Kultur

19.04.2013

Verträumter Mr. Barock

Countertenor Valer Barna-Sabadus bannt das Regensburger Publikum

Eigentlich wollte man von 350 Jahren Immerwährendem Reichstag in Regensburg berichten, von fast 45 Jahren Rathauskonzerten im historischen Rathaussaal, wo der Reichstag zusammenkam, von einem gleichbleibenden und gleichbleibend erfolgreichen Konzertkonzept. Aber dann kam Valer Barna-Sabadus dazwischen und sein sensationelles Debut beim ersten Rathauskonzert.
Kurz vor dem Examen an der August-Everdings-Akademie und nach Auftritten vor vier Jahren bei Riccardo Mutis Salzburger Pfingstfestspielen und bei der Münchner Hofkapelle: Valer Barna-Sabadus ist ein Countertenor der Spitzenklasse, ein verträumter Mr. Barock, der auch sein Publikum zum Träumen und danach zu Beifallsstürmen bringt, ein von seiner Musik besessener 27-jähriger Mann, der noch gar nicht so recht an den großen Auftritt gewöhnt ist. Der Schüler von Gabriele Fuchs ist darstellerisch, musikalisch, sängerisch umwerfend, und wenn ein Vergleich erlaubt ist, dann wohl am ehesten der mit Philippe Jaroussky. Sensationell geriet der Schluss des Abends („Händel im Taschenformat“) mit der Xerxes-Arie „Crude furie“.
Aber auch zuvor war man sprachlos: etwa über den Beginn mit „Ombra mai fu“ in einem wunderbar aufblühenden, raumfüllenden Crescendo. Ohne jede Spur von kratziger Schärfe hört man einen angenehm schattierten, absolut höhensicheren Sopran.
Die Instrumental-Zwischenspiele des Münchner Ensembles „Lyriarte“ werden einem vor Ungeduld fast zu lang bis der Rumäne die nächste Arie singt: aus Rinaldo, aus Giulio Cesare. Er ist ein Mann der großen tragischen Geste, der weit ausschwingenden vokalen Bögen und eines völlig ausbalancierten Klangs. Er hat sich aus Händels und Porporas Opern die elegischen, tragisch überschatteten Figuren und Partien ausgesucht, genauso gut gelingt ihm aber auch das barocke Fiorituren- und Koloraturenwerk in großer Beweglichkeit und Treffsicherheit. Dazu entzündet er allen barocken Furor in enormem Stimmumfang und schnellen Stimmungswechseln. Aber seine Spezialität sind eben doch die großen, emotional aufgeladenen Linien für seinen schwebenden Sopran. Die Welt der Alten Musik müsste Valer Barna-Sabadus nach diesem Auftritt endgültig offen stehen. Wenn dann noch die entsprechende Bühnenpräsenz und Spiellaune dazu kommt, steht einer großen Karriere nichts mehr im Wege. Das war kein Händel im Westentaschen-, sondern im Weltklasseformat.
Schlag auf Schlag geht es an den kommenden Wochenenden mit den Rathauskonzerten weiter: am 21. April mit dem auch für Salzburg gebuchten Minguet-Quartett und Thomas E. Bauer, der die Baritonpartie in Othmar Schoecks wunderbarem Notturno op. 47 singt. Oder danach mit dem Kurpfälzischen Kammerorchester und der Harfenistin Isabelle Moretti – aber Valer Barna-Sabadus wird sie alle überstrahlen. (Uwe Mitsching)

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