nicht ganz wahr ist, so ist es doch fesselnd erfunden – und könnte noch mehr Publikum anziehen in diesem ohnehin gut besuchten ehemaligen Klosterkomplex mit dem alles beherrschenden, barocken Viscardi-Wunderbau, natürlich einem Klosterstüberl, dem sommers erfrischenden Mühlbach, viel Raum für Kunst und für die Polizei-Fachhochschule.
Bei der Neugestaltung des Museums musste man offenbar nicht sparen: Durch die tonnengewölbten Gänge und Räume ziehen sich beleuchtete Bildbänder nicht nur vom blutigen Geschehen: Es gibt unterschiedlich dimensionierte Reproduktionen, originale Exponate wie etwa die Eichenholzfiguren von Ludwig dem Strengen und seinen drei Ehefrauen – nicht nur als einsame Solitäre, sondern immer in Wort und Schrift integriert. Interaktive Bildschirme sind in die Info-Tische eingelassen: man hört den Bannfluch von Papst Clemens VI. gegen Ludwig den Bayern oder begegnet dem Kloster als Fürstenherberge. Die Wandtexte sind auch für Kurzsichtige schön groß geschrieben; auf den Krabbeltischen kann man sich intensiver einlesen in die Beziehungen des Klosters zum Kaiser.
Die Reichskrone steht nicht nur als Illustration herum, sondern soll hinlenken auf die Bedeutung der Reichsinsignien für den bayerischen Kaiser, der sie 1323 feierlich in Nürnberg in Empfang nahm.
Mediale Vielfalt ist also Trumpf. Ungewohnt kritische Fragen werden nicht verschwiegen und man kann eine Allongeperücke aufsetzen oder einen Fürstenhut der Reformationszeit: hygienischer Kopfschutz inclusive. „Würdest Du in ein Kloster eintreten?“, heißt da eine der Fragen. Man erfährt, wie es im Kloster und im mönchischen Alltag zuging und welche Karrieremöglichkeiten man dort hatte: dass man es durchaus vom armen Bauenbub zum Abt brachte. Direkt kess ist der Vergleich zwischen einem so großen Kloster wie Fürstenfeld und einer Aktiengesellschaft („Seelenheil-AG“), dem Abt und dem Vorstandsvorsitzenden.
Schüler können mit alldem und ein paar Arbeitsaufträgen bestens umgehen, können staunen über Reiseapotheken oder Kastenbilder und sich in einer Zisterzienserkutte fühlen wie ein Mönch.
Am Ende steht der Höhepunkt dieser Kloster-Show. Im 360-Grad-IMAX-Format geht es um die Fragen: Wer hat das Kloster gebaut, ausgemalt und stuckiert? Welche Musik wurde dort gespielt? Die kann man selbstverständlich auch hören: Komponiert wurde sie 1755 von Remigius Falb, eingespielt 1987.

Brucker Alltagsgeschichte

„Bruck um 1900“ heißt im 2. Stock die alte, aber neu gruppierte Dauerausstellung. Im 3. Stock ist die Archäologie des Historischen Vereins zuhause. „Fröhlicher Mut, köstlich Gut“ steht da über dem Herd einer Brucker Hausfrau der Jahrhundertwende, die Speisekarte von Martha-Bräu verspricht 100 Gramm Aufschnitt für 56 Pfennige oder eine Portion Sauerkraut für 10 Pfennige – Schweinsbraten oder -haxe waren an dem Tag leider aus. Und im „1. F’Bruckner Kinematographen“ wurde des Pastors Töchterlein in zwei Akten gespielt. Da bekommt man noch entspannende Alltagsgeschichte nach der blutigen Klostergeschichte: Insgesamt ein Vielfach-Angebot für verregnete Herbsttage. (Uwe Mitsching)


Museum Kloster Fürstenfeld, Fürstenfeld 7e, 82256 Fürstenfeldbruck. Di. bis Sa. 13 – 17 Uhr, So. und Fei. 11 – 17 Uhr. www.stadtmuseum-ffb.de

 

Abbildung:

„Versehentlich“ ließ Ludwig seine Gattin Maria von Brabant köpfen. Als Buße stiftete er Kloster Fürstenfeld. Hier der Wittelsbacher in einem Stiftergrabbildnis. (Foto: Museum Kloster Fürstenfeld)

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