Kultur

Porträts, hier Modellpause (1925) waren für Max Pechstein ein wichtiges Thema. (Foto: Pechstein-Hamburg/Tökendorf)

08.04.2011

Verlorene Paradiese

Max Pechstein-Retrospektive im Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg

Er war ein Expressionist aus Leidenschaft – so hat das Kunstforum Ostdeutsche Galerie in Regensburg auch die Max Pechstein-Retrospektive betitelt, die an den bedeutenden Vertreter der klassischen Moderne erinnert. Seine Karriere begann Pechstein (1881 bis 1955) als Dekorationsmaler; später studierte er an der Gewerbeschule in Dresden. Berührungsängste von Kunst und Kunsthandwerk waren ihm fremd – er machte sich das eine für das andere zunutze und brachte die scheinbaren Gegensätze zu fruchtbarer Synthese. Seine Arbeit im Bereich der Bühnenbildnerei war wohl mitverantwortlich für den großzügigen, fast plakativen Duktus.

Offen für die aktuelle Szene

Ebenso war sein Blick offen für zeitgenössische Strömungen, die er in seinem Werk aufgriff: Ähnlichkeiten zu Van Gogh, Munch, Matisse, die Vertreter der Moderne finden sich in seinen Bildern, anverwandelt zum dennoch unverkennbar eigenen Stil.
Die Ausstellung im Kunstforum beginnt mit dem ersten bekannten Gemälde, das Max Pechstein als Zwölfjähriger schuf: die Geierwally kopierte er trefflich von einem unbekannten Künstler. Die Schau zeigt weitere frühe Arbeiten, die noch durch den Jugendstil geprägt sind, bis hin zu Hauptwerken aus seiner Mitgliedschaft bei der Künstlergemeinschaft Brücke (1906 bis 1912) und schließlich zum letzten Gemälde Am Strand von 1954, das von dem zunehmend schlechten Zustand des kranken Künstlers gekennzeichnet ist.
Der chronologische Aufbau gibt einen nachvollziehbaren Überblick über die künstlerische Entwicklung Pechsteins. Einige bisher noch nicht gezeigte Bilder aus Privatbesitz glänzen in der Ausstellung, sowie ein Mosaik und ein Glasfenster, Beispiele von Auftragsarbeiten. Das KOG besitzt einige Ölgemälde von Pechstein, darunter das Hauptwerk Blauer Tag sowie eine beträchtliche Anzahl von Grafiken, zwei illustrierte Reisetagebücher und einen Brief mit gezeichnetem Briefkopf.
Die umfangreiche Druckgrafik und Zeichnungen machen die Werkschau besonders interessant. Akt und Landschaft lassen sich ideal Am Strand verbinden; häufigstes Modell war Pechsteins Frau. Ein anderes großes Thema bei Pechstein sind Zirkus und Varieté, Stillleben, Porträts und Selbstporträts. Ein Selbstporträt zeigt ihn mit Hut und Pfeife; Pechstein war damals 37 Jahre alt, so alt wie van Gogh bei seinem Selbstmord. Auf der Suche nach ursprünglicher Natur reiste Pechstein viel. 1909 hielt er sich erstmalig in Nidden auf der kurischen Nehrung auf, dem Paradies der Brücke-Maler. 1914 unternahm er mit seiner Frau Lotte eine Südseereise zu den Palau-Inseln. Durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges wurde der geplante Aufenthalt vorzeitig abgebrochen, dennoch war er künstlerisch folgenreich.
Immer wieder wurde die Kontinuität der Arbeit gestört: Kriegsbeginn, Weltwirtschaftskrise, die Nazizeit und schließlich langjährige gesundheitliche Probleme behinderten Pechstein. Er selbst hat wiederholt von verlorenen Paradiesen gesprochen. Seine Malerei, in der er sich anfänglich mit den verschiedenen Strömungen der klassischen Moderne und mit dem Expressionismus auseinandersetzte, zeigte in den 20er und 30er Jahren zunehmend realistische Tendenzen; sein Blick blieb auch für die Kunst der deutschen Nachkriegszeit offen und aufnahmefähig. (Ines Kohl)

 

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