Kultur

Mit Marc Padmore konnte ein Tenor von Weltrang auf Nürnbergs Kaiserburg gelockt werden. (Foto: Kammermusikfestival Nürnberg)

17.09.2014

Vergnügliche Fundstücke und Curiosa

Das internationale Kammermusikfestival Nürnberg präsentiert überraschende Kabinettstückchen

Erst in der Mitte angelangt, aber doch schon mit positiver Bilanz: das 13. Internationale Kammermusikfestival Nürnberg, wieder sehr sympathisch fest in englischsprachiger Hand, präsentiert überraschende Kabinettstückchen. Und zwar von einem Komponisten, von dem man sie am wenigsten erwartet hätte: Hans Werner Henze. Das bringt schon im Vorfeld Lob vom ehemaligen Münchner Biennale- und Salzburger Festspielchef Peter Ruzicka ein: „klug, erlesen, eindrucksvoll“. Besonders natürlich, wenn man mit  Marc Padmore einen Tenor von Weltrang trotz schmaler Gagen auf Nürnbergs Kaiserburg locken kann, der die „Auden Songs“ oder „Sechs Gesänge aus dem Arabischen“ von Henze singt. Bei dessen  „Neuen Volksliedern und Hirtengesängen“ braucht man keinen Sänger: Es sind originell instrumentierte Curiosa, die die Erwartungshaltung des Publikums humorvoll düpieren, sieben Sätze, höchst vergnüglich bis hin zum weichgespülten  Ländler als „Ausklang“. Darüber war die an sich schöne, aber eher  unpersönlich und blass vorgetragene Auswahl wirklicher  Volks-„Lieder“ von Haydn bis Berio schnell vergessen; der Tenor John Zuckerman mit der Empfehlung seines Pedrillo oder Don Ramiro aus dem Dortmunder Engagement braucht Zeit und viele Blicke in die Noten, um den kurzen Stücken ein Gesicht zu geben. Das  gelang einem Streichquartett unter Primarius Benjamin Nabarro mit einem der „Razumowsky“-Quartette von Beethoven viel überzeugender. Man spielt mit schubertiadenhafter Spontaneität, temperamentvollem Zugriff, die junge Cellistin Gemma Rosefield lädt ihre vielen Pizzicato-Töne mit komödiantischem Talent auf: weniger blank polierte Studio-Perfektion als blendende Musizierlaune.

Ein Urlaubspostkarte von fünf Wochen Erholung

 In die Abteilung „Kabinettstückchen“ gehörten auch  „Drei Stücke für Klavierquartett“ des jungen Richard Strauss. Eine Geburtstagsgabe zum 150. aus dem Salon der Münchner Pschorr-Brauerei-Verwandtschaft und mit dem „Arabischen Tanz“ eine Urlaubspostkarte von den fünf Wochen Erholung im ägyptischen Luxor: fetzige Janitscharen-Musik aus einer Zeit, wo Strauss zuhause schon den „Tristan“ dirigiert hatte. Zum Festivalfinale bietet man am Freitag  im Nürnberger Hubertussaal noch einmal alles auf, was diese Woche auszeichnet: das ganze Musikerteam mit „Voices“ aus Henzes wilder Zeit („marxistische Wunschvorstellungen und homoerotische Liebeslyrik“) und einer Auswahl aus Gustav Mahlers „Lied von der Erde“. (Uwe Mitsching)

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