Kultur

Der vergoldete Tassilokelch aus der Zeit um 777 ist eine der wenigen Repliken in der Ausstellung. (Foto: HdBG)

27.04.2012

Verbündet, verfeindet, verschwägert

In der neuen Landesausstellung gehen Bayern und Oberösterreich ihrer gemeinsamen Geschichte nach

In den historischen Anlagen von Burghausen, Mattighofen und Ranshofen findet die erste gemeinsame Landesausstellung des Freistaats Bayern und des Landes Oberösterreich statt, begleitet von einem reichen Rahmenprogramm. Thema ist die 1500-jährige gemeinsame Geschichte. Auf der Burg in Burghausen ist die frühe Zeit, das Mittelalter zu sehen; in den österreichischen Ausstellungsorten dann die Fortsetzung bis ins 19. Jahrhundert. Die Zeit ab da bis in die Gegenwart sollen in einer weiteren Kooperation in ein paar Jahren gezeigt werden.
In der länderübergreifenden Ausstellung wird von historischen Gemeinsamkeiten ebenso erzählt wie von alten Konflikten und Problemen. Der bayerische Teil beginnt im frühen Mittelalter, als Österreich noch bei Bayern war. Dieser Ausstellungsteil endet im 14. Jahrhundert mit Kaiser Ludwig dem Bayern, der sich mit seinem Widersacher Friedrich dem Schönen von Österreich nach kriegerischen Auseinandersetzungen im wahrsten Sinne des Wortes „ins Bett gelegt hat“.
Christliche Mission, Ackerbau und Kaiserkrönung, Rittertum und Fernhandel prägten das Herzogtum Bayern, das bis 1156 vom Lech bis hinter Wien reichte. Die gemeinsame Sprache Bairisch verband die Menschen ebenso wie das Leben an und vor allem mit der Donau, der gemeinsamen Ader, auf der nicht nur die Nibelungen Richtung Ungarn zogen.
Viele Klöster haben nun ihre Schatzhäuser geöffnet um neben einigen „Klassikern“ auch viele zum Teil noch nie oder selten gezeigte Exponate der Landesausstellung zur Verfügung zu stellen. Andere stammen aus verschiedensten Archiven und Sammlungen. Zu sehen ist unter anderem das seit Jahren unter Verschluss gehaltene Salzburger „Verbrüderungsbuch“ oder der noch nie in einer Ausstellung präsentierte „Taufschein“ Österreichs, eine Urkunde von 996, in der erstmals von „Ostarrichi“ die Rede ist, also vom „Herrschaftsgebiet im Osten“ (aus der Sicht des bayerischen Stammesgebiets). Die Urkunde wird bis heute – zum Leidwesen der österreichischen Nachbarn – im Bayerischen Hauptstaatsarchiv in München gehütet.
Ausgestellt ist auch eine frühe Nibelungen-Handschrift, der Stab des hl. Godehard, der als Abt von Niederaltaich 1022 zum Bischof von Hildesheim berufen wurde, und der vergoldete Kelch des bayerischen Herzogs Tassilo III., den dieser vermutlich im Jahr 777 dem österreichischen Kloster Kremsmünster vermachte; der Kelch ist allerdings eine der wenigen Repliken in dieser Ausstellung.
Im Original gezeigt werden dagegen die vergoldeten „Tassiloleuchter“ und viele andere Kunstschätze. Selten waren so viele originale Prunkstücke des Mittelalters in einer Ausstellung vereint.
Die Ausstellungsarchitektur wird sowohl den hochkarätigen Exponaten als auch den historischen Räumlichkeiten gerecht. Keine übertriebenen Installationen, die die Originale in den Schatten stellen, daneben aber moderne Elektronik und zahlreiche äußerst phantasievoll gestaltete Aktivstationen, die Kinder (und Erwachsene) zum Ausprobieren animieren.
Auf der Burg von Burghausen wird das Mittelalter diesseits und jenseits der Salzach inszeniert, etwa mit einem extra nach altem Vorbild gefertigten, voll funktionsfähigen Tretradkran und der sprichwörtlich gewordenen „Tretmühle“. Man kann den Liedern des Burggrafen von Regensburg zuhören oder selbst auf einer Zauberharfe spielen, sich in Bogenschießen üben oder Pflügen. Und dann geht’s weiter nach Österreich. (Bis 4. November, Burg Burghausen). (Cornelia Oelwein)

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